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Aktienmarkt-Analyse Die russische Börse hat ihren Aufwärtstrend wieder aufgenommen

Der russische Aktienindex RTS hat am Freitag erstmalig die Marke von 2.000 Punkten überwunden und sich auch am Montag darüber behauptet. Die bisher in diesem Jahr vorherrschende Seitwärtsbewegung scheint damit überwunden.

© FAZ.NET

Nach überaus erfolgreich verlaufenen Vorjahren hat sich der russische Aktienmarkt in diesem Jahr bisher schwer getan. Im ersten Quartal traten die Standardwerte per saldo letztlich auf der Stelle. Doch vergangenen Freitag ist dem richtungsweisenden RTS-Index das gelungen, was er im März schon einmal vergeblich versucht hat - das Überspringen der 2.000 Punkte-Marke.

Nach einem Tagesplus von 0,34 Prozent auf 2.008,42 Punkten behauptete sich der von Öl- und Gaswerten dominierte Index auch am Montag oberhalb der psychologisch bedeutsamen Marke. Charttechnisch gesehen ist diese Konstellation nicht hoch genug einzuschätzen. Ist es dem Markt damit doch offenkundig gelungen, in die Erfolgsspur zurückzufinden und den temporär unterbrochenen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

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Die volkswirtschaftlichen Rahmendaten stimmen

Trotz der in dieser Hinsicht kursierenden Bedenken vieler Marktteilnehmer scheint die Börse auch trotz der näher rückenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf Haussekurs bleiben zu wollen. Die Strategen beim Broker UBS haben auf den vollzogenen Ausbruch nach oben bereits mit einer Anhebung des Kursziels für den RTS von 2.250 auf 2.400 Punkten reagiert. Und die Bullen unter den Börsianern lassen sich dabei offenbar auch nicht von dem wenig demokratischen Vorgehen des Kremls gegen Demonstranten der Opposition vom Kaufen abhalten. Das war aber auch nicht zu erwarten, denn sonst könnte die chinesische Börse wohl kaum auf einem Rekordhoch notieren.

Was die Börsianer mehr interessiert als Demokratie, sind stabile politische Verhältnisse und positive Aussichten für die Konjunktur (die Wirtschaft wird 2007 vermutlich mit einer Rate von 6,2 Prozent expandieren, nach 6,8 Prozent im Jahr 2006) und die Unternehmensergebnisse (die Gewinne der im RTS-Index vertretenen Firmen sollen in diesem Jahr um 13,2 Prozent steigen, nachdem sich im Vorjahr vermutlich schon um gut 31 Prozent zugelegt haben). Diese Bedingungen sind derzeit in Russland erfüllt. An gravierende Verschiebungen der politischen Machtverhältnisse ist auch ohne einen Präsidenten Putin nicht zu denken und die Wirtschaft befindet sich nun schon das neunte Jahr in Folge auf Expansionskurs.

Dass der Aktienmarkt zuletzt trotzdem eine Pause einlegte, hatte neben einem ganz normalen Korrekturbedürfnis nicht zuletzt mit dem zwischenzeitlich deutlich abgesackten Ölpreis zu tun. Doch nachdem sich der Ölpreis verglichen mit dem im Januar erreichten Tief in der Spitze schon wieder um 27 Prozent erholt hat, ist der Weg frei für wieder steigenden Notierungen an der rohstofflastigen russischen Börse.

Vertretbare Bewertungen

Zu den besten Werten unter den Standardwerten in den vergangenen 17 Monaten, in denen sich der RTS-Index verdoppelt hat, zählten der Bunt- und Metallproduzent Norilsk Nickel, das größte Kreditinstitut Sberbank und der größte Versorger UES. Allen drei Werten werden von den meisten Experten weitere Kurschancen zugebilligt. Die meiste Phantasie beinhalten aber die zahlreichen Nebenwerte, die sich in lukrativen Nischen bewegen und mit einer niedrigen Bewertung glänzen.

Auch die Bewertung des Gesamtmarktes ist sicherlich trotz der Hausse der vergangenen Jahre noch nicht übertrieben hoch. Das von der österreichischen Raiffeisen Centrobank für den RTS auf Basis der Ergebnisse des Jahres 2007 auf 11,6 bezifferte Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zwar sicherlich höher als in den Vorjahren. Im internationalen Vergleich gestaltet es sich aber relativ moderat und das gilt erst Recht, wenn die sehr soliden volkswirtschaftlichen Rahmendaten ins Kalkül mit einbezogen werden.

Bei Hermitage Fund, dem Verwalter des größten Russland-Fonds, heißt es zur Bewertungsseite wie folgt: „Der russische Markt hat noch einiges an Aufwärtspotenzial, weil die Bewertungen die sehr guten Fundamentaldaten noch nicht ausreichend widerspiegeln. Als Kontraindikator gewertet spricht laut den Experten von Hermitage auch die zumeist generell noch immer skeptische Haltung vieler institutioneller Anleger gegenüber der Börse in Moskau, die sich an Beispielen wie vergleichsweise wenigen Kaufempfehlungen und relativ zahlreichen Verkaufstipps festmachen lässt, für diesen Aktienmarkt.

Gazprom-Aktie hat ihre Favoritenrolle eingebüsst

Wer zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommt und kein Problem damit hat, auf ein Land zu setzen, das vielleicht doch nicht so einen lupenreinen Demokraten als Präsidenten hat, wie das der Putin-Vertraute und ehemalige Bundeskanzler Schröder noch immer behauptet, dann kommen dafürals Alternative zum Aktienkauf auch die inzwischen in ausreichender Zahl vorhandenen Indexzertifikate in Frage.

Anders als der Gesamtmarkt ist mit Gazprom die ehemalige Lieblingsaktie vieler Analysten und Ausländer noch immer aus dem Tritt. Die Notiz dümpelt auf dem Niveau von Anfang 2006 vor sich hin und noch gibt es keine Anzeichen für einen baldigen Ausbruch nach oben. Vielmehr gab es zuletzt sogar weitere Rückstufungen für den Gasriesen. Erklären lässt sich das zum einen mit der Enttäuschung über die vorgegebenen Produktionsziele, aber auch mit der Sorge vor möglicherweise drohenden höheren Steuern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB

 
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