16.07.2007 · Mit der bisherigen Jahresbilanz hinkt der russische Aktienindex RTS im Performance-Vergleich der Weltbörsen derzeit noch hinterher. Doch das jüngste Kursverhalten und der Vorstoß auf ein neues Rekordhoch lassen Besserung erwarten.
Anders als in den meisten Vorjahren tauchen die russischen Aktienindizes in diesem Jahr in der Performance-Rangliste der Weltbörsen nicht unter den führenden Märkten auf. Verantwortlich dafür ist eine Flut an Neuemissionen und Kapitalerhöhungen. Das bindet einfach viel Kapital. Außerdem produziert Russland derzeit politisch gesehen nicht gerade positive Schlagzeilen. Ganz im Gegenteil: Im Vorfeld der näher rückenden Wahlen mimt Präsident Putin den starken Mann und brüskiert mit seinen Entscheidungen viel öfters als zuvor den Westen. Jüngstes Beispiel dafür ist der Bescluss, die Erfüllung von Russlands Verpflichtungen aus dem Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa auszusetzen.
Doch so langsam scheinen sich die Marktakteure an Belastungen dieser Art zu gewöhnen. Zumindest deutet das die Entwicklung des Leitindex RTS an. Der hat in der Vorwoche die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Punkten überschritten und ein neues Rekordhoch markiert. Insgesamt beläuft sich das Kursplus im Juli damit schon auf fast neun Prozent, was die beste Monatsperformance seit vergangenen November verspricht. Charttechnisch gesehen ist das ein sehr ermutigendes Kennzeichen. Kann im Gefolge einer solchen Konstellation doch mittelfristig meistens mit weiteren Kursavancen gerechnet werden.
Fundamental betrachtet spricht vieles für russische Aktien
Außer den Problemen, die aus der IPO-Welle und der Politik resultieren, spricht fundamental betrachtet ohnehin vieles für steigende Aktienkurse an der russischen Börse. Die volkswirtschaftlichen Rahmendaten, die das Land zu bieten hat, stimmen jedenfalls. So wächst die Wirtschaft mit jährlichen Raten zwischen sechs und sieben Prozent und die Devisen- und Goldreserven belaufen sich inzwischen auf mehr als 400 Milliarden Dollar. Hinzu kommen Überschüsse im Staatshaushalt, ein florierender Konsum und eine stark expandierende Geldmenge.
Und da der Ölpreis zuletzt wieder deutlich gestiegen ist, dürfte sich an den vorteilhaften Rahmendaten so schnell auch nichts ändern. Vielmehr könnte der Ölpreis bei weiter steigenden Notierungen dafür sorgen, dass sich die professionellen Marktteilnehmer, die Russland in diesem Jahr eher vernachlässigten, diesem Markt wieder etwas stärker zuwenden. Dafür spricht übrigens auch die Bewertung. Auf Basis der vom Broker Deutsche UFG für 2008 erwarteten Gewinne beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Schnitt vergleichsweise moderate 11,8.
Bei anhaltend hohen Öl- und Gaspreisen dürften die zuletzt sehr vernachlässigten Sektorvertreter eine gute Chance auf eine Renaissance haben. Am Berichtstag haben mit Aton und Deutsche UFG bereits zwei Broker ihre Prognosen für den Ölpreis angehoben und Kaufempfehlungen für einige Branchenvertreter ausgesprochen. Setzt sich dieses Denken auch bei anderen Marktteilnehmern fort, könnte auch Gazprom vor einer Wiederentdeckung stehen. Die Aktien des Gasgiganten konnten in den vergangenen Monaten nicht überzeugen. Doch nach der Einigung, den französischen Ölkonzern Total als Partner bei der Entwicklung des Shtokman-Gasfeldes mit an Bord zu nehmen, könnte dieses unerfreuliche Kapitel jetzt endlich geschlossen werden. Blickt man nur auf die reinen Bewertungskennziffern, dann zeigt sich, dass das KGV für 2008 mit relativ niedrig ist und die Gasreserven im internationalen Vergleich noch immer drastisch unterbewertet sind.
Kurszettel hat für jeden Investor etwas zu bieten
Ebenfalls günstig bewertet erscheint Transneft. Dem Pipeline-Betreiber wird nur eine Marktkapitalisierung von rund zehn Milliarden Dollar zugestanden, was umgerechnet 210.000 Dollar pro Kilometer an Pipeline entspricht. Der Wiedererbauungswert der Pipelinestrecke beträgt aber 48 Milliarden Dollar. Außerdem besitzt das Unternehmen alleine schon Ölvorkommen im Wert von rund 13 Milliarden Dollar. Zusammen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2007 von unter fünf spricht das für eine klare Unterbewertung.
Unter den Standardwerten dürften ansonsten die seit langem beliebten Aktien des größten Kreditinstituts Sberbank (hier steht gerade ein Aktiensplit kurz bevor), der Buntmetallproduzent Norilsk Nickel und die Mobilfunkwerte MTS und Vimpelcom weiterhin eine vergleichsweise gute Figur abgeben.
Die wahren Schnäppchen finden sich auch an der russischen Börse allerdings unter den Nebenwerten. Dieses Segment ist aber nur jenen Investoren zu empfehlen, die bereit sind, sich näher mit der Materie zu beschäftigen. Außerdem ist ein größeres Maß an Risikobereitschaft eine wichtige Voraussetzung, lässt der Nachrichtenfluss mitunter doch zu wünschen. Sehr gute Wachstumsaussichten haben angesichts des vorherrschenden Konsumbooms insbesondere die auf das Inland fokussierten Unternehmen. Allerdings sind viele Branchenvertreter auch schon recht hoch bewertet, weshalb hier gezielte Titelselektion unabdingbar ist.
Effekte aus Olympia-Ausrichtung jetzt noch nicht überbewerten
Ansonsten sei noch erwähnt, dass die positiven Effekte, die aus dem unlängst erhaltenen Zuschlag zur Ausrichtung der Olympischen Winterspiele in der Stadt Sochi im Jahr 2014 resultieren, sollten derzeit noch nicht zu sehr gewürdigt werden. Erste Studien mit Anlageideen zu diesem Thema wurden zwar bereits geschrieben, bis sich die mit dem Event verbundenen Investitionen aber auch in konkreten Zahlen niederschlagen werden, dürfte es aber noch etwas dauern. Davon abgesehen ist es keine Überraschung, dass als Profiteure die Sektoren, Stahl, Bau/Infrastruktur, Konsum, Telekommunikation, Versorger und Finanzen gesehen werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |