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Aktienmarkt-Analyse Die polnische Börse erscheint kurzfristig etwas überhitzt zu sein

20.07.2007 ·  Der Warschauer Aktienamrkt hat schon seit geraumer Zeit einen guten Lauf. Doch gestiegene Bewertungen und etwas zu viel Euphorie um Neuemissionen weisen jetzt auf eine kurzfristige Übertreibung hin.

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Was ein Übermaß an Liquidität an einer Börse bewirken kann, wird derzeit eindrucksvoll am Warschauer Aktienmarkt demonstriert. Die Kurse haben sich dort verglichen mit 2003 und gemessen am Standardwerteindex WIG20 in etwas vervierfacht. Wie groß die Euphorie derzeit ist, lässt sich auch bei den Neuemissionen ablesen. Die Verantwortlichen rechnen in diesem Jahr mit mindestens 70 Börsenneulingen und die Anleger reißen den Emittenten die meisten Titel förmlich aus den Händen.

Das Manko an der ganzen Sache ist, dass speziell die Nebenwerte inzwischen wirklich nicht mehr günstig bewertet sind. Dank der starken Gewinnsteigerungen, welche die Unternehmen in den vergangenen Jahren verbuchen konnten, sind die im WIG 20 Index vertretenen Standardwerte auf Basis der für 2007 und 2008 erwarteten Gewinne noch einigermaßen moderat mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von im Schnitt 15,7 und 14,6 bewertet. Aber im Vergleich mit anderen zentralosteuropäischen Märkten ist das abgesehen von Tschechien schon relativ hoch und die Bewertungen bei vielen Nebenwerten liegen noch einmal sehr deutlich darüber.

Liquidität und Wirtschaftswachstum treibend die Kurse

Wie lukrativ die Bewertungen in Polen sein müssen, zeigt sich auch daran, dass neuerdings immer mehr ausländische Unternehmen ein (Zweit-)Listing in Polen anstreben. Das dahinter steckende Kalkül lautet eine höhere Bewertung als bisher zu erhalten und diese Rechnung ist auch schon mehrfach aufgegangen. Die jüngste Emissionsflut hat dafür gesorgt, dass mittlerweile rund 310 Aktien an der Warschauer Börse gelistet sind.

Möglich ist dieses Treiben durch das erwachte Kaufinteresse der Privatanleger, aber vor allem durch die reichliche Liquidität, die den Pensionsfonds zur Verfügung steht und die gezwungen sind, einen Großteil ihrer Mittel im Inland zu investieren. Sehen lassen können sich aber natürlich auch die wirtschaftlichen Errungenschaften. Die Wirtschaft wuchs im Vorjahr mit einer Rate von 6,1 Prozent und in diesem Jahr könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar noch etwas dynamischer zulegen.

Dämpfend auf das Geschehen an der Börse wirkt dagegen noch immer die Politik. Nach der Entlassung des Landwirtschaftsministers wackelt die Koalition wieder einmal bedenklich und vorgezogene Neuwahlen scheinen nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Und auch auf EU-Ebene hat sich der polnische Ministerpräsident Kaczynski zusammen mit seiner Regierung zuletzt bekanntlich mit seinem oftmals forschen Auftreten keine neuen Freunde gemacht.

Weitere Zinserhöhungen denkbar

Noch spielen die politischen Turbulenzen in den Überlegungen der Marktakteure zwar keine allzu große Rolle, weil die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit noch schwerer wiegen. Aber das kann sich irgendwann auch wieder ändern. Etwas mehr Sand ins Aktienkursgetriebe könnte mittelfristig jedenfalls über die Zinsschiene kommen. Am 27. Juni hat die Notenbank des Landes zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen auf nunmehr 4,5 Prozent erhöht. Und Mitglieder des geldpolitischen Rates haben unlängst bereits angedeutet, dass weitere Leitzinserhöhungen anstehen könnten.

Auch die Volkswirte bei Raiffeisen Research können sich wegen steigender Inflation und anziehender Löhne bis zum Jahresende zwei weitere Zinsanhebungen um jeweils 25 Basispunkte auf dann fünf Prozent vorstellen. Auch vor dem Hintergrund dieser Zinsperspektive würde es nicht überraschen, wenn die Hausse an der polnischen Börse im zweiten Halbjahr etwas an Schwung verlieren würde.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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