Bis in den späten Frühjahr hinein schien die Welt an den Aktienmärkten im Nahen Osten noch in Ordnung zu sein. Denn verglichen mit den anderen Weltbörsen hielten sich die Kurse bis dahin relativ gut.
Doch mit dem im Jahresverlauf deutlich abgestürzten Ölpreis gerieten auch hier die Notierungen gehörig unter Druck. Unter dem Strich steht inzwischen für den MSCI Index der Länder des Golf Kooperationsrates (kurz GCC für Golf Cooperation Council) mit einem Minus von 52,5 Prozent aber sogar ein schlechteres Ergebnis als für den MSCI Weltindex mit minus 45,1 Prozent zu Buche.
Bewertungen sind deutlich gesunken
Durch die Kurseinbußen haben sich auch die Bewertungen deutlich zurückgebildet. Auf Basis der von Credit Suisse für 2009 geschätzten Ergebnisse (unterstellt wird ein Gewinnrückgang von im Schnitt im sieben Prozent) ergibt sich für die Börsen der GCC-Staaten ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,4. Die Dividendenrendite wird zudem im Schnitt auf 6,1 Prozent beziffert.
Diese Kennziffern erscheinen im historischen Vergleich günstig. Allerdings gehen die Analysten im Konsens im Schnitt derzeit noch immer von Gewinnsteigerungen von 15 Prozent im kommenden Jahr aus. Das birgt Korrekturbedarf und könnte die Kurse noch weiter belasten.
Viel hängt zudem von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab. Die Vorhersagen der Volkswirte bei der Credit Suisse basieren beispielsweise auf einem Ölpreis von durchschnittlich 60 Dollar im kommenden Jahr. Das liegt zwar um 40 Prozent unter dem diesjährigen Durchschnitt, aber deutlich über dem aktuellen Preis von gut 40 Dollar je Barrel.
Für stabile Rahmendaten muss sich der Ölpreis wieder etwas erholen
Sollte der Ölpreis aber nicht weiter abstürzen, sondern sich wieder etwas erholen, dann sind die Analysten bei der Credit Suisse zwar nicht absolut bullisch, aber immerhin relativ zuversichtlich für die Aussichten der Börsen in der Region im kommenden Jahr gestimmt. Speziell im Falle weiterer Kursrückschläge wird zum Aufstocken von Positionen geraten.
Als Pluspunkte werden unter anderem die relativ geringe Verschuldung angeführt sowie die gemessen am Bruttoinlandsprodukt vermutlich vergleichsweise hohen staatlichen Konjunkturstützungsprogramme. Außerdem kann beim erwähnten prognostizierten durchschnittlichen Ölpreis in fast allen Ländern wieder mit Überschüssen in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt gerechnet werden. Mit etwas Glück könnte das relativ vorteilhafte volkswirtschaftliche Umfeld zu einer nachlassenden Volatilität und zu einer Sinken der zuletzt sehr hohen Korrelation mit den Weltbörsen führen.
Credit Suisse gefällt Börse in Saudi Arabien am besten
Unter den Einzelmärkten wird von Credit Suisse Saudi Arabien favorisiert. Zur Begründung wird auf ein auf fünf Jahre angelegtes 200 Milliarden Dollar schweres Wirtschaftsförderungspaket verwiesen sowie einen stabilen Immobilienmarkt. Zudem weise der Markt einen Abschlag von 52 Prozent gemessen am normalisierten durchschnittlichen langfristigen Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Positiv kommt auch Katar dank einem relativ hohen Wirtschaftswachstum weg. Als relativ teuer wird dagegen die Börse in Kuwait eingestuft.
Auf Sektorebene werden wegen dem deutlichen Bewertungsaufschlag verglichen mit anderen Schwellenländern bis auf die Branchenvertreter aus Saudi Arabien die Banken untergewichtet. Zurückhaltend ist man auch für den Chemiesektor, der unter wachsenden Kapazitäten bei sinkender Nachfrage und einer relativ hohen Bewertung gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis leidet. Zu einer Übergewichtung wird dagegen im Telekomsektor wegen der gut zu prognostizierenden Ergebnisse und hohen Dividendenrenditen sowie nicht zyklischen Konsumgütern in Saudi Arabien geraten.