18.07.2007 · Die politischen Querelen haben die Anleger nicht vom Kauf ukrainischer Aktien abgehalten. Ganz im Gegenteil: Mit einem Plus von mehr als hundert Prozent führt der PFTS-Index in diesem Jahr die Rangliste der Weltbörsen an.
Mit einem Plus von gut 105 Prozent hat der bei 1.025 Punkten notierende ukrainische Aktienindex PFTS alle anderen Börsen in diesem Jahr hinter sich gelassen. Nicht mit dem Markt vertraute Anleger mag dieser fulminante Anstieg angesichts der politischen Querelen überraschen. Aber die in der Ukraine aktiven Investoren haben sich längst an die Störfeuer gewöhnt, die immer wieder aus der Politik kommen.
Solange die Streitigkeiten nicht in Gewalt münden, können alle Beteiligten offenbar damit leben. Trotzdem kommt es natürlich auch darauf an, wie die vorgezogenen Wahlen am 30. September ausgehen. Den Umfragen zufolge wird sich an der gegenwärtigen Machtkonstellation aber vermutlich nicht allzu viel ändern.
Das bedeutet, die Anleger können sich auf die fundamentalen wirtschaftlichen Rahmendaten konzentrieren. Und die können sich trotz der politischen Wirren sehen lassen. So ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent gewachsen. Damit scheint die von der Regierung stammende Prognose eines Jahresplus von 7,2 Prozent beim Wirtschaftswachstum gut untermauert zu sein.
Konjunktur entwickelt sich gut
Etwas schwieriger dürfte es dagegen sein, die angestrebte Inflationsrate von 6,8 Prozent zu erreichen. Zuletzt lag der Satz jedenfalls über dieser Marke. Dass die Preise steigen, ist angesichts der regen Nachfrage der Verbraucher keine große Überraschung. Die Einzelhandelsumsätze sind von Januar bis Mai um 26,1 Prozent gestiegen und das verfügbare Einkommen ist von Januar bis April um 10,5 Prozent gewachsen. Das sind alles eindeutige Hinweise auf konjunkturelle Dynamik und der Aufschwung dürfte sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Zumindest dann, wenn die Preise für Rohstoffe unverändert hoch bleiben.
Neben der gut laufenden Konjunktur gefällt den Investoren die Aussicht auf stetige Verbesserungen in allen Bereichen, die derzeit noch Mängel aufweisen. Das gilt neben der Politik für die Transparenz der Unternehmen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Rentabilität. In diesen Bereichen sind aber bereits erste Fortschritte gemacht worden und die Öffnungs- sowie Konsolidierungspläne, welche die großen Holdings unlängst bekannt gegeben haben, deuten an, dass es weiter in die richtige Richtung gehen wird. Groß ist unverändert auch das Interesse ausländischer Firmen am Einstieg in den ukrainischen Markt. Viel los ist in dieser Hinsicht vor allem im Bankensektor, wie die eben eingefädelte Übernahme der Ukrsotsbank durch die Bank Austria Creditanstalt zeigt.
Aktien sind nicht mehr billig
Dennoch sollte man aber nicht blauäugig sein und die Probleme des Landes unterschätzen. Wie schwierig die Lage noch immer ist, zeigt sich in Gesprächen mit den Einheimischen sehr schnell. Geklagt wird dabei über die ungezügelten Bereicherungsinstinkte der Politiker, die fehlende Rechtssicherheit und die geringen Aufstiegschancen für ganz normale Bürger ohne Verbindungen zu den großen Interessensgruppen.
Ebenfalls unbedingt zu beachten bei der Einschätzung des Marktes sind die aktuellen Bewertungskennziffern. Denn nach den starken Kursgewinnen sind die Aktien im Schnitt nicht mehr billig. So veranschlagt der Broker Foyil das Kurs-Gewinn-Verhältnis der im PFTS-Index vertretenen Aktien aktuell auf 26,2. Und beim führenden Broker Dragon Capital finden sich auf der Beobachtungsliste deutlich mehr Verkaufs- als Kaufempfehlungen, was für einen Broker normalerweise untypisch ist.
Große Bewertungsunterschiede
Allerdings wäre es falsch, alles über einen Kamm zu scheren. Denn es gibt zwischen den Branchen und den Einzelwerten große Bewertungsunterschiede. So weist der Versorger Donbasenergo ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 185 auf, während der Düngemittelhersteller nur auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut vier kommt.
Warum Stirol und andere Chemiekonzerne so tiefe Bewertungskennziffern aufweisen, hat natürlich seine Gründe, hat die Branche doch mit den stark gestiegenen Gaspreisen zu kämpfen. Ohne tiefe Einschnitte werden die Geschäfte unprofitabel bleiben. Deshalb kommt es darauf an, dass ein Konzern wie Stirol umgekrempelt wird. Sollte es dazu kommen, worauf die angedeuteten Pläne hinweisen, weitere Aktien an den Markt zu bringen, dann könnte die damit verbundene Phantasie zum Kurstreiber werden. Wegen der Unsicherheiten, ob und wie erfolgreich es zum Umbau kommt, ist diese Wette aber mit gewissen Risiken verbunden.
Ausgesprochen günstig bewertet zu sein scheint auch der Hersteller elektromechanischer Anlagen, Smila Electromechanical. Zumindest dann, wenn den Schätzungen des Brokers Foyil Glauben geschenkt wird. Basierend auf der angepeilten Geschäftsausweitung beziffern die dortigen Analysten das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2008 auf deutlich unter fünf und das EV/Ebitda auf unter eins. Sollten diese Berechnungen stimmen, wäre der Titel ein echtes Schnäppchen. Eines der Probleme ist aber, dass der Titel bisher kaum gehandelt wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |