24.07.2007 · Nur kurz währte die Verschnaufpause der kroatischen Börse. Mit dem eben vollzogenen Sprung über die Marke von 5.000 Punkten scheint der Crobex-Aktienindex trotz hoher Bewertung schon wieder neue Rekorde anzupeilen.
Die Auszeit, die sich der kroatische Aktienmarkt gegönnt hat, währte offenbar nur kurz. Im Juni verlor der Crobex-Index bei rund 30 Prozent niedrigerenHandelsumsätzen knapp drei Prozent an Wert. Ein Verlustmonat ist in der jüngeren Vergangenheit für die Akteure an der Zagreber Börse zwar ein ungewohntes Ereignis, gemessen an den vorher eingefahrenen Gewinnen fällt der Monatsverlust aber marginal aus.
Denn nachdem der Markt in den vergangenen Tagen wieder in den Vorwärtsgang geschaltet hat, beläuft sich auch in diesem Jahr das Plus beim Crobex-Index auf gut 55 Prozent. Der Index hat am Dienstag die Marke von 5.000 Punkten zurückerobert und schickt sich nun an, neue Rekorde zu erklimmen.
Ausgelöst worden war die kleine Korrekturperiode Marktbeobachtern zufolge durch einen ganz normalen Konsolidierungsbedarf nach den zuvor starken Gewinnen und durch das IPO des Textilunternehmens Magma, das etwas Liquidität band. Außerdem kursierten Gerüchte, dass der für die Börsen der Region wichtige Erfolgsfonds Hypo South Eastern European Opportunities nach dem Abgang des bisherigen Fondsmanagers deutliche Mittelabflüsse hat hinnehmen müssen und durch Verkäufe als Kursbremse fungierte. Doch die daraus resultierenden negativen Effekte scheinen nun ausgestanden. Vielmehr ist es so, dass der Ex-Hypo-Alpe-Adria-Fondsmanager Joachim Waltl bereits aktiv den neuen Meinl Balkan Fonds verwaltet und über diese Schiene wieder Mittel in die Balkan-Börsen fließen.
Bewertungen relativ anspruchsvoll
Im Grunde genommen hätte es dem kroatischen Aktienmarkt gut getan, wenn er sich eine etwas längere Auszeit genommen hätte. Denn die Bewertungen sind längst nicht mehr als günstig zu bezeichnen. Auf Basis der Kurse von Ende Juni beziffern die Analysten von Raiffeisen Research das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den breiter gefassten Croemi-Index auf fast 36. Das ist auch dann noch hoch, wenn man die Gewinnsteigerungen der Unternehmen berücksichtigt. In den nahe gelegenen Länder Ost-Mitteleuropas betrug diese Kennziffer am genannten Stichtag lediglich knapp 16. Relativ hoch ist für ein Land, das noch nicht zur EU gehört, auch die gesamte Marktkapitalisierung von 42,9 Milliarden Euro gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Diese Relation belief sich am Ende des zweiten Quartals auf 125 Prozent.
Der vorherrschende Liquiditätsdruck (alleine die heimischen Fonds verwalten inzwischen 26,9 Milliarden Kuna an Anlagemitteln, was doppelt so hoch ist wie der gesamte Börsenumsatz des Vorjahres) wird aber seinen Teil dazu beitragen, dass die Kurse tendenziell weiter nach oben streben werden. Erfreulicherweise gestaltet sich zudem das fundamentale Umfeld besser als erwartet. So ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um sieben Prozent gewachsen und das Leistungsbilanzdefizit hat sich mit 7,5 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt etwas verringert. Außerdem erreichten die ausländischen Direktinvestitionen im ersten Quartal mit 1,1 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Einigermaßen im Griff zu haben scheint man auch die Inflation, die für das Gesamtjahr im Bereich von rund drei Prozent anzusiedeln sein dürfte. Ein Plusfaktor ist außerdem die Aussicht auf einen mittelfristigen EU-Beitritt, dessen Realisierung langsam Gestalt annimmt.
Warten auf das IPO der kroatischen Telekom
Trotz dieser vorteilhaften Rahmendaten können Anleger wegen der gestiegenen Bewertungen nicht mehr so sorglos am kroatischen Aktienmarkt investieren wie noch vor zwei oder drei Jahren. Zudem bleibt abzuwarten, ob der für September geplante Verkauf einer Tranche von 20 bis 23 Prozent der Aktien der kroatischen Telekom im Vorfeld nicht die Kurse etwas zügeln wird. Positionen, die seit einiger Zeit auch über Zertifikate (etwa das Kroatien Top Select Basket Zertifikat der Deutschen Bank, ISIN DE000DB2CR02 oder das Kroatien Crobex Index Zertifikat der ABN Amro, ISIN DE000AA0F677) eingegangen werden können, können vor diesem Hintergrund gehalten werden. Überdreht der Markt nicht völlig, sollten aber keine Wunderdinge mehr erwartet werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3026 | −0,27% |
| Rohöl Brent Crude | 118,62 $ | −0,35% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |