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Aktienmarkt-Analyse Börse Taiwan: Wette auf bessere Beziehungen zu China

25.03.2008 ·  Zeigte sich der taiwanesische Aktienmarkt schon in den vergangenen Wochen vergleichsweise robust, so erhält er nach der Wahl eines chinafreundlichen Präsidenten neue Kursphantasie. Eine Annäherung werde die Wirtschaft beflügeln, heißt es.

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Im Rahmen der jüngsten Kursturbulenzen gerieten auch die Aktien an den asiatischen Börsen unter Druck. Einzelne Märkte mussten allein seit Jahresbeginn Kursverluste von bis zu 50 Prozent hinnehmen, zum Beispiel jener in Vietnam.

Auf der anderen Seite gibt es die relativen Gewinner. Dazu zählt die Börse in Taiwan. Der Taiex konnte den Aufwärtstrend der vergangenen Monate halten und liegt seit Jahresbeginn leicht im Plus. Spekulationen auf besser werdende politische und wirtschaftliche Beziehungen mit China haben dem Markt in den vergangenen Wochen auf die Sprünge geholfen.

Robuste Börse reagiert positiv auf die Wahl eines chinafreundlichen Prädidenten

Tatsächlich hat der designierte Staatschef Ma Ying-jeou nach seinem deutlichen Sieg bei der Präsidentenwahl in Taiwan eine rasche Verbesserung der Beziehungen zu China und den Abschluss eines Friedensvertrags in Aussicht gestellt. Dies sei die dringlichste Aufgabe, sobald er ins Amt eingeführt werde, sagte Ma am Sonntag in Taipei. Die Finanzmärkte der Inselrepublik reagierten am Montag mit Kursgewinnen von bis zu 6,2 Prozent auf das Wahlergebnis. Davon hat der Taiex in den vergangenen Stunden zwar wieder etwas abgegeben, der Grundstimmung bleibt jedoch positiv. Gefragt waren Aktien der Baubranche, des Tourismussektors und aus dem Handelsbereich.

Ma gewann die Präsidentenwahl mit 58 Prozent deutlich vor seinem Herausforderer Frank Hsieh, der nur auf 41 Prozent kam. Der 57-jährige Ma, der langfristig einen gemeinsamen Markt mit dem Nachbarland China anstrebt, nannte erste Maßnahmen zur Verbesserung der Beziehungen: Direkte Flüge zwischen der Insel und dem Festland, Einreisegenehmigungen für chinesische Touristen und eine Verbesserung der Zusammenarbeit im Finanzsektor. Er plane jedoch zunächst keinen Besuch in China, erklärte Ma. Seit dem blutigen Bürgerkrieg, in dem sich Taiwan 1949 von China loslöste, hat kein taiwanesischer Präsident je das Nachbarland bereist.

Die mögliche Annäherung an China dominierte den Wahlkampf auf der Insel, die gerade einmal 160 Kilometer vom Festland entfernt ist. Beide Kandidaten hatten im Wahlkampf angekündigt, die Beziehungen zu China entspannen. Während Ma und seine Nationale Volkspartei Kuo-Min Tang einen Friedensvertrag mit Peking anstrebten, traten Hsieh und seine Demokratische Fortschrittspartei (DPP) für eine zurückhaltendere Annäherung ein. Beide Kandidaten befürworteten jedoch eine Abkehr von der strikten Abgrenzungspolitik des DPP-Politikers Chen Shui-bian, der seit dem Jahr 2000 regierte und der eine förmliche Unabhängigkeitserklärung anstrebte. China beansprucht Taiwan drohte für diesen Fall mit militärischer Gewalt.

Taiwans Wirtschaft profitiert vom Exportgeschäft nach Japan

Die Wirtschaft des Landes entwickelte sich in den vergangenen Monaten trotz der konjunkturellen Abkühlung in den Vereinigten Staaten robust. Es exportierte im vergangenen Jahr 6,7 Prozent seiner Waren nach Japan, 13,4 Prozent in die Vereinigten Staaten, 15 Prozent nach Hongkong und 24 Prozent nach China. Das heißt, China ist schon jetzt direkt oder indirekt der größte Handelspartner. Vor allem der Exportbereich führte im vierten Quartal des vergangenen Jahres zu einem Bruttoinlandsprodukt von 6,4 Prozent.

Da die Dynamik der globalen Wirtschaftsentwicklung sehr wahrscheinlich abnimmt, käme die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen wohl beiden Staaten gelegen. Anleger sollten Aktien aus Taiwan kaufen. Dazu raten neben anderen auch die Analysten der Großbank UBS in einer am Dienstag veröffentlichten Anlageeinschätzung. „Taiwan wird andere Märkte übertreffen“, schrieb UBS Analyst Ken Chen. Er empfiehlt vor allem Finanzwerte, Immobilienaktien und Titel von Einzelhändlern und Zementproduzenten. Diese Branchen werden nach Chens Einschätzung von der angekündigten Annäherungspolitik an China besonders profitieren. Infolge der abnehmenden politischen Risiken könnten bis zu 50 Milliarden Dollar oder umgerechnet etwa 32,2 Milliarden Euro in den nächsten Monaten in Taiwans Aktienmärkte fließen, so Chen weiter.

Analysten der australischen Macquarie Group sehen in der Annäherung an China ebenfalls Potential. Sie empfehlen in einer Mitteilung vom Dienstag Technologieunternehmen mit wachsendem Marktanteil und Chinageschäft, wie Taiwan Semiconductor Manufacturing und Asustek Computer. Bei genauerer Betrachtung lassen sich noch interessante Einzeltitel finden, zum Beispiel die von Chong Hong Construction. Allerdings ist der Aktienmarkt für den internationalen Normalanleger nur bedingt zugänglich. Aus diesem Grund bleiben ihm nur simple Anlageprodukte wie zum Beispiel den Indexfonds IShares MSCI Taiwan mit der Isin DE000A0HG2K5. Im Gegensatz zu einzelnen Werten ist der breite Markt allerdings nicht sonderlich günstig.

Längst fließen die Finanzmittel schon ins Land. Das zeigt sich unter anderem an der Währung, die in den vergangenen Wochen zumindest gegen den Dollar deutlich aufgewertet hat. Sie dürfte dazu beitragen, dass die Zentralbank des Landes die Inflation wieder unter Kontrolle bekommen kann. Eine restriktive Geldpolitik hält die Anleihen des Landes in der Defensive.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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