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Aktienmarkt-Analyse Bei Osteuropa-Aktien hat die Stimmung gedreht

02.05.2005 ·  Im März und April haben die Aktienmärkte in Osteuropa den größten Zweimonatsrückgang seit knapp drei Jahren erlitten. Abnehmende Gewinnwachstumsraten und die steigenden Zinsen in Amerika machen sich belastend bemerkbar.

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Die Rally, die bei osteuropäischen Aktien nach dem EU-Beitritt einsetzte, ist ausgelaufen. Investoren rechnen mit weiteren Kursverlusten, weil sich das Gewinnwachstum in Osteuropa und die Weltwirtschaft abschwächen werde.

Der CECE Traded Index, der 25 Werte aus Tschechien, Ungarn und Polen enthält, ist seit seinem Rekordhoch vom 7. März 16 Prozent gefallen. Das hat die Kursgewinne seit dem EU-Beitritt osteuropäischer Länder am 1. Mai 2004 auf 36 Prozent geschmälert.

Im März und April hat der CECE-Index insgesamt 15 Prozent abgegeben. Das ist der größte Zweimonatsrückgang seit knapp drei Jahren. Der Benchmark für Osteuropa hat dabei mehr verloren als der Morgan Stanley Capital International Emerging Markets Index, der seit dem Hoch vom 28. Februar 9,8 Prozent gesunken ist.

Steigende Zinsen in Amerika strahlen negativ auf die Ostbörsen aus

„Die Osteuropa-Geschichte ist ausgereizt," sagt Slim Feriani, Fondsmanager bei Progressive Developing Markets Ltd. in London. „Die Kurse sind auf einem Niveau, das nicht mit dem Gewinnwachstum zu rechtfertigen ist."

Unter Abgabedruck stehen insbesondere Telekomunikacja Polska SA (TPSA) und Komercni Banka AS. TPSA, Polens größte Telekomgesellschaft, und Komercni, die drittgrößte tschechische Bank, berichteten beide in der Vorwoche über einen Gewinnrückgang. Zu den Kursverlusten in Osteuropa beigetragen haben Bedenken, daß die steigenden Zinsen in Amerika den weltweiten Konjunkturaufschwung abbremsen werden.

Tony Dolphin, Abteilungsdirektor bei Henderson Global Investors in London, erwartet bei osteuropäischen Aktien weitere Kursverluste, sollte der amerikanische Leitzins bis Jahresende auf vier Prozent steigen. Die Notenbank in Amerika tagt am Dienstag. Laut einer Umfrage von Bloomberg News erwarten sämtliche 81 befragte Ökonomen, daß sie den Zielzinssatz auf drei Prozent anhebt. „Die Leute bewegen sich auf den Ausgang zu, aber sie rennen noch nicht davon," beschreibt Dolphin die Stimmung unter Investoren in Osteuropa.

Gewinnwachstum schwächt sich ab

Bei einigen EU-Neulingen dauert die Kursrally noch an. Der slowakische SKSM-Index hat sich auf Dollar-Basis fast verdreifacht. Die Kursgewinne spiegeln den Optimismus wider, daß ihre Volkswirtschaften von der Abschaffung von Handelsbarrieren profitieren werden. In Bulgarien und Rumänien, die in der vergangenen Woche die Verträge zum EU-Beitritt unterschrieben haben, summiert sich der Kursgewinn für die vergangenen zwölf Monate auf 78 Prozent beziehungsweise 101 Prozent.

„Können wir Gewinne wie diese weiterhin erwarten? Ich denke nicht"; erklärt Oleg Biryulyov, Fondsmanager von JPMorgan Fleming Asset Management in London. In Osteuropa verlieren Wirtschaft und Unternehmensgewinne an Dynamik. Die Volkswirtschaften der zehn EU- Neulinge und der EU-Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien werden in diesem Jahr im Schnitt um maximal 4,3 Prozent wachsen, prognostizierte der Internationale Währungsfonds im Vormonat. Im Vorjahr lag die Wachstumsrate noch bei 5,5 Prozent.

In den drei CECE-Ländern Tschechien, Ungarn und Polen werden die Unternehmensgewinne nach 83 Prozent im vergangenen Jahr 2005 nur noch 28 Prozent steigen, so die Berichte von ING Groep. TPSA berichtete in der Vorwoche für das erste Quartal einen Rückgang des Nettogewinns von 20 Prozent auf 490 Millionen Zloty (114,7 Millionen Euro) aufgrund eines Umsatzeinbruchs. Seit dem Höchststand vom CECE ist der Kurs der polnischen T-Aktie 17 Prozent abgesackt.

Für den gleichen Zeitraum kommt Komercni auf einen Kursverlust von 20 Prozent. Das Kreditinstitut aus Prag teilte am 29. April mit, der Gewinn im ersten Quartal sei 3,3 Prozent auf 1,93 Milliarden Kronen (63 Millionen Euro) zurückgegangen. Der tschechische Stromversorger CEZ AS wies am Montag einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Kronen aus, was über den Analystenerwartungen von vier Milliarden Kronen lag. Der Aktienkurs von CEZ hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt.

Geteilte Meinungen zu den weiteren Kursaussichten

Einige Investoren halten an Osteuropa fest. Die Unternehmensgewinne in Osteuropa würden voraussichtlich stärker steigen als in Westeuropa, was die Kurse weiter anschieben dürfte, argumentieren sie . „Wir sind zuversichtlich, daß das Wachstum dauerhaft ist," erklärt Plamen Monovski, Fondsmanager bei Merrill Lynch & Co. in London. „Die Kurse haben noch weiteres Aufwärtspotenzial."

Andere Investoren sind da skeptisch. Osteuropäischen Aktien drohen weitere Verluste, erwartet Dariusz Sliwinski, Fondsmanager bei Martin Currie Investment Management Ltd. in Edinburgh. Die Kursrally seit Mai letzten Jahres „basierte nicht auf den Fundamentaldaten. Das Wachstum schwächt sich eindeutig ab," beobachtet er.

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