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Aktienmarkt-Analyse An Bulgariens Börse grassiert das Telekom-Fieber

27.01.2005 ·  Der Verkauf der restlichen Staatsanteile an Bulgar-Telecom haben am Aktienmarkt in Sofia ein Börsen-Fieber entfacht. Die Aktien gingen weg wie warme Semmeln und auch der Gesamtmarkt befindet sich seit langem auf Haussekurs.

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Als ein Paradies zum Geld verdienen hat sich in den vergangenen Jahren die bulgarische Börse erwiesen. Wie gut es läuft, läßt sich an einigen Hausnummern festmachen. Ausgehend von einem Ende 2001 gültigen Schlußkurs von 118,63 Punkten hat sich der für den Markt richtungsweisende Sofix-Index über einen Ende 2002 erreichten Stand von 183,08 Zählern und einem Ende 2003 gültigen Kursniveau von 454,34 Punkten bis Ende 2004 bis auf 625,31 Zähler nach oben geschraubt.

Und trotz dieses Marathonlaufs zeigt der Markt auch jetzt noch keine Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil: Mit einem am Donnerstag erreichten Indexstand von 684,90 Punkten präsentiert sich der Sofix putzmunter. Was den Markt immer weiter nach oben hebelt, ist ein steter Zufluß an Anlagekapital, das angelockt von der EU-Perspektive und Wirtschaftswachstumsraten von über vier Prozent nach lukrativen Chancen sucht und offenbar noch immer findet.

Die Vouchers erwiesen sich zuletzt als Maschinen zum Geld drucken

Das Augenmerk der Akteure richtete sich in den vergangenen Wochen dabei vor allem auf die an diesem Donnerstag durchgeführte Auktion der noch im Staatsbesitz befindlichen Aktien der Bulgarian Telecom Company. Die Anteile können beim Verkauf nicht gegen Bargeld erworben werden, sondern nur über sogenannte Vouchers gezeichnet werden.

Diese im Zuge der Aufarbeitung des Kommunismus in der Bevölkerung als Entschädigung für den früheren Verlust an Eigentum verteilten Berechtigungsscheine erfreuten sich vor diesem Hintergrund auch einer ausgesprochen regen Nachfrage. Die Spekulanten hievten die Titel in der Spitze auf Notierungen von 1,13 Lev (ein Euro entspricht 1,95583 Lev), obwohl sie rein rechnerisch nur einem Wert von einem Lev entsprechen.

Alle jene Anleger, die im Februar 2003 den im Beitrag Bulgarische Vouchers sind der Geheimtipp für Spekulanten gemachten Ausführungen Glauben schenkten und entsprechend agierten, werden sich aufgrund dieser Entwicklung die Hände reiben. Denn die Vouchers notierten damals bei 0,25 Lev und haben sich folglich locker vervierfacht, wobei das Schöne daran war, daß sich die Gewinne fast ohne Risiko vorhersagen ließen.

Anleger zeigen Heißhunger auf die Aktien von Bulgarian Telecom

Die Nachfrage nach den Vouchern war zuletzt deshalb so groß, weil viele Marktteilnehmer unbedingt beim Verkauf der Aktien der Bulgarian Telekom zum Zuge kommen wollten. Wie heiß die Anleger darauf waren, zeigt sich daran, daß die ursprünglich bis maximal 28. Februar angesetzte Versteigerung schon am Donnerstag bis zum Mittag abgewickelt war. Der Ausgabepreis, der zunächst zu einem Mindestpreis von 100 Lev angebotenen Aktien wurde letztlich auf 253 Lev festgesetzt. Bei volatilen Ausschlägen kann sich der Wert beim inzwischen aufgenommenen Börsenhandel in etwa auf dem Niveau halten.

Wie es in den nächsten Tagen mit der Aktie weiter geht, bleibt abzuwarten und ist kurzfristig schwer zu prognostizieren. Langfristig könnte der Kurs aber steigen. Zumindest wenn die vom Broker Elana Research durchgeführten Berechnungen stimmen. Die dortigen Analysten beziffern den fairen Wert auf Basis einer diskontierten Cash-Flow-Methode zwar nur auf 177,06 Lev. Lege man aber die in der Branchen üblichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu Grunde, dann seien auch Kurse zwischen 300 und 450 Lev zu rechtfertigen.

Suche nach Anlageideen wird schwierig, langfristige Perspektive aber intakt

Gestützt werden dürften die Kurse auch von der Spekulation, daß Finanz- und Großinvestor Viva Ventures eventuell versuchen könnte, seinen Anteil aufzustocken und ein Delistung des Unternehmens anzustreben. Unabhängig vom Schicksal der BTC-Aktie haben die Marktteilnehmer nach der abgeschlossenen Auktion jetzt Zeit, sich wieder auf andere Bereiche des Marktes zu konzentrieren.

Die Krux dabei ist, daß sich viele der interessantesten Titel zuletzt schon vervielfacht haben. Vereinzelt sprechen Experten wie Fondsmanager Daniel Ganev vom bulgarischen Broker Karoll deswegen auch schon von einer Blase. Unter den Nebenwerten gibt es zwar noch einige unentdeckte Perlen mit niedrigen einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen, richtig gehandelt werden an der noch immer relativ umsatzschwachen Sofioter Börse aber maximal 30 Aktien.

Der Markt bleibt somit etwas für Anlagepioniere, die den Mehraufwand einer Anlage vor Ort nicht schrecken, sondern dieser Umstand vielmehr vielleicht sogar als Herausforderung empfinden. Wer diesen Pioniergeist mitbringt, kann dank der EU-Konvergenzphantasie und dem damit verbundenen Zustrom an Anlagegeldern auch in den nächsten Jahren auf vorzeigbare Renditen hoffen. Peter Elam Hakansson, Gründer der schwedischen Fondsgesellschaft East Capital, die mit einem Balkan-Aktienfonds direkt vor Ort mitmischen, ist sich jedenfalls sicher: „Bei dieser Anlageidee handelt es sich um einen starken langfristigen Trend“, lautet seine ungebrochen zuversichtliche Prognose.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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