08.11.2006 · Da die Demokraten den Kongreß zurückerobern, könnte das bei Pharma-, Energie- und auch Rüstungsunternehmen zu Veränderungen führen: Ärger für „Big Pharma“, positives für Anbieter alternativer Energien.
Politische Börsen mögen „kurze Beine“ haben, wie es im Sprichwort heißt. Das dürfte jedoch eher für überraschend auftretende politische Ereignisse gelten als für längerfristige Trends, die sich aus bestimmten politischen Konstellationen ergeben.
In diesem Zusammenhang können Wahlen interessant werden, wie sie in den vergangenen Tagen in den Vereinigten Staaten stattgefunden haben. Und das vor allem dann, wenn die politischen Mehrheiten wechseln. Genau das scheint jetzt der Fall zu sein.
„Dramatischen Machtwechsel“ im amerikanischen Kongreß
Konnte Präsident George Bush in den vergangenen Jahren mit einer beachtlichen republikanischen Mehrheit regieren und agieren, so dürfte das künftiger schwieriger werden. Denn in den Kongreßwahlen erreichten die Demokraten nach einem „dramatischen Machtwechsel“ nach zwölf Jahren die Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Das Weiße Haus hat die Niederlage eingestanden. Bushs Republikaner dürfen aber noch hoffen, im Senat ihre Position zu verteidigen.
Eine Erschütterung in Washington dürfte ein sinnvoll diversifiziertes Portfolio wahrscheinlich nicht in seinem Fundament erschüttern, meinen Analysten. Es gebe keinen Hinweis auf eine statistisch signifikante Beziehung zwischen der politischen Führung in Washington und dem Aktienmarkt,“ heißt es weiter.
Dennoch könnte der „Wind of Change“ in Washington neue Risiken - oder auch gewisse Vorteile - für einige besondere Aktien und Branchen mit sich bringen. Denn der Präsident kann gegen eine Mehrheit der Demokraten in einer der Kammern bei unliebsamen Entscheidungen immer noch ein Veto einlegen. Allerdings dürfte das kaum verhindern, daß sich zumindest die politische Agenda auf dem Kapitol verändern wird.
Nach Auffassung von Analysten könnten Pharma- und Energieunternehmen und auch aggressive Einzelhändler wie Wal-Mart von einer Mehrheit der Demokraten betroffen werden. Unternehmen wie Johnson & Johnson oder Pfizer dürften nicht mehr so optimistisch wie bisher nach vorne blicken können, wenn der Kongreß das Medicare-Gesetz Teil D ändern und die Regierung Verhandlungen über die Arzneimittelpreise führen ließe, hieß es. Demokratische Politiker hätten zwar während der Amtszeit von Präsident Bush kaum eine Aussicht darauf, doch der Arzneimittelsektor hätte es dennoch mit einem „Stimmungs-Risiko“ zu tun. Am Tag nach der Wahl stehen die Pharmawerte an der Wall Street unter Verkaufsdruck. Die Aktie von Merck & Co verliert 3,5 Prozent, auch die Papiere von Pfizer und Johnson & Johnson geben nach.
Veränderungen im Pharma-, Energie- und Verteidigungssektor denkbar
Im Energiesektor könnten Veränderungen im Kongreß sowohl Gewinner als auch Verlierer haben. Auf der einen Seite nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, daß Unternehmen wie Exxon Mobil oder Chevron bisher gewährte Steuervorteile verlieren könnten. Auf der anderen Seite könnten jene Unternehmen davon profitieren, die alternative Kraftstoffe oder die dafür notwendigen Technologien lieferten. Das wäre vorteilhaft für Unternehmen wie General Electric, das Gasturbinen herstellt sowie für Anbieter alternativer Energien wie Energy Conversion, MEMC Electronic Materials, Cypress Semiconductor, Diversa und nicht zuletzt auch Archer-Daniels-Midland.
Dagegen könnten Finanzunternehmen wie Sallie Mae von einer angestrebten Senkung der Zinsen für Studiendarlehen auf die Hälfte des derzeitigen Satzes belastet werden, wie sie ein demokratischer Kongreß innerhalb der ersten 100 Stunden der Amtszeit beschließen könnte. Auch das Geschäft mit variabel verzinslichen Hypotheken strenger als bisher reguliert werden. Darunter würden Banken wie First Merit, Commerce Bancorp und Wilmington Trust leiden, während Fannie Mae und Freddie Mac von einer zunehmenden Nachfrage nach Festzinsdarlehen profitieren könnten.
Ein Gesetz über die „Netzneutralität“, könnte dies Nachteile für Telekommunikationsunternehmen wie AT&T mit sich bringen. Auch im Verteidigungsbereich dürften Einschränkungen im Budget nicht ausgeschlossen bleiben. Allerdings rechnen Experten weiterhin mit anhaltend hohen Ausgaben in diesem Bereich. Manche würden Kursrückschläge bei Verteidigungswerten sogar als Kaufgelegenheiten betrachten. Einen kritischen Blick dürfte jedoch auf Halliburton nötig werden. Denn das Unternehmen könnte wegen umstrittenen Geschäftsgebaren mit einer Anhörungen im Kongreß konfrontiert werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |