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Aktienmarkt Amerika Träge Erholung der Lagerbestände könnte Hersteller belasten

21.01.2010 ·  Das Wiederauffüllen der Lagerbestände während einer Erholung der Konjunktur von der Rezession sollte eigentlich dem Produktionssektor zugute kommen, oder? Vielleicht jedoch nicht dieses Mal.

Von David Bogoslaw
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Die Arbeitslosenrate liegt bei 10 Prozent. Bankkredite an kleinere Unternehmen sind immer noch die Ausnahme. Die Verbraucher sind knapp bei Kasse und halten sich zurück. Warum also sind Wirtschaftswissenschaftler und Strategen bei ihren Aussichten für ein Wirtschaftswachstum so optimistisch?

Ein Grund ist die Erwartung, dass Unternehmen ihre Lagerbestände, die 2009 größtenteils sanken, weil Produzenten und Großhändler auf die Folgen der Finanzkrise reagierten, wieder aufbauen müssen. Das helfe, die Nachfrage nach Rohstoffen und Arbeitsplätzen 2010 und auch danach anzuheizen.

Auslaufender Faktor

Laut Michael Englund, Geschäftsführer und Chefökonom von Action Economics, könnte diese Annahme jedoch fehlerhaft sein. Seiner Meinung zufolge hat sich das Tempo, mit dem amerikanische Unternehmen ihre Lagerbestände geleert haben, im vierten Quartal erheblich verringert. Dies spiegele sich im Absatzanstieg von 3,3 Prozent im Großhandel im November wider, die die Erwartungen einer Umfrage unter Ökonomen um das Dreifache überstieg. Darüber hinaus werde dies auch durch den Zuwachs von 1,1 Prozent bei den Produktionsaufträgen reflektiert, der die erwarteten Prognosen um das Zweifache übertraf.

Englund erwartet, dass die Auflösung der überschüssigen Lagerbestände des vergangenen Jahres, die sich im Jahresdurchschnitt auf 27 Milliarden Dollar belief, im vierten Quartal abgeschlossen wurde und mit 3,5 Prozentpunkten zu den 4 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitrug, die er für das vierte Quartal schätzt. Im ersten Quartal 2010 dürften die Lagerbestände seiner Prognose nach auf Jahresbasis um 45 Milliarden Dollar aufgestockt werden, was 2,2 Prozentpunkte zu dem von ihm prognostizierten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent beitragen werde.

Englund denkt aber, dass sich angesichts des Ausmaßes der Wiederaufstockung die Erholung der Lagerbestände nicht weit über März hinaus fortsetzen wird. „Normalerweise würde man erwarten, dass das starke Absinken der Relation von Lagerbestand und Absatz das laufende Produktionswachstum anfeuern würde, da die Unternehmen versuchen, während der Jahre des Aufschwungs mit dem Verbrauchernachfrage mitzuhalten“, sagt Englund. Dieses Mal jedoch „könnten wir die Phase nicht erreichen, in der Unternehmen sich wirklich abmühen müssen, die Regale wieder aufzufüllen.“

Schwache Prognosen für Nachfrage von Unternehmensseite

Das Wiederauffüllen geleerter Lagerbestände hat bei der Erholung nach Wirtschaftsabschwüngen schon oft eine tragende Rolle gespielt. Je stärker der Aufschwung der Verbraucherausgaben, desto höher die Notwendigkeit für Unternehmen, die Lagerbestände wieder aufzufüllen, oder? Das könnte diesmal anders sein. Seitdem die zwei Hauptvermögensquellen der Verbraucher, nämlich der Wert ihrer Häuser und der ihrer Wertpapierdepots, in den vergangen 18 Monaten herbe Tiefschläge einstecken mussten, stehen die Chancen für eine starke Periode des Wiederauffüllens nicht gut.

Englund sieht den Ursprung des Nachfragedefizits eher bei den Unternehmen als bei den Verbrauchern; die Unternehmen halten sich im Vergleich zu normalen Zyklen mit Investitionen in Anlagen, Ausstattung und Software stärker zurück. Ein Großteil der Schwäche sei auf den starken Rückgang des Gewerbebaus aufgrund des Zusammenbruchs der Werte dieser Immobilien zurückzuführen, sagt er.

David Huether, Chefökonom des Verbands des amerikanischen Produzierenden Gewerbes, erwartet, dass die Aufstockung der Lagerbestände zu diesem Aufschwung im gleichen Maß beiträgt, wie dies während der Markterholungen 1993 und 2002 der Fall war, die nicht vom Konsum getrieben wurden. Mit Ausnahme von ein oder zwei Quartalen im Jahr 2002, in denen die Aufstockung mit drei oder mehr Prozentpunkten zum Wachstum des BIP beitrug, war sie seinerzeit kein bedeutender Faktor, sagt er. Während des Aufschwungs von 1983 bis Mitte 1984, als die Verbraucheraktivitäten wesentlich bedeutender waren, sehr wohl, fügt er hinzu.

Einzel- und Großhändler haben ihre Lagerüberschüsse gerade erst so gut wie abgebaut, wohingegen die Relation von Lagerbestand zu Absatz bei den Produzenten immer noch etwa 9 Prozent über dem Absatzhöhepunkts Mitte 2008 liegt, sagt Huether. Er erwartet keine starke Zunahme der Lagerbestände bei den Herstellern, die schon vor einigen Monaten zu steigen begannen, indes viel langsamer als der Absatz.

Der steile Berg der Autoindustrie

Um beurteilen zu können, inwieweit die Lagerbestände aufgestockt werden müssen, um wieder die Höhen zu erreichen, zu denen sie sich vor der Rezession austürmten, muss man sich nur die Automobilindustrie ansehen. Der Absatz von Pkws in den Vereinigten Staaten fiel 2009 auf 10 bis 11 Millionen jährlich von einem Durchschnitt von 16 oder mehr Millionen während der vergangenen zehn Jahre. Es gibt Anzeichen, dass die Autoverkäufe 2010 möglicherweise um etwa 10 Prozent steigen könnten, sagt Roy Berlin von Berlin Metals, einem Unternehmen, das Flachstahl und Edelstahl an die Automobil-, Elektronik- und Bauindustrie verkauft. In jedem beliebigen Jahr wäre ein Umsatzzuwachs von 10 Prozent ein Grund zum Feiern; allerdings nicht, wenn der Startpunkt so niedrig ist, sagt er.

„Es bräuchte fünf bis sechs Jahre mit 10 jeweils Prozent Wachstum, um wieder dahin [auf die 16 Millionen] zurückzukommen. Ich glaube nicht, dass das möglich ist“, meint er. Wenn die Geschäftstätigkeit nicht auf das Niveau vor der Rezession zurückkehrt, gibt es auch keinen Grund, warum die Lagerbestände auf das alte Niveau steigen sollten, fügt er hinzu.

Die Ungleichheit der leichten Erholung der Nachfrage für industrielle Anlagen lässt eine nachhaltige Erholung fraglich erscheinen, was die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in die Rezession erhöht, warnt Standard & Poor's in einem Bericht vom 14. Januar. Ein verringerter Druck, die Warenbestände zu verringern, der die Auswirkungen der schwachen Nachfrage letztes Jahr verschlimmert hat, sollte jedoch „jeglichem Aufwärtstrend der Nachfrage erlauben, zu einer Erhöhung der Produktion und der Umsatzerlöse zu führen“, so der Bericht.

Ärger beim Bau von Gewerbeobjekten

Jede Belebung der Nachfrage wird höchstwahrscheinlich ohne Beteiligung des Gewerbebaus vonstatten gehen. Die Daten der amerikanischen Behörde für Statistik, das U.S. Census Bureau, zeigen, dass der Bau von Gewerbeobjekten in den ersten 11 Monaten 2009 im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent sank. Ken Simonson, Chefökonom des Verbands amerikanischer Bauunternehmen sagt, er erwarte einen Rückgang von 5 Prozent für das gesamte Vorjahr und weitere 5 Prozent im laufenden Jahr.

Es kommen einfach nicht genug neue Bauprojekte hinzu, um die beendeten Projekte zu ersetzen, vor allem weil die Immobilienentwickler immer noch nicht die für neue Projekte notwendigen Kredite bekommen, sagt Simonson. Berichte über steigende Leerstände von Gewerbeobjekten und sinkende Übernachtungszahlen in Hotels überraschen ihn nicht. Das werde den Arbeitsmarkt treffen und das Baustoffgeschäft von Beton bis Stahl, sagt er.

Für die Bautätigkeit gibt es jedoch auch ein paar gute Aussichten, da die Regierung den Bauunternehmen mehr finanzielle Unterstützung zukommen lässt als im vergangenen Jahr, meint er. Dazu gehören der Bau von Büro-, Industrie- und Wohngebäuden auf Militärstützpunkten bis 2011, der Bau neuer oder die Nachrüstung bestehender Kernkraftwerke, um die strengeren Emissionsstandards zu erfüllen, und der Ausbau von Fernleitungen zu weiter entfernten Kraftwerken.

In seinem Bericht vom 14. Januar warnte S&P, dass der Umsatz von spätzyklischen Unternehmen wie Wohnungsbauunternehmen und Energieausrüstern, deren Geschäft dazu neigt, der Wirtschaft mit Verzögerung zu folgen, bis in die zweite Jahreshälfte weiter sinken könnte. S&P erwartet jedoch im ersten Halbjahr dieses Jahres ein bescheidenes Umsatzplus bei den frühzyklischen Produzenten, beispielsweise Geräteherstellern. Auch nach all den Kosteneinsparungen werde das Produktionsvolumen nicht groß genug sein, um die Margen der Hersteller 2010 auf das Niveau von vor der Rezession zu heben, was eine „bleibende schwache Leistung für einige und vielleicht den ersten Schritt eines stabileren Aufschwungs für andere bedeutet“, so der Bericht.

Zustand einiger Teilbranchen

In der Produktion gibt es jedoch 18 Teilbranchen, von denen einige aufgrund der Lagerbestände stärker aussehen als andere. Der Bestand an kurzlebigen Konsumgütern wie Druckmaterialien, Kunststoffen und abgepackten Nahrungsmitteln ist größtenteils abgearbeitet worden, wohingegen bei Erdöl und Chemikalien noch etwas zu tun ist, sagt Huether.

Bei den meisten Kategorien der langlebigen Güter gibt es noch überschüssige Lagerbestände. Huether merkt an, dass des Verhältnis von Lagerbeständen zum Umsatz bei Autos, Flugzeugen, Eisenbahnen und Maschinenanlagen sowie bei wichtigen Metallen wie Stahl und Aluminium und nicht-metallischen Mineralen wie Glas, Ziegel und Zement immer noch hoch ist.

Die stärkere Verfeinerung der Beschaffungswirtschaft erlaubt Unternehmen, sehr viel schneller auf Veränderungen in der Verbrauchernachfrage zu reagieren und deshalb mit kleineren Lagerbeständen zu arbeiten. Allerdings hat sich die Technik von Mitte 2008 bis heute nicht so stark verändert, dass sie Echtzeit-Lagerbestände in diesem Aufschwung nutzlos machen wird, meint Huether.

Berlin sagt, er habe erst kürzlich auf einem Branchentreffen von Stahlhändlern und Betreibern von Stahlwerken in Chicago gehört, dass sie ein Auftragswachstum sehen, aber dieses Jahr „nichts Explosionsartiges“ erwarten.

Stahlpreiserhöhungen

Die starken Preiserhöhungen für Stahlgrundstoffe wie Eisenerz, Kokskohle und Altmetalle seit Dezember werden laut eines Berichts der Analysten von JP Morgan den weltweiten Stahlpreis vermutlich nach oben treiben, die Importe in die Vereinigten Staaten verringern und die Exporte erhöhen. Von den Produzenten angekündigte Preiserhöhungen für Flachstahl würden den Preis auf 550 bis 580 Dollar pro Tonne im Februar ansteigen lassen, verglichen mit 500 Dollar Ende November; später im Jahr könnte der Preis auf über 750 Dollar pro Tonne klettern.

J.P. Morgan empfiehlt Aktien von AK Steel Holding und U.S. Steel, deren Gewinne sich auch bei zurückhaltender Nachfrage bedeutend verbessern sollten, da der zusätzliche Umsatz den Produzenten dabei helfen würde, die Fixkosten aufzufangen.

Auch längerfristige Entwicklungen, wie der Wunsch nach niedrigeren Transport- und Lagerkosten, üben auf Großhändler und Unternehmen Druck aus, die Lagerbestände zu reduzieren. Größere Bestände verderblicher Waren, wie den meisten Nahrungsmitteln, könnten auch leicht zu Kosten durch Veralten der Bestände führen, sagt Rick Blasgen, Chef des Council for Supply Chain Management Professionals. Die Bedrohung durch Veralterung im Technologiesektor treibt Hersteller von mobilen Geräten wie Apple dazu „die Lagerbestände genauestens im Auge zu behalten, da das Gerät schon im nächsten Jahr veraltet ist“, sagt Blasgen.

Ein Lichtblick für Produzenten ist der Außenhandel, da die Exporte in den letzten fünf Monaten des Jahres 2009 schneller gestiegen sind als die Importe, sagt Huether. Da die Produktion weitgehend vom Export bestimmt wird, sollte ein schnelleres Wirtschaftswachstum außerhalb der Vereinigten Staaten den Herstellern zugute kommen. Die Auswirkung geringerer Lagerbestände im Inland wird das jedoch nicht kompensieren.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek Online
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