26.01.2010 · Da die Immobilien- und die Autobranche nach wie vor zu kämpfen haben, könnte es bis 2011 dauern, bis sich die Preissetzungsmacht der Lkw-Spediteure verbessert und sie davon profitieren. Sie sind gänzlich abhängig von der Binnenwirtschaft.
Von David BogoslawDie Gewinne in der Lkw-Speditionsbranche dürften im vierten Quartal 2009 zugelegt haben. Dennoch werden sich die Anleger hüten, das gleiche Maß an vorsichtigem Optimismus an den Tag zu legen, das in anderen Branchen erkennbar ist, die von einem Wirtschaftsaufschwung profitieren sollten.
Während die allgemeine Wirtschaft Anzeichen einer Erholung zeigt, ist die Rezession für die Frachtunternehmen noch nicht zu Ende. Einige glauben vielmehr, dass sie gerade ihr fünftes Jahr erreicht, meint John Larkin, Analyst für Transportwerte bei Stifel Nicolaus in Baltimore.
Lkw-Spediteure gänzlich abhängig von der Binnenwirtschaft
Im Gegensatz zu Luftfrachtgesellschaften und intermodalen Transportunternehmen, die ihre Ware nicht in Lastkraftwagen befördern, sondern Metallcontainer verwenden, die vom Schienennetz auf Schiffe verladen werden können, sind Lkw-Spediteure gänzlich abhängig von der Binnenwirtschaft, die sich voraussichtlich nicht so rasch erholen wird wie die globale Wirtschaft.
Die Ertragssteigerungen der amerikanischen Lkw-Spediteure von der ersten zur zweiten Hälfte des Jahres 2009 waren nicht nachhaltig, sagt Larkin, da ein Großteil davon auf finanzpolitische Stimulusprogramme wie „Cash for Clunkers“ (eine Abwrackprämie für spritfressende Kraftfahrzeuge) und eine Steuergutschrift in Höhe von 8.000 Dollar für erstmalige Eigenheimbesitzer zurückzuführen war. Der Optimismus des Marktes bezüglich dieses Sektors dürfte nachlassen, wenn ihm die Realität der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewusst wird, meint Larkin.
„Durch den verhaltenen Aufschwung und die derzeit mageren Lagerbestände ist es wenig wahrscheinlich, dass wir mit dem gleichen steilen Anstieg an Frachtvolumen rechnen können, den wir in früheren Aufschwüngen beobachtet haben“, schreibt Larkin in einem wissenschaftlichen Beitrag vom 5. Januar. Wird die Kapazität nicht erheblich zurückgefahren, so könnte die Rückkehr zu einem engeren Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht, das eine stärkere Preisbildung vorantreiben würde, länger auf sich warten lassen, als viele Anleger in Güterverkehrs- und Logistikwerten berücksichtigen, so Larkin in seinem Beitrag.
Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
Wie viel Kapazität muss die Speditionsbranche abbauen? In den vergangenen zwölf Monaten ging sie kaum zurück, da Banken und Leasing-Gesellschaften Lkw-Unternehmen nur ungern unter Zwangs- oder Konkursverwaltung stellen. Schließlich möchten sie nicht auf einer Ladung abgewerteter Vermögenswerte von Lkw-Transportern sitzen, die sie nicht verkaufen können, meint Larkin. Da die Frachtvolumina seit ihrem Höchststand im Jahr 2005 um 22 Prozent einbrachen und sich nur langsam erholen, geht er nicht davon aus, dass das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage vor Mitte 2010 oder auch vor 2011 enger wird.
Der erweiterte saisonbereinigte For-Hire Truck Tonnage Index des Verbandes der amerikanischen Lkw-Spediteure (American Trucking Association, ATA) legte im November 2,7 Prozent zu, nachdem er im Oktober 0,2 Prozent eingebüßt hatte. Der saisonbereinigte Tonnage-Index ist seit November 2008 um 3,5 Prozent zurückgegangen und verzeichnete somit im Jahresvergleich das beste Ergebnis in zwölf Monaten, ließ der ATA in seiner Pressemitteilung vom 29. Dezember verlauten.
Der Dow Jones Transportation Durchschnitt legte im Laufe des vierten Quartals 7,8 Prozent zu und erreichte am 31. Dezember einen Stand von 4.099,63 Punkten. Der Index konnte am 11. Januar bei 4.262,86 Punkten schließen, endete jedoch am 21. Januar bei nur 4.093,88 Zählern. Da der Index nur eine einzige Aktie eines reinen Lkw-Speditionsunternehmens, Con-way, enthält, spiegelt der Wertanstieg seit dem 30. September eher den Aufschwung in den Bereichen Luftfracht, Güterschienenverkehr, intermodaler Transport und Transportlogistik wider.
Keybanc Capital Markets empfahl in einem wissenschaftlichen Bericht vom 11. Januar, im Jahr 2010 Aktien von „Truckload-Unternehmen“ zu kaufen, solchen Spediteuren, die Ladungen von rund 4536 kg (10.000 amerikanische Pfund) oder mehr befördern, basierend auf der Höhe der Lagerbestände im Einzelhandel im Vergleich zum Absatz. Dies könnte dafür sorgen, dass sich die Lager in der ersten Hälfte dieses Jahres kräftig füllen und ein Aufstocken von Lagerbeständen zeichnet in der Regel für 60 bis 70 Prozent der Lkw-Ladungen verantwortlich, erklärte Aktienanalyst Todd Fowler in dem Bericht.
Werden neue Kapazitäten durch die Kreditknappheit reduziert?
Einige Unternehmen mit relativ großen Lkw-Flotten mussten in den vergangenen Monaten Konkurs anmelden und im Laufe des ersten Quartals werden weitere Unternehmen folgen, zumal die Dieselkraftstoffpreise weiter steigen werden, ließ Fowler in einem Interview mit der Bloomberg BusinessWeek verlauten. Hierdurch werden nicht nur überschüssige Kapazitäten reduziert. Es findet zudem eine Verlagerung des Frachtvolumens zugunsten von - zumeist börsennotierten - Spediteuren statt, die mehr Stabilität vorweisen können. Clevere Hersteller und Einzelhändler versuchen, zu vermeiden, dass ihre Fracht von Spediteuren mit geringer finanzieller Stabilität befördert wird, meint Fowler.
„Die Verlader werden feststellen, dass es Sinn macht, sich mit Spediteuren wie Knight Transportation, Heartland Express oder Werner Enterprises zusammen zu tun und ein wenig mehr zu zahlen“. So kann der Kunde sicher sein, dass ihm der Spediteur auch in Zukunft zur Verfügung steht, meint er.
Jon Langenfeld, Analyst bei Robert W. Baird & Co., zeigt sich im Hinblick auf überschüssige Kapazitäten zuversichtlicher als viele andere Transport-Analysten. In einem wissenschaftlichen Bericht vom 15. Januar gab er zu bedenken, dass durch die Stabilisierung der Frachtraten in diesem eher schwachen Umfeld aufgezeigt wird, wie viel Kapazität in den vergangenen drei Jahren aus dem Markt abgeflossen ist, da kaum neue Lkw gekauft wurden. Eine stärkere Disziplin unter den Spediteuren und die Kreditknappheit werden ebenfalls dafür sorgen, dass 2010 neue, zusätzliche Kapazitäten reduziert und die Lkw-Ladungen erhöht werden, erklärte er.
Die Teilladungsspediteure, die im Allgemeinen von mehreren Verladern Fracht mit einem Durchschnittsgewicht von je 454 kg (1.000 amerikanische Pfund) befördern, setzen große Hoffnungen darauf, dass das angeschlagene Unternehmen YRC Worldwide, der größte Spediteur in diesem Branchensegment, letztendlich vom Markt verschwindet. Eine Handvoll Aktien der Teilladungsspediteure wurden in den letzten Wochen des Jahres 2009 „aufgepumpt“, um Anfang Januar in den Keller zu rasseln, nachdem YRC mit Erfolg einen Debt-Equity-Swap in Höhe von über 500 Millionen Dollar abschloss, mit dessen Hilfe das Unternehmen Zeit gewann, um seine Schuldenfälligkeiten einzuhalten. Die Anleger hatten darauf gesetzt, dass die Kunden angesichts der Probleme bei YRC andere Speditionsunternehmen beauftragen würden. Nach Ansicht von Larkin könnte man nun mit Namen wie Old Dominion Freight Line und Saia ein gutes Schnäppchen machen. Dagegen ist in den Kursen der meisten von ihm analysierten Aktien eine drastischere Erholung eingepreist als jene, die seiner Meinung nach tatsächlich stattfinden wird.
Was würde der Konkurs von YRC bedeuten?
Durch den Debt-Equity-Swap von YRC ist es eher unwahrscheinlich, dass das Unternehmen vor April Konkurs anmelden muss, teilte Fowler in eine wissenschaftlichen Bericht von Keybanc vom 11. Januar mit. Infolgedessen sollten die Anleger in naher Zukunft bestenfalls eine verhaltene Preisbildung für Teilladungsspediteure erwarten. Schlimmstenfalls könnte die Irrationalität des Umfeldes weiterhin bestehen bleiben, meint er. YRC muss bis März Drittfinanzierungen in Höhe von 45 Millionen Dollar etabliert haben. Bei den aktuellen Cash-Burn-Raten könnte der verfügbare Kredit bis zum zweiten Quartal erschöpft sein. Ein Konkurs der YRC könnte die Frachtraten der Teilladungsunternehmen im ersten Jahr nach Konkursanmeldung um 5 Prozent steigen lassen, da die Spediteure in jedem Quartal höhere Raten für Teile ihrer Geschäftsbücher aushandeln. Auch hätte dies Zugewinne von Marktanteilen und eine effizientere Nutzung des Netzes durch Konkurrenten zur Folge.
Außerdem würde ein Konkursantrag ein erhebliches Ertragspotenzial für Konkurrenten bedeuten. Laut eines Berichts von Keybanc würden die Erträge Con-ways von der aktuellen Konsensschätzung in Höhe von 1,40 Dollar auf 2,55 Dollar steigen, die Erträge von Arkansas Best würden von 20 Cent auf 2,10 Dollar zulegen und Old Dominion würde Erträge in Höhe von 1,30 Dollar bis 2,10 Dollar je Aktie einfahren.
Laut Larkin von Stifel Nicolaus wäre es jedoch zu riskant, zu stark auf ein Verschwinden von YRC zu setzen. In früheren Konjunkturrückgängen hätte ein Unternehmen mit all jenen Sorgen, die YRC plagen, Konkurs anmelden müssen. „Banken, Obligationäre und die Teamsters (die Gewerkschaft der Transportarbeiter) haben keine Mühen gescheut, um dem Unternehmen einen enormen Spielraum einzuräumen“, da sie der Meinung waren, eine Rettung lohne sich, sagt er. Das Unternehmen spart derzeit 25 Millionen Dollar pro Quartal durch einen einjährigen Erlass jeglicher von ihm geschuldeten Barzinsen oder Bankgebühren. Zudem könnte es eine Steuerrückzahlung in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar erhalten, wenn der Kongress ein Gesetz verabschiedet, das Unternehmen in Schieflage hilft, sich über Wasser zu halten, indem jegliche in den vergangenen fünf Jahren gezahlten Barsteuern zurückerstattet werden. Durch eine solche Rückerstattung könnte YRC seine Geschäfte weitere fünf oder sechs Monate fortführen, meint er.
„Es ist denkbar, dass YRC das gesamte Jahr überstehen wird“ oder gar einen noch längeren Zeitraum, wenn es zu einem auch nur bescheidenen aber stetigen Aufschwung kommt, glaubt er. „Ich habe es aufgegeben, zu erraten, wann dem Unternehmen das Geld ausgeht. Immer wieder scheinen sich Interessengruppen zu finden, die bereit sind, dem Unternehmen die Mittel zur Verfügung zu stellen, die es braucht, um seine Geschäfte fortzuführen. Dies kann jedoch nicht ewig so weitergehen.“
Wenn YRC Konkurs anmeldet, würde der Markt nach Schätzung von Larkin 15 bis 20 Prozent seiner Gesamtkapazität verlieren. Ein Teil davon würde von Konkurrenten widerhergestellt werden, die größere Einrichtungen benötigen würden, um einen Anstieg des Transportvolumens zu bewältigen.
Transport- und Logistikkosten dürften steigen
Laut eines Berichts von Keybanc dürfte das „neue normale“ Nachfrageniveau auf längere Sicht höher sein als das aktuelle Niveau, aber immer noch niedrig im Vergleich zum Nachfrageboom der Jahre 2004 und 2005. Steigende Kraftstoffpreise, strengere Gefahren-, Sicherheits- und Umweltschutzauflagen sowie unzureichende Finanzmittel für die Infrastruktur oder die Erschließung eines integrierten landesweiten Frachttransportplans werden die Transport- und Logistikkosten im Laufe des kommenden Jahrzehnts wahrscheinlich in die Höhe treiben.
Obgleich intermodale Unternehmen wie JB Hunt Transport Services (JBHT), die sich durch zusätzliche Exportgeschäfte diversifiziert haben, während der Rezession in der Frachtbranche einen Vorteil hatten, konnten sich auch die reinen Lkw-Spediteure wie Knight und Heartland in dem schwierigen Umfeld sehr gut behaupten, meint Fowler.
Die Gewinnspanne von Knight hat sich aufgrund kostensenkender Maßnahmen von ihrem Höchststand von 18 Prozent im Jahr 2005 nur um fünf bis sechs Prozentpunkte verringert. „Das ist ein ansehnliches Ergebnis für eine Branche, die sehr viel Geld verloren hat und im Hinblick auf die Gewinnspanne im Verlauf eines Zyklus kostendeckend arbeitet“, sagt Fowler. „Es gibt Unternehmen, die die Marge von Knight in diesem Umfeld nie erreichen werden.“
Die Erträge Knights im vierten Quartal werden im Vorjahresvergleich erwartungsgemäß um 19 Prozent auf 16 Cent je Aktie zurückgehen, bei einem Anstieg der Einnahmen in Höhe von 7 Prozent auf 153 Millionen Dollar vor Kraftstoffzuschlägen, ließ Analyst Nate Brochmann am 13. Januar in einem Bericht von William Blair & Co. verlauten.
Als erster reiner Lkw-Spediteur wird die Celadon Group am 25. Januar ihr Ergebnis für das vierte Quartal 2009 vorlegen. Die Berichte von Teilladungsspediteuren wie Arkansas Best und Old Dominion folgen am 28. Januar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |