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Aktienmarkt Amerika Langsam und beschwerlich nach oben

08.09.2006 ·  Die wichtigen Indizes verbuchten in der vergangenen Woche respektable Gewinne. Der Weg des geringsten Widerstandes spielt sich kurzfristig auf einem höheren Niveau ab.

Von Mark Arbeter
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Die wichtigen Indizes verbuchten in der letzten Woche respektable Gewinne nach einem leichten Rückgang in der vorhergehenden Woche. Der Weg des geringsten Widerstandes spielt sich nach unserer Ansicht kurzfristig auf einem höheren Niveau ab. Die Anleihenrenditen fielen unter den maßgeblichen Widerstand bei 4,8 Prozent, während der Rohölpreis knapp unter 70 Dollar pro Barrel sank.

Wir glauben, daß der Aktienmarkt noch ein wenig weiterlaufen wird, bevor die wichtigen Indizes auf maßgebliche Widerstände stoßen werden. Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ist es unserer Ansicht nach entscheidend, wie der Markt mit diesem Überangebot umgeht.

S&P-500 sehr kurzfristig überkauft

Der S&P 500 befindet sich in einem Bereich mit geringerem Chart-Widerstand zwischen 1.300 und 1.326. Das Schlußhoch des zyklischen Haussemarktes betrug am 5. Mai 1.325,76, während das Intraday-Hoch am 8. Mai bei 1.326,70 lag.

Im Abwärtsbereich scheint der Index gut gestützt zu sein. Die Trendlinienunterstützung liegt nach Abzug der jüngsten Tiefstände bei 1.295. Die charttechnische Unterstützung beginnt im Bereich zwischen 1.280 und 1.290, eine weitere substantielle Unterstützung liegt nicht unweit unterhalb dieser Spanne. Der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.280, während der exponentielle 65-Tage-Durchschnitt und der einfache 200-Tage-Durchschnitt 1.278 betragen.

Der S&P-500 ist in gewisser Weise auf sehr kurzfristiger Basis überkauft, jedoch nicht auf mittelfristiger Basis. Der 6-Tage-RSI (Relative-Stärke-Index) erreichte kürzlich die Marke von 80 und ist somit überkauft. Der 14-Tage-RSI ist seit dem Beginn der Rally jedoch nur auf 66 gestiegen, dies ist nicht als überkauft zu werten. Der 14-Tage-RSI hat eine Reihe höherer Höchststände und höherer Tiefststände seit Mai durchlaufen, ein Pluspunkt nach unserer Ansicht, und er liegt bei über 50, was ein weiteres Plus darstellt.

Auf längere Sicht befindet sich der 14-Wochen-RSI auf neutralem Territorium, und er hat genug Raum für eine Aufwärtsbewegung, bevor er in den überkauften Bereich gelangt. Beunruhigend an dem wöchentlichen RSI und dem MACD-Indikator ist, daß sie zumeist eine Reihe niedrigerer Höchststände und niedrigerer Tiefststände über die letzten Jahre abgebildet haben, was anzeigt, daß der Schwung sich langfristig abschwächt. Dies verweist aus unserer Sicht in der Zukunft auf potentielle Schwierigkeiten für den Aktienmarkt.

Nasdaq in schwierigerer Lage

Der Nasdaq Composite sieht unserer Meinung nach ungleich schwierigeren Zeiten entgegen, da wir glauben, daß der Index unterhalb eines viel größeren Überangebotbereichs liegt. Ein akzeptabler kurzfristiger Widerstand liegt bei 2.200, ausgehend von einer Trendlinie, die die Spitzen aus April und Mai berücksichtigt.

Ebenso gibt es einen geringfügigen charttechnischen Widerstand in diesem Bereich. Ein 50-Prozent Retracement der Korrektur liegt ebenfalls in diesem Bereich. Der bedeutendere Teil des Widerstandes beginnt jedoch bei 2.233. Dies ist ein charttechnischer Widerstand aus dem unteren Bereich, in dem der Nasdaq Composite in diesem Jahr gehandelt wurde. Ein 61,8-Prozent Retracement der Korrektur liegt genau über diesem Level bei 2.237.

Der Nasdaq 100 ist ebenfalls mit einem ähnlichen Überangebot konfrontiert. Für den QQQ (Nasdaq 100 Tracking Stock) ist der charttechnische Widerstand auf der 40er-Ebene recht massiv. Vom gegenwärtigen Umkehrmuster aus gesehen beginnt die Chartunterstützung bei 2.164 und geht hinunter bis auf 2.020. Es besteht eine Konzentration von MACDs, die zwischen 2.107 und 2.175 liegen, diese stehen auch für potentielle Unterstützungen für den Nasdaq.

Anschub aus negativem Sentiment

Größtenteils präsentierte sich das Sentiment während der Monate Juni/Juli in einem äußerst überverkauften Zustand, und wir gehen davon aus, daß dies dem Markt den letzten Schub gegeben hat. Die Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) ergab einen Anstieg des Bärenanteils auf 57,8 Prozent, den höchsten Wert seit Februar 2003, während der Bullenanteil auf 23,9 Prozent fiel, den niedrigsten Wert seit April 2005.

Dies ereignete sich in der Woche des 21. Juli, als der Bärenanteil den Bullenanteil um 33,9 Prozentpunkte übertraf, dies bedeutete die größte Spanne seit Februar 2003. Der Bullenanteil bei der Umfrage der Investor´s Intelligence (II) fiel im Juni auf 35,6 Prozent, den niedrigsten Wert seit Oktober 2002, während der Bärenanteil im August auf 37,1 Prozent stieg, den höchsten Wert seit März 2003.

In der Woche des 23. Juni waren die Bullen und Bären gleichauf mit jeweils 35,6 Prozent. Es war das erste Mal seit Oktober 2002, daß die sich der Bärenanteil auf dem gleichen Level befand wie der Bullenanteil.

Auflösung der „Bärenstimmung“ vonnöten

So konnten wir feststellen, daß das Sentiment höchst bearische Ausmaße angenommen hat, und größere Marktbewegungen in höherem Maße vorweggenommen hat. Damit sich der Markt weiterhin aufwärts entwickelt, ist unserer Meinung nach eine Auflösung dieser „Bärenstimmung“ vonnöten. Mit anderen Worten, wir würden gerne sehen, daß sich die Bären trollen und schnell wieder auf die Bullenseite wechseln.

Leider ist dies noch nicht geschehen. Während der letzten Marktbaisse im März 2003 fiel der Bullenanteil auf 39,8 Prozent und der Bärenanteil stieg auf 38,2 Prozent. Als sich der Markt aus seinem Tief herauswand, wechselten die Bären schnell zu den Bullen über und in nur fünf Wochen stieg der Bullenanteil auf 51,1 Prozent, während der Bärenanteil auf 30,3 Prozent zurückging.

Seit Juni 2006 konnten wir lediglich einen geringfügigen Anstieg bei den Bullen und einen minimalen Rückgang der Bären verzeichnen. Das gleiche Schauspiel zeigte sich bei der AAII-Umfrage Anfang 2003. Der Bullenanteil explodierte von 21,1 Prozent auf 63 Prozent, der Bärenanteil stürzte in nur neun Wochen von 57,9 Prozent auf 19 Prozent.

Seit dem Höhepunkt der Bärenstimmung im Juli 2006, der sich bei der AAII-Umfrage gezeigt hatte, verfügen wir über Nachfolgedaten, die nur einen Zeitraum von fünf Wochen umfassen, doch bislang ist der Anteil der Bullen lediglich auf 39,4 Prozent gestiegen, der Bärenanteil nur auf 37,4 Prozent gefallen.

Längerfristiges Tief möglicherweise noch nicht überwunden

Weitere Sentimentindikatoren bestätigen die AAII- oder II-Umfragen jedoch nicht, was möglicherweise darauf schließen läßt, daß der Markt ein längerfristiges Tief noch nicht überwunden hat. Die Market-Vane-Umfrage hat beispielsweise ein ziemlich hohes Bullenniveau während der letzten paar Monate gezeigt, trotz der jüngsten Marktschwäche. Die Market-Vane-Umfrage ergab Anfang dieses Jahres ein Bullen-Hoch von 73 Prozent, das Mitte Juni nur auf 55 Prozent zurückging. Während größerer Markttiefs fällt dieses Umfrageergebnis häufig auf 30 Prozent oder darunter.

Mitte Juli sank der Bullenanteil bei der Consensus-Umfrage auf 40 Prozent, weit über dem Niveau, das man gewöhnlich während größerer Tiefs beobachten kann. Im Oktober 2004 beispielsweise fiel der Bullenanteil bis auf 24 Prozent. Ein Stimmungsindikator, der eine absolute Vorsicht signalisiert, ist das OEX Put/Call-Verhältnis. Im Gegensatz zu den meisten anderen Put/Call-Verhältnissen, die als Gegenindikatoren genutzt werden, gelten die OEX-Option-Player als „smartes Geld“, und daher trafen ihre Prognosen oftmals ins Schwarze.

Mit anderen Worten: Es herrscht für gewöhnlich Bullenstimmung, wenn das Put/Call-Gesamtverhältnis hoch ist. Ist jedoch das OEX Put/Call-Verhältnis hoch, wird es als Bären- und somit gutes Warnsignal betrachtet. Das 15-Tage-OEX-Put/Call-Verhältnis erreichte am 31. August 1,74, den höchsten seit dem 31. August 2000 erzielten Wert und lediglich darauf zurückzuführen, daß dieser einem bedeutenden Markthöhepunkt entspricht. Wenn, in Bezug auf das Sentiment oder jeglichen anderen Marktindikator, so viele gegensätzliche Kräfte im Spiel sind, ist es häufig der Fall, daß sich der Markt weiter seitwärts bewegt, bis weitere Indikatoren beginnen, sich zusammen einzureihen.

Ausbruchsversuch der Renditen mißlungen

Die zehnjährigen Staatsanleihen fielen diese Woche auf 4,73 Prozent, dem tiefsten Schlußstand seit dem 27. März. Die zehnjährigen Staatsanleihen sind nun seit Ende Juni bzw. in 46 Handelstagen um 52 Basispunkte gefallen. Gemessen an einem Zeitraum von 46 Tagen ist dies ist der steilste Rückgang der Renditen seit Juni 2005. Die Anleihenrenditen sind klar eingebrochen und drehten in den Abwärtsbereich, unserer Meinung nach zu dem Zeitpunkt, nachdem sie sich vom Trendlinien-Widerstand, zieht man die jüngsten Tiefstände seit Juni 2005 ab, entfernt haben.

Eine langfristige Trendlinienunterstützung gibt es, abzüglich der Renditetiefs im Jahr 2003 und 2005, bei etwa 4,4 Prozent. Es besteht ebenfalls eine charttechnische Widerstandsebene im Bereich 4,4 Prozent bis 4,6 Prozent. In der Vergangenheit bewegten sich Renditen während der letzten sechs Jahre auf einem soliden Fundament zwischen drei Prozent und 5,5 Prozent. Renditen bleiben also in einem sehr langfristigen Abwärtstrend, der 1981 begonnen hat. Der kürzlich mißlungene Versuch, die Marke von 5,25 Prozent nachhaltig zu durchbrechen, hält den sehr langfristigen Trend intakt.

Ölpreis weiter abwärts

Die Rohölpreise haben letzte Woche bei 69,19 Dollar je Barrel abgeschlossen, dem niedrigsten Schlußkurs seit dem 20. Juni. Für uns ist es nicht überraschend, daß sowohl die Anleihenrenditen als auch die Ölpreise einbrechen, da die verringerten Inflationserwartungen resultierend aus dem Rückgang der Rohölpreise dem Anleihenmarkt zugute kommen.

Schon oft tendierten diese beiden Märkte dazu, sich über lange Zeiträume parallel zu bewegen. Es scheint, daß die Rohölpreise sich auf einen wichtigen Test des Bereichs von 68-68,50 Dollar hinzubewegen. Ein scharfer Bruch dieses Unterstützungsbereichs würde die seit 2003 bestehende Serie höherer Höchststände und höherer Tiefststände beenden.

Längerfristige Trendlinienunterstützung ergibt sich bei 66 Dollar, die Bullen-Markt-Trendlinie (unter Berücksichtigung der Tiefststände seit Beginn des Aufwärtstrends) liegt bei 62 Dollar. Der wöchentliche Schwung ist noch nicht überverkauft, und wir glauben, daß dies weiteren Abwärtsspielraum für die Ölpreise bietet.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's

Quelle: S&P
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