20.11.2006 · Wenn Manager Aktien des eigenen Unternehmens verkaufen, muß das nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. Jetzt allerdings bewegen sich die Verkäufe auf einem Rekordniveau. Die Insider trauen den Aktien ihrer Unternehmen also nicht mehr viel zu.
Die Insider an der Wall Street verkaufen so stark Aktien wie noch nie in diesem Jahrzehnt. Das deutet Beobachtern zufolge auf ein Ende der Rally am amerikanischen Aktienmarkt hin - und dürfte damit auch für die europäischen Märkte kein gutes Zeichen sein. Schließlich können die Insider, das sind zum Beispiel Vorstände und andere leitende Angestellte, besser als Außenstehende einschätzen, ob ihr Unternehmen an der Börse noch Potential hat oder nicht.
„Aus der Aktienmarktrallye der vergangenen Monate und der Entwicklung der Insiderkäufe und -verkäufe schließen wir, daß die Märkte künftig seitwärts oder sogar abwärts tendieren werden“, sagt Patrick Hable, Geschäftsführer von 2iQ Research.
Neues Rekordtief in diesem Monat wahrscheinlich
Diese auf quantitative Investmentstrategien spezialisierte Investmentboutique aus Frankfurt wertet seit vielen Jahren die Buy-Sell-Ratio, also das Volumen der Insiderkäufe im Verhältnis zum Volumen der Verkäufe, für den marktbreiten amerikanischen Aktienindex Russell 3000 aus.
Mit 0,0091 für den aktuellen Monat November liegt es sogar niedriger als beim Rekordtief im Juli 2001 (0,0099). „Das weist darauf hin, daß wir am Ende des Monats ein neues Rekordtief verzeichnen“, sagt Hable im Gespräch mit FAZ.NET.
3.160 Verkäufe, nur 202 Käufe
Bei Unternehmen des Russell 3000 Index wurden 2iQ Research zufolge in diesem Monat bislang 3.160 Verkäufe mit einem Gesamtvolumen von 4,53 Milliarden Dollar bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gemeldet. Dem gegenüber stehe ein extrem schwaches Kaufverhalten der Corporate Insider. Das Kaufvolumen betrage aktuell lediglich 41,5 Millionen Dollar, die sich auf 202 Kauftransaktionen verteilen.
Insbesondere bei den großkapitalisierten Unternehmen, den Large Caps, sei ein starker Verkaufstrend zu beobachten. Bei den Nebenwerten, dem historisch bevorzugten Segment der Insider, sei die Entwicklung nicht so extrem.
„Insiderverkäufe an sich sind kein schlechtes Zeichen“
„Im historischen Mittel liegt die Buy-Sell-Ratio bei etwa 0,1, das Volumen der Insiderkäufe entspricht also zehn Prozent des Volumens der Insiderverkäufe“, erklärt Hable. „Seit einiger Zeit tendiert das Verhältnis zwar eher zu 0,05. So niedrig wie derzeit war es aber in diesem Jahrzehnt noch nicht.“
Grundsätzlich sei es nicht verwunderlich, daß die Verkäufe der Insider stets größer sind als die Käufe. Zum einen spielt hier die Vergütung der Manager mit Aktienoptionsprogrammen eine Rolle. Zum anderen verkaufen die Unternehmensgründer einen Teil ihrer Anteile, um ihr Vermögen besser zu diversifizieren. „Insiderverkäufe an sich sind kein schlechtes Zeichen“, sagt Hable. „Aber der Aktienkurs spielt schon eine Rolle. Die Insider trauen den Kursen ihrer Unternehmen offensichtlich keinen großen Anstieg mehr zu.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |