09.03.2010 · Zwar lässt zunehmender Optimismus über die Wirtschaftslage die Zahl der Urlaubsbuchungen wieder steigen. Doch es wird noch etwas dauern, bis sich die Preise für Hotelzimmer und Kreuzfahrten spürbar erholen.
Von David BogoslawDas Schlimmste dieses Winters scheint überstanden, und mancher denkt vielleicht schon darüber nach, wohin er in den Frühjahrsferien oder im Sommerurlaub fahren wird. Will man wirklich wissen, wie sich die amerikanischen Verbraucher inmitten bohrender Zweifel über die Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs fühlen, muss man sich ihre Urlaubspläne ansehen. Die Ware Urlaub gehört zu den teuersten und am wenigsten lebensnotwendigen Anschaffungen und ist darum ein sicherer Indikator für das Vertrauen, dass die Menschen in ihre Zukunft haben.
„Wenn die Verbraucher so traumatisiert sind, wie sie es im vierten Quartal 2008 waren, so werden alle größeren Einkäufe auf Eis gelegt. Und für die meisten Menschen ist Urlaub ein größerer Einkauf“, weiß Sharon Zackfia, eine Analystin, die Kreuzfahrtlinien für William Blair beobachtet. „Man musste einfach abwarten, bis die Menschen wieder mehr Vertrauen in die Sicherheit ihrer Pensionssparpläne und Arbeitsplätze hatten.“
Etwas mehr Lust am Abenteuer
Die Buchungen von Urlaubsreisen nahmen im November wieder zu und haben im laufenden Jahr - laut Reisebüros und Analysten - deutlich an Dynamik gewonnen. Das sei vor allem ein Zeichen für das wachsende Vertrauen in die Wirtschaft, meint Robert Zavala, Präsident des Reiseunternehmens Freedom Vacations.
Die Buchungen auf Gäste-Ranches in den westlichen Staaten seien in diesem Jahr deutlich zahlreicher als 2009, aber immer noch weit von den Zahlen des Jahres 2008 entfernt, so Bill Bryan, Verwaltungsratsvorsitzender des Spezialisten für Abenteuerpauschalreisen, Off the Beaten Path. Das Geschäft der 10 Reiseveranstalter, die sich zu Adventure Collection zusammengeschlossen haben, hat im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent zugelegt. Aber Bryan geht davon aus, dass das Geschäft nicht vor 2011 zum Niveau des Jahres 2008 zurückfinden wird.
Schmales Buchungsfenster sorgt für Schnäppchen
Im Kreuzfahrtgeschäft wird das Verbrauchervertrauen daran gemessen, wie weit im Voraus die Urlauber ihre Reisen buchen. Diese Vorlaufzeit bezeichnet man als das Buchungsfenster. Ende 2008 schrumpfte dieses Fenster auf nur noch zwei Monate zusammen, während es im historischen Durchschnitt sechs Monate breit war. Inzwischen, so Steven Wieczynski, der bei Stifel Nicolaus Kreuzfahrtlinien und Glücksspiel analysiert, sei man wieder bei ungefähr fünf Monaten angekommen.
Eine ernorme Verkleinerung des Buchungsfensters, wie sie vergangenes Jahr zu erleben war, hat spürbare Preisnachlässe zur Folge, weil Kreuzfahrtschiffe gern ausgelastet in See stechen, so Zackfia. Für Kreuzfahrten, die von Südflorida und Puerto Rico ablegen, stagnieret das Buchungsfenster bei etwa zwei Monaten, berichtet Victor Valverde, Inhaber von Cruceros To Go. Derzeit bekomme man eine siebentägige Kreuzfahrt ab San Juan, Fort Lauderdale, Florida, oder Miami für 500 bis 600 Dollar. Das sei vor einigen Jahren „noch undenkbar“ gewesen. Da habe eine solche Fahrt zwischen 700 und 800 Dollar gekostet. In Südflorida seien die größten Schnäppchen zu haben, ergänzt er, denn dort gebe es ein enormes Überangebot an freien Schiffen.
Die Preise für die Sommerkreuzfahrten scheinen 5 bis 6 Prozent über denen des Sommers 2009 zu liegen, aber immer noch unter denen von 2008. Und die Preise für länger, teurere Kreuzfahrten erholten sich schneller als die Preise für kürzere Reisen, weiß Zackfia. Die meisten Alaska-Kreuzfahrten, die für Mai bis Juli im Fahrplan stehen, seien bereits ausgebucht.
Der Kreuzfahrtveranstalter Carnival gab während seiner Bilanztelefonkonferenz im Dezember bekannt, dass seine Buchungen gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zugenommen hätten; und das Geschäft habe sich bis Januar wahrscheinlich noch weiter verbessert, als Royal Caribbean Cruises seine jüngsten Zahlen veröffentlichte, so Zackfia. Sie stufte beide Aktien im März 2009 auf „Kaufen“ herauf und glaubt, dass sich beide Unternehmen in den frühen Phasen eines preislichen Aufwärtstrends bei ihren Reiseangeboten befinden. In den Aktienkursen, meint Zackfia, spiegele sich das zwar noch nicht wider, aber das sei nur eine Frage der Zeit.
In Las Vegas sind die Zimmerpreise für Übernachtungen an Werktagen gefallen
Für die Glücksspielindustrie sind die Aussichten weit düsterer. Das Hauptproblem, dem sich Las Vegas derzeit gegenüber sehe, sei ein schlecht laufendes Konferenz- und Tagungsgeschäft, erklärt Wieczynski. Laut der Tagungs- und Besucherbehörde von Las Vegas seien die Einnahmen hier für das Jahr 2009 gegenüber 2008 um fast 24 Prozent auf 4,5 Millionen zurückgegangen. Im Verlauf dieses Jahres erwarte man zwar etwas Entspannung; doch, so warnt Wieczynski, mit der Rückkehr zur Normalität sei erst in einigen Jahren zu rechnen.
Das rückläufige Massengeschäft habe die Preise für Übernachtungen an Werktagen der Hotel-Casinos arg unter Druck gebracht. Vor einigen Jahren habe man noch 250 bis 350 Dollar pro Nacht auf den Empfangstresen blättern müssen. Inzwischen sei die Übernachtung für 100 bis 150 Dollar zu haben.
Die Besucher- und Spielerzahlen in den Glückspieleinrichtungen der Region hätten sich auf niedrigem Niveau eingependelt, nachdem sie aus den Höhen der Jahre 2006 und 2007 um 25 bis 35 Prozent abgestürzt seien, erklärt Wieczynski. Regionale Anbieter wie Isle of Capri Casinos, Penn National Gaming, Ameristar Casinos und Pinnacle Entertainment erwirtschafteten 80 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Glücksspiel und des Rest aus Lebensmittel-, Getränke- und Einzelhandelsverkäufen. Heute bezögen die Casinos in Las Vegas 65 Prozent ihres Umsatzes aus glücksspielfremden Einnahmequellen und nur 35 Prozent aus dem eigentlichen Kerngeschäft.
Arbeitslosigkeit belastet
Isle of Capri gab am 23. Februar einen Nettoverlust von 33 Cent pro Aktie für sein am 24. Januar endendes drittes Steuerquartal bekannt. Ein Jahr zuvor konnte man noch einen Gewinn von 1,45 Dollar pro Aktie vorweisen. Das Unternehmen erklärte seinen 25-prozentigen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahreswert mit den Erwerbslosenzahlen, die in seinem Einzugsgebiet - Missouri, Iowa, Louisiana und Florida - von durchschnittlich 7 auf 9,2 Prozent gestiegen seien, sowie damit, dass trotz zunehmender Besucherzahlen nur wenig Geld pro Besuch in den Casinos bleibe.
Bei den großen Hotelketten wie Sheraton, die Starwood Hotels & Resorts Worldwide gehören, oder Marriott machten Freizeit- und Erholungsreisen ungefähr 10 bis 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes aus, weiß Patrick Scholes, Analyst bei FBR Capital Markets. Der Großteil ihres Geschäfts entstamme den Hotels in zentralen städtischen Gebieten, die vor allem von einzelnen Geschäftsreisenden und größeren geschäftlichen Gruppenveranstaltungen lebten.
Belegung steigt wieder
Die neuesten Daten von Smith Travel Research zeigen, dass sich die Hotelbelegungsraten und Zimmerpreise in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorjahr schon zu erholen beginnen. Im Februar 2010 stieg die Belegung gegenüber dem Vorjahr um etwa 0,4 Prozent auf 53,2 Prozent, während die durchschnittlichen Tageszimmerpreise ungefähr 5 Prozent unter den Vorjahreswerten lagen, da die Häuser der gehobenen und der Luxuskategorie ihre Preise weiter gesenkt haben, um Besucher anzulocken.
Der Umsatzerlös je freiem Zimmer, der durch Belegungsrate und Tageszimmerpreise beeinflusst wird, fiel gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent. STR prognostiziert - nach einer Belegungsrate von 55,1 Prozent im Jahr 2009 - auch für 2010 einen eher stagnierenden Wert, während der durchschnittliche Tageszimmerpreis im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent zurückgehe. Am 3. Februar wiederholte Standard & Poor's-Analyst Mark Basham seine negative Prognose für die Branche.
Die Unternehmen des Hotel- und Gastgewerbes, die am stärksten von Freizeit- und Erholungsreisen abhängig seien, seien Wyndham Worldwide mit den Marken Ramada, Days Inn und Super 8 sowie die Interval Leisure Group, die den Vorteil niedriger Gemeinkosten habe, weil sie lediglich Personen, die Time-Shares an verschiedenen Einrichtungen besitzen, gegen eine Gebühr helfe, sie zu tauschen, so Scholes von FBR.
Interval generiert viel Bargeld
In einer Marktstudie vom 13. November schätzte Scholes, dass Interval im Jahr 2011 einen freien Cashflow von 70 Millionen Dollar generieren werde, was den Ertrag auf 11 Prozent bringe. Das Unternehmen halte seine Cashpläne zwar unter Verschluss, doch Scholes glaubt, dass es sich vorrangig dem Schuldenabbau widmen werde. Ein Aktienrückkaufprogramm oder der Beginn des Auszahlens von Bardividenden seien weitere Optionen, so Scholes in seiner Studie. Im letzten Quartal habe Interval 8 Millionen Dollar, oder 2 Prozent, seiner Gesamtschulden zurückgezahlt und seine Cashbilanz um 4 Millionen Dollar auf 153 Millionen Dollar, oder 2,70 Dollar je Aktie, verbessert.
Der Wert der Wyndham-Aktie habe sich gegenüber dem Vorjahr verachtfacht und am 5. März mit 24,01 abgeschlossen. Der Aktienkurs von Interval habe sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht und am 5. März mit 15,38 abgeschlossen. Das Interval-Papier besitze noch Wachstumspotential, weil die Anleger dem Unternehmen eine solide Cashflow-Generierung zutrauten, so Scholes.
Reise-Websites wie trip.com und andere, aus denen das Orbitz Worldwide gehörende The Away Network besteht, erfreuten sich einer steigenden Anzahl von Besuchern und verkauften mehr Anzeigen, was auf zunehmende Preisvergleiche bei allem - von Flügen über Hotels bis zu Autovermietungen - zurückzuführen sei, berichtet Eric Brodnax, Vizepräsident und General Manager von The Away Network. „Die Leute wollen sicher sein, das günstigste Angebot für ihre Reisepläne gefunden zu haben. Sie wissen, dass Urlaub ein beträchtlicher Posten in der Haushaltskasse ist, und sie haben keine Lust, mehr zu bezahlen, als nötig ist.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |