Home
http://www.faz.net/-gv7-104jx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aktienmärkte Schwedische Börse profitiert von kompetitiver Abwertung

03.04.2009 ·  Die schwedische Börse gehäört zumindest in Europa zu jenen Märkten, die sich in den vergangenen Wochen am besten entwickelt haben. Der OMX liegt seit Jahresbeginn knapp zehn Prozent im Plus. Die Papiere sind allenfalls fair bewertet.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (0)

Kaum ist der „großartige“ G-20-Gipfel vorbei, so fallen an den internationalen Finanzmärkten die Tarnkappen. Nachdem die makroökonomischen Ungleichgewichte und Währungen offensichtlich bei den Diskussionen kaum eine Rollen spielten, kehren die Anleger im Rahmen des in den vergangenen Tagen aufgekommenen Wirtschaftsoptimismus zu altbewährten Strategien zurück.

Sie lassen am Devisenmarkt mit den Yen und dem Schweizer Franken die üblichen Verdächtigen abwerten. Denn erstens haben diese Staaten ihre Zinsen schon immer tief gehalten. Zudem machen sie inzwischen mit „unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen“ deutlich, dass sie unbedingt schwache Währungen haben wollen, um den kompetitiven Status ihrer Exportbereiche zu wahren oder gar im Vergleich mit konkurrierenden Staaten zu verbessern.

Schwedens Währung wertet real schon seit Jahren im Trend ab

Schweden macht vor, wie das gehen kann. Der reale effektive Wechselkurs des Landes läuft schon seit Jahren im Trend nach unten. Und in den vergangenen Wochen haben sie auf die globale Wirtschaftsschwäche, die sich im kleinen, stark am Export orientierten Land deutlich bemerkbar macht, mit massiven Zinssenkungen reagiert. Die schwedische Zentralbank hat den Leitzins mit massiven Schritten von 4,75 Prozent noch im Oktober des vergangenen Jahres auf zuletzt ein Prozent gesenkt. Genau das ließ die schwedische Krone gegen den Dollar um 30 und gegen den Euro um bis zu 20 Prozent abwerten.

Daran scheinen sich nun zusammen mit der allgemeinen Hoffnung auf eine baldige Erholung, die auf gewaltigen Konjunkturprogrammen weltweit und extrem expansiven geldpolitischen Strategien basieren, die optimistischern Überlegungen der Anleger mit Blick auf Schweden fest zu machen. Der OMX Stockholm 30 Index zählt neben dem schwedischen OBX Index zu den besten der großen Indizes in Europa. Er liegt nach den ersten drei Monaten des Jahres mit knapp zehn Prozent im Plus und ist im Unterschied zu anderen gerade dabei, den gleitenden 200-Tagedurchschnitt nach oben zu durchbrechen.

Das wäre zumindest aus technischer Sicht ein positives Zeichen. Der Index ist mit den jüngsten Kursgewinnen zudem aus der Seitwärtsbewegung zwischen 560 und 700 Zählern nach oben ausgebrochen, in der er sich im vergangenen halben Jahr nach den massiven Kursverlusten von Mai bis September bewegt hatte.

Ein großer Teil der Indexentwicklung ist allerdings auf einen einzelnen Wert zurückzuführen: Auf die Aktie des Kupferförderers- und verarbeiters Boliden AB. Die Aktie hat seit Jahresbeginn satte 177 Prozent zugelegt. Waren die Papiere des Unternehmens noch im Februar knapp 16 Kronen gehandelt worden, so liegen sie am Freitag bei 49,3 Kronen. Sie werden offensichtlich von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft oder gar von Übernahmephantasien getrieben.

Schwedische Aktien sind im Durchschnitt allenfalls fair bewertet

Denn mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 43 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind sie nicht gerade günstig. In den vergangenen Quartalen waren die Umsätze rückläufig und die Gewinne sind förmlich eingebrochen. So bleibt die Frage, wieso sich das auf die Schnelle ändern sollte.

Mit den Anteilsscheinen von Ericsson, Lundin Petroleum, Volvo, der Nordea Bank, Electrolux und Sandvik gehören weitere zyklische oder angeschlagene Finanzwerte mit Kursgewinnen seit Jahresbeginn zwischen knapp zehn und 25 Prozent zu den größten Kursgewinnern. Dagegen liegen Aktien wie die des Medienunternehmens Eniro, der stark in Osteuropa engagierten Swedbank und selbst von Nokia noch deutlich im Minus. Nokia spürt sowohl die Weltwirtschaftskrise als auch den harten Wettbewerb.

Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 13,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind die schwedischen Aktien nur dann richtig günstig, wenn man von einer deutlichen Verbesserung des Geschäftsgangs und der Gewinnentwicklung der Unternehmen ausgehen kann. Das können im aktuellen Umfeld, das stark von schwachen Konjunkturzahlen und andauernder Verunsicherung geprägt ist, nur Optimisten. Das durchschnittliche Kurs-Buchwertverhältnis liegt bei 1,4.

Aus technischer Sicht mag die Kursrally ist zunächst entscheidend, ob der Ausbruch nach oben untermauert werden kann. Kurzfristig ist Markt deutlich „überkauft“. Vernünftige Anleger werden sich jedoch durch geeignete Maßnahmen gegen jederzeit denkbare Kursrückschläge absichern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%