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Aktienmärkte Schwächeres Wachstum in China bremst H-Aktien

16.03.2004 ·  Mit einem Plus von 152 Prozent waren die in Hongkong notierten chinesischen H-Aktien im Vorjahr noch weltweit die zweitgrößten Gewinner. Doch ein sich abschwächendes Wachstum in China sorgt nun für eine Verschnaufpause.

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Für die Aktien chinesischer Unternehmen, die an der Börse Hongkong notiert sind, ist die Rally vorerst beendet. PetroChina Ltd. und China Petroleum & Chemical Corp., die beiden Schwergewichte im Index der so genannten H-Aktien, mußten Kursabschläge hinnehmen. Ausgelöst wurden diese durch Anzeichen, daß sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt.

Nach einem Kurssprung von 152 Prozent im vergangenen Jahr haben die H-Aktien des Hang Seng China Enterprises Index seit Jahresbeginn zwei Prozent abgegeben. Im vergangenen Jahr hatte der Index der 37 chinesischen Unternehmen alle Benchmark-Indizes bis auf Venezuelas IBC-Index in den Schatten gestellt.

Industrieproduktion wächst langsamer

„Chinas Wirtschaftswachstum ist jetzt in den Aktienkursen eingepreist", sagte Wan Hoon Han, Fondsmanagerin bei Fortis Investments in Paris. Einen Teil des Kursrückgangs seit Jahresbeginn ist Investoren zufolge auch auf Pläne der Regierung zurückzuführen, Aktien im Volumen von 15 Milliarden Dollar im laufenden Jahr an ausländische Investoren zu verkaufen. Belastend wirkte sich auch die mögliche Änderung der Bindung des Yuan an den Dollar aus.

Die Hälfte des Kursrückgangs der H-Aktien erfolgte, nachdem die chinesische Regierung am Mittwoch bekannt gegeben hatte, daß die Industrieproduktion des Landes zum ersten Mal seit September langsamer wächst. Am Freitag sackte der Index 3,8 Prozent ab, so stark wie seit zwei Monaten nicht mehr.

„Wir sind bei Investments in China vorsichtig, da die Kurse im vergangenen Jahr so steil noch oben gegangen sind", erklärte Marco van Rijn, Fondsverwalter beim Bank Global Fund von ING Investment Management in Den Haag.

Kurse der Schwergewichte im Minus

PetroChina büßten im laufenden Jahr neun Prozent ein, nach einem Kurssprung von 187 Prozent im Jahr 2003. Chinas größter Ölkonzern hat die größte Gewichtung in dem Index und macht etwa ein Fünftel seines Wertes aus. China Petroleum, Asiens größte Raffinerie, verbilligten sich 7,9 Prozent, nach 165 Prozent Zuwachs 2003. Bei China Life Insurance Co., der größten Versicherung des Landes, ging es 17 Prozent abwärts. Der drittgrößte Wert im Index hatte im Vorjahr für den größten Börsengang gesorgt. China Life und China Petroleum machen jeweils mehr als zehn Prozent des Index aus.

Auch für Rohstoffkonzerne in Asien wie BHP Billiton und Posco ging es bergab. Der MSCI Asia-Pacific Materials Index für die Rohstoffproduzenten der Region ist seit Jahresbeginn 4,9 Prozent abgesackt und weist damit die schlechteste Performance aller zehn Branchengruppen des MSCI Asia-Pacific Index auf. Im zweiten Halbjahr 2003 hatte er zusammen mit den Energiewerten noch die Rally angeführt.

Die chinesische Regierung schränkt die Kredite an die Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie ein, um die Expansion etwas abzukühlen. Ma Kai, Minister für Entwicklung und Reformen, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, daß die Regierung Investitionen in Rohstoffbranchen, die über überschüssige Kapazitäten verfügen, blockieren werde. Das Wachstum der sechstgrößten Volkswirtschaft wird sich 2004 auf sieben Prozent verlangsamen, erwartet Ministerpräsident Wen Jiabao. 2003 hatte es mit 9,1 Prozent ein Sechsjahreshoch erreicht. Vor dem Parlament sagte Wen, China plane Anleihen im Volumen von 110 Millairden Yuan (10,8 Milliarden Euro) zu begeben, um Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren, etwa ein Fünftel weniger als 2003.

Zahlreiche Börsengänge saugen Liquidität auf

Investoren wie Alex Muromcew, Vermögensverwalter bei Loomis Sayles & Co. in San Francisco, zeigten sich besorgt wegen des Umfanges der geplanten Privatisierungen. Die Börsengänge im Volumen von insgesamt 15 Milliarden Dollar entsprechen etwa 30 Prozent des Marktwertes aller H-Aktien. „Das ist der klassische Fall, wo zu viel auf den Markt geworfen wird und dieser einfach unter der Last zusammenbricht", so Muromcew. Letzte Woche spülte der Börsengang von Semiconductor Manufacturing International Corp. 1,8 Milliarden Dollar in die Kasse des Chipherstellers.

Auch die Diskussion um die Anbindung des Yuan an den Dollar sorgt für Unruhe bei den Investoren. Länder wie Amerika und Japan hatten eine Aufhebung der Bindung gefordert. „Es ist durchaus möglich, dass die chinesische Regierung die Anbindung auf einen Korb von Währungen verlagert", erläuterte Wan von Fortis. „Das haben wir berücksichtigt, als wir entschieden, welche Aktien wir kaufen sollen."

Doch selbst wenn die Anbindung bestehen bleibt, scheuen sich einige Investoren nach der Kurskorrektur einzusteigen, nachdem die Kurse im letzten Jahr im letzten Jahr so steil nach oben gegangen sind. „Solche brandheißen Gebiete haben die Angewohnheit schnell zu erkalten", konstatierte James Moffett, Vermögensverwalter bei UMB Bank NA in Kansas City.

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