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Sonntag, 19. Februar 2012
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Aktienmärkte Kursverluste setzen sich in Tokio fort

30.09.2008 ·  Die Finanzkrise nimmt immer dramatischere Züge an. Die Wall Street verbuchte massive Kursverluste, nachdem das Rettungspaket für die Banken im Repräsentantenhaus gescheitert war. Der S&P 500 verlor mehr als 8,5 Prozent. Der Ausverkauf setzt sich am Morgen an der Börse Tokio fort.

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Die Finanzkrise nimmt immer dramatischere Züge an und reißt immer mehr Aktienmärkte mit nach unten. Nach den historischen Vortagesverlusten an der Wall Street ist auch Asiens Leitbörse in Tokio in den Abwärtssog geraten. Der 225 führende Werte umfassende Aktienindex Nikkei stürzte am Dienstagmorgen um 4,1 Prozent und schloss bei 11.260 Punkten. Der breit gefasste Index Topix fiel um 3,6 Prozent auf 1087 Punkte. In Südkorea verlor der Kospi, der Leitindex der Börse Seoul, sogar 8,3 Prozent.

Nach dem Scheitern des Rettungspakets für die amerikanischen Banken im Repräsentantenhaus (Repräsentantenhaus lehnt Rettungsplan ab) hatte der amerikanische Leitindex Dow Jones am Montag den höchsten Tagesverlust seiner Geschichte erlitten: Er stürzte um 777 Punkte. Angesichts der dramatischen Lage auf den Finanzmärkten stellte die japanische Zentralbank dem Bankensystem am Dienstag erneut zusätzliche Liquidität zur Verfügung.

Japanische Notenbank pumpt Geld in den Markt

Die Bank of Japan pumpte in der dritten Woche in Folge 2 Billionen Yen (13 Milliarden Euro) in den Markt, um für Stabilität zu sorgen. Dieser Schritt war notwendig, weil die Finanzkrise von einer allgemeinen Vertrauenskrise zwischen den Banken gekennzeichnet ist und auch Japans Banken zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Der Kurs des Euro ist am Dienstag angesichts der andauernden Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der internationalen Finanzmarktkrise weiter gesunken. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,4380 Dollar, nachdem sie am Vorabend noch über 1,44 Dollar notiert hatte.

Die amerikanischen Aktienmärkte waren aufgrund der schwachen internationalen Vorgaben schon mit hohen Kursverlusten in den Handel gestartet. Am frühen Nachmittag jedoch brach der Markt völlig ein.
Der Dow Jones Industrial Index ging mit einem Minus von 6,98 Prozent bei 10.365 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 verlor unter dem Gewicht der extrem schwachen Finanzwerte sogar 8,77 Prozent auf 1106 Punkte, der Nasdaq Composite gab 9,14 Prozent nach.

Volatilität so hoch wie nie zuvor

Der Volatilitätsindex VIX ist im Tagesverlauf auf bis zu 48,4 Prozent geklettert. Dies ist der höchste Wert, der jemals erreicht wurde. Er liegt sogar über dem Niveau des Jahres 2002, als die Anleger wenige Monate vor dem Erreichen des damaligen Zwischentiefs extrem nervös geworden waren. Auch der so genannte TED-Spread, der die mangelnde Liquidität im Interbankenmarkt zeigt, erreicht einen neuen Rekord.

Auslöser des Kurssturzes war das überraschende Aus im Repräsentantenhaus für den mühsam ausgehandelten Rettungsplan zugunsten der Finanzbranche. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Scheiterns war es an der Wall Street zu einem regelrechten Ausverkauf gekommen. Die Anleger flüchteten in den sicheren Hafen der Staatsanleihen und ließen den Dow Jones in Punkten sogar stärker stürzen als nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Flucht in Staatsanleihen

In einer Abstimmung im amerikanischen Abgeordnetenhaus lehnten 228 Parlamentarier das 700 Milliarden Dollar schwere Paket ab. Lediglich 205 stimmten zu. Vor allem Republikaner, die staatliche Eingriffe grundsätzlich ablehnen, votierten gegen das Programm, auf das führende Demokraten und Republikaner sich erst nach Marathon-Sitzungen am Sonntag geeinigt hatten. Der amerikanische Präsident George W. Bush kündigte unterdessen weitere Initiativen an.

Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen haben am Montag im späten Handel stark zugelegt, nachdem der mühsam ausgehandelte Kompromiss über den Rettungsplan für die amerikanische Finanzbranche gescheitert war (Staatsanleihen schlagen die meisten Börsen). Teilweise schossen die Notierungen um mehr als vier Punkte nach oben. Viele Anleger hätten die Abstimmung im Repräsentantenhaus live im Fernsehen verfolgt, sagten Händler. Als sich ein Scheitern abgezeichnet habe, seien viele Investoren geradezu aus dem Aktienmarkt in den als sicher geltenden Hafen der Staatsanleihen geflüchtet, hieß es. Die Anleger fürchteten, dass das Finanzsystem nun noch stärker unter der Last der faulen Kredite leiden werde.

Der Dax verlor mehr als vier Prozent

Sorgen über die Situation der europäischen Finanzbranche haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt erneut auf Talfahrt geschickt. Gleich mehrere Banken in Europa müssen durch milliardenschwere Rettungsaktionen vor Zusammenbrüchen bewahrt werden, wodurch das viel diskutierte Rettungspaket der amerikanischen Regierung für den amerikanischen Finanzsektor in den Hintergrund rückte.

Der Leitindex Dax verlor am Montagabend mehr als 250 Punkte oder 4,23 Prozent auf 5807 Zähler. Damit schloss er auf dem tiefsten Stand seit etwas mehr als zwei Jahren. Der M-Dax ging mit einem Minus von 6,37 Prozent auf 6820,42 Zähler aus dem Tag. Der Tec-Dax fiel um 6,86 Prozent auf 675,48 Zähler.

„Es macht sich Panik breit“

Neben der Hypo Real Estate (HRE) (Milliarden-Bürgschaft für Hypo Real Estate: Bund und Banken retten Dax-Konzern vor dem Aus) benötigt auch der schwer angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis zum Überleben Hilfe und wird teilweise verstaatlicht - das gleiche gilt für die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley. „An der Börse hat sich Panik breit gemacht“, sagte Marktstratege Heino Ruland von Frankfurt Finanz Partner. Die Investoren bekämen es nun richtig mit der Angst zu tun, nachdem sich in der vergangenen Woche noch vereinzelt Zuversicht gezeigt habe. „Das ist ein Umfeld, in dem sich keiner positionieren kann, weil alles in Frage gestellt wird“, sagte der Experte. „Das sind die finalen Auswirkungen der Finanzkrise in dem Sinne, dass wir jetzt sehen werden, wer zusammenbricht und wer nicht.

Die HRE-Aktien brachen um 73,91 Prozent auf 3,52 Euro ein. Um den Kollaps des Immobilien- und Staatsfinanzierers zu verhindern, musste dieser von einem Bankenkonsortium finanziell aufgefangen werden. Außerdem erklärte sich die Bundesregierung bereit, das Engagement der Banken mit einer Staatsgarantie abzusichern.

Ausverkauf bei den Finanzwerten

Andere Bankenwerte wurden ebenfalls „regelrecht ausverkauft“, wie Händler sagten. Commerzbank rutschten im Sog der Negativschlagzeilen um 241 Prozent auf 10,95 Euro ab (Commerzbank in Sippenhaft mit Hypo Real Estate). Die Postbank-Titel büßten 23,88 Prozent auf 26,94 Euro ein. Die im M-Dax notierten Titel der Aareal Bank brachen um 42,53 Prozent auf 7,27 Euro ein. „Niemand schenkt den Aussagen einer Bank derzeit Glauben - hier wird die ganze Branche gnadenlos abgestraft“, sagte ein Händler. „Bei der Commerzbank sehen Anleger über die Tochter Eurohypo Verbindungen zum Geschäft mit der HRE“, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck.

„Das Erschreckende ist, dass man den Banken nichts mehr glauben kann“, fasste ein Händler die Stimmung am Markt zusammen.

Der Tag in der Finanzkrise auf einen Blick

Die Finanzmarktkrise ist mit voller Wucht nach Europa übergeschwappt. Am Montag musste der deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) von Branche und Bundesregierung gerettet werden, auch zwei andere wankende europäische Kreditinstitute wurden vom Staat aufgefangen.

HYPO REAL ESTATE: Der Spezialist für die Finanzierung gewerblicher Immobilien wird mit bis zu 35 Milliarden Euro gerettet. Der Bund sichert mit einer Bürgschaft von 35 Milliarden Euro die Kredite der Banken für HRE ab. Auslöser für die Schieflage war ein Liquiditätsengpass bei der Tochter Depfa.

FORTIS: Die Regierungen Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs retten den belgisch-niederländischen Bankkonzern mit insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Dafür bekommen sie jeweils 49 Prozent an drei regionalen Bankzweigen. Fortis hat unter anderem die teuren Übernahme von Teilen des Konkurrenten ABN Amro nicht verdauen können.

BRADFORD & BINGLEY: Der britische Baufinanzierer wird verstaatlicht und zerschlagen. Der Steuerzahler steht für Hypotheken und Kredite in Höhe von 63 Milliarden Euro gerade. Die Spareinlagen und das Filialnetz von Großbritanniens achtgrößter Bank werden für rund 770 Millionen Euro von der spanischen Bank Santander übernommen.

WACHOVIA: Die viertgrößte amerikanische Bank gibt den Großteil ihres Geschäfts an den Konkurrenten Citigroup ab. Citi zahlt gut zwei Milliarden Dollar in Aktien und übernimmt einen Schuldenberg von mehr als 53 Milliarden Dollar (37 Milliarden Euro). Wachovia war nach einem Rekordminus und einem Kurssturz an der Börse immer stärker unter Druck geraten. (dpa)

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Quelle: hlr./cri.
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