15.09.2006 · An den Börsen bleiben BRIC und Konvergenz beliebte Anlageideen. Dabei erweisen sich kleine Exoten, die sonst im Schatten der großen Länder bleiben, oft als rentabler. So schlägt Peru seit Jahresbeginn Brasilien.
Die Anleger setzen auch in diesem Jahr auf die Gewinner der Globalisierung. Nach fast drei Vierteln des Anlagejahres 2006 liegen viele Aktienindizes der Schwellenländer vor den Börsenbarometern der Industrieländer. Trotz der scharfen Korrektur im Mai, während derer zum Beispiel der russische RTS um bis zu 40 und der indische Aktienmarkt um 30 Prozent fielen, liegen Rußland und Indien auf Jahressicht in der Spitzengruppe.
Das Anlagethema hinter dem Namen "BRIC", der für die Länder Brasilien, Rußland, Indien und China steht, bleibt offenbar aktuell. Dabei sind Rußland und Brasilien wegen der weltweit hohen Nachfrage nach Rohstoffen wie Öl, Kakao oder Biosprit im Fokus. Die beiden Länder profitieren von den gestiegenen Preisen für Rohstoffe, die von Industrieunternehmen zur Produktion benötigt werden. Indien dagegen steht für den Aufbau von Infrastruktur und die Auslagerung von Softwareentwicklung zu günstigen Löhnen.
Beste Wertentwicklung bei kleineren Exoten
Auch China profitiert von den niedrigen Löhnen und wird als verlängerte Werkbank von Industrieunternehmen aus Europa und Amerika benutzt. Viele Vermögensverwalter setzen auf BRIC, da sich über diese vier Länder viele Globalisierungsgewinner abdecken lassen. HSBC und DWS haben schwergewichtige BRIC-Fonds aufgelegt, die ein Fondsvermögen von 4 beziehungsweise 2 Milliarden Euro aufweisen. Somit fließt durch das eingängige BRIC-Konzept fortlaufend Geld in Anlageprodukte, die die Hausse in den vier Ländern weiter treiben.
Ein Blick auf die Ausreißer dieses Jahres zeigt indes, daß nicht die BRIC-Staaten die beste Wertentwicklung aufweisen, sondern Länder, die zwar ein ähnliches Profil haben, aber sonst eher im Schatten der vier großen stehen. So liegt zum Beispiel Peru vor Brasilien. In den vergangenen fünf Jahren sind die Kurse an der Börse in Lima sogar um 650 Prozent gestiegen. Getrieben vom Export, zu dem mit 60 Prozent vor allem die Minengesellschaften beitragen, wird die peruanische Wirtschaft nach Schätzungen der Credit Suisse in diesem Jahr um 6,4 Prozent wachsen. Ein anderes Beispiel findet sich in Asien. Zwar ist der chinesische Aktienmarkt auch in diesem Jahr sehr gut gelaufen; doch sind die Anleger offenbar stärker auch auf den deutlich kleineren Aktienmarkt in Vietnam ausgewichen.
Im Euro-Raum bietet Spanien höchste Gewinne
Daß die Anleger zwar auf dieselbe Anlageidee, aber auf neue Länder setzen, läßt sich auch in Osteuropa beobachten. Hier ist das Thema seit dem Zusammenbruch des Kommunismus die Annäherung an die Europäische Union. Von dieser Idee der Konvergenz hat zunächst Wien als etablierter westeuropäischer Markt profitiert, denn die österreichischen Unternehmen haben konsequent die Chancen genutzt, die sich im ehemaligen Ostblock boten. Die jahrelang deutlich überdurchschnittliche Wertentwicklung des österreichischen ATX geht in diesem Jahr offenbar zu Ende.
Auch unter den Ländern, die schon der EU beigetreten sind, trennt sich die Spreu vom Weizen. Ungarn und Tschechien sind 2006 nicht mehr besser als die etablierten Aktienindizes in Europa, der polnische WIG dagegen schon. Das große Geld hat sich in den Ländern verdienen lassen, die bald der EU beitreten könnten. So weisen die Aktienmärkte in Bulgarien und Rumänien, aber vor allem in Kroatien in diesem Jahr hohe Wertzuwächse auf. Im Euro-Raum sind die Gewinne in Spanien am höchsten. Der spanische Ibex erreichte am Donnerstag gar ein neues Jahreshoch.
Schwache Währungen verschärfen Enttäuschungen
Nicht zu unterschätzen sind bei dieser Betrachtung die deutlich höheren Schwankungen, die es an den weniger etablierten Märkten gibt. Hinzu kommt das Währungsrisiko. Dabei zeigt sich, daß die Währungen von Ländern wie Türkei, Ungarn und Südafrika, die ein Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit aufweisen, unter Abgabedruck stehen. Damit weiten sich zum Beispiel für einen in Euro rechnenden Anleger die Verluste in der Türkei aus. Inklusive der Währungseinbußen der türkischen Lira liegt ein Euro-Anleger, der zum Jahresbeginn in den dortigen Aktienindex ISE 100 investiert hat, mit 15 Prozent im Minus - ein Einheimischer nur mit 5 Prozent.
Dagegen fällt in Kroatien oder Rumänien dank Währungsgewinnen die Bilanz für Euro-Anleger besser aus als für Einheimische. Auch ein in Dollar rechnender Amerikaner hat dank der Währungsgewinne des Euro zum Dollar in Westeuropa bislang gut verdient. Sein Plus im Deutschen Aktienindex Dax beträgt nicht 9 Prozent wie für Europäer, sondern 17 Prozent. Die enttäuschende Wertentwicklung etablierter asiatischer Aktienmärkte wie Japan oder Südkorea wird dagegen für Ausländer durch schwache heimische Währung noch verschärft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,63 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |