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Aktienmärkte Der lohnende Blick in die Ferne

02.07.2009 ·  Mit Mut zum Risiko konnten Anleger ihr Geld im ersten Halbjahr verdoppeln, aber auch um ein Viertel mindern. Am meisten brachten 100.000 Euro an den Börsen der Schwellenländer ein.

Von Kerstin Papon
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Für europäische Anleger hätte sich in diesem Jahr der Blick in fremde Länder durchaus gelohnt. Denn hierzulande war an den Aktienmärkten - zumindest per saldo - vergleichsweise wenig los. Der Dax liegt in etwa auf demselben Niveau wie zu Jahresbeginn. Immerhin hat er sich von seinem Jahrestief auch wieder um mehr als ein Drittel erholt. Im ersten Halbjahr besonders gut geschlagen hat sich allerdings die Börse in Peru. Hätte ein Investor dort zu Jahresbeginn 100.000 Euro investiert, so hätte er nun knapp 192.000 Euro und damit seinen Einsatz fast verdoppelt.

Generell dominieren die Schwellenländerbörsen die Bestenliste zur Jahresmitte. Nachdem viele Investoren im vergangenen Jahr im Zuge der wachsenden Risikoscheu den sogenannten Emerging Marktes mehr und mehr den Rücken gekehrt hatten, kamen die Anleger in diesem Jahr mit der wieder höheren Zuversicht scharenweise zurück. Unter den zehn besten Aktienbörsen auf der ganzen Welt sind dabei auch die großen und schon etwas etablierteren Schwellenländer - Brasilien, China, Russland und Indien - zu finden, die sogenannten Bric-Staaten.

Mut zum Risiko

Natürlich hat sich der Mut zum Risiko in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für europäische Investoren nicht immer ausgezahlt. Besonders schlecht wäre es für Anleger gelaufen, wenn sie ihr Geld an der Börse im afrikanischen Nigeria angelegt hätten. Fast ein Viertel davon wäre nun verloren. Hier sorgten fortgesetzte Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Rebellen für Unruhen und wiederholte Unterbrechungen der Ölförderung, was auch den Aktienmarkt des Landes belastete. Immerhin ist Nigeria neben Algerien das wichtigste Förderland Afrikas und zudem einer der größten Ölexporteure der Welt.

In Europa ist das Bild zum Ende des ersten Halbjahres gemischt. Am besten lief es für die norwegische Börse. Das hat seinen Grund vor allem in dem wieder gestiegenen Preis für Rohöl. Denn der Auswahlindex OBX ist sehr öllastig. Die Hälfte der in diesem Börsenbarometer enthaltenen 25 Unternehmen kommen aus der Ölindustrie - darunter zwei Förderkonzerne und zehn Servicegesellschaften.

Blick über die Ozeane

Am schlechtesten lief es dagegen auf dem europäischen Kontinent für den Schweizer Aktienmarkt. Hier belastete die fortgesetzte Schwäche des Schweizer Franken zum Euro die Indexentwicklung aus europäischer Sicht. Wie groß der Einfluss der Währungen ist, zeigt sich auch beim Blick über die Ozeane. Für den amerikanischen Standardwerteindex Dow Jones wird die ohnehin negative Halbjahresbilanz durch den schwächeren Dollar aus hiesiger Sicht noch ein wenig schlechter. Für japanische Aktien vermindert der zum Euro unter Druck stehende Yen die Kursaufschläge.

Aktien waren im ersten Halbjahr die einträglichste Anlageklasse. Aber auch Investments in Währungen wie den südafrikanischen Rand hätten Anlegern - ohne die Gebühren der entsprechenden Produkte wie beispielsweise Zertifikate - ein Plus von rund 23 Prozent eingebracht. Südafrikas Währung ist im Vergleich zum Euro die beste unter den großen Währungen. Anlagen in den brasilianischen Real hätten Investoren immerhin noch ein Plus von 18 Prozent beschert.

Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage

Rohstoffe insgesamt profitierten von der Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Der breite CRB-Rohstoffindex hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 8 Prozent zugelegt. Einem Ölinvestor hätte das erste Halbjahr dagegen einen Ertrag von rund 50 Prozent gebracht. Unter den Edelmetallen rangiert Gold an letzter Stelle. Auch dies verdeutlicht die wieder schwindende Risikoscheu der Anleger. Gilt doch gerade das gelbe Edelmetall in Krisenzeiten als der sichere Hafen schlechthin. Für Silber und Palladium hingegen gab es deutliche Preisaufschläge. Ihre Notierungen waren allerdings zuvor auch stärker unter Druck geraten.

Besonders schlecht sieht es für Investoren im Zinsbereich aus. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise und der deswegen expansiven Geldpolitik wurden die Leitzinsen auf der ganzen Welt immer weiter gesenkt. Teilweise liegen sie so tief wie nie zuvor. Dies wiederum hat die Kurse der Anleihen gedrückt.

Zinssatz ist konstant geblieben

Aber auch für ihre Bankeinlagen bekommen Anleger immer weniger. „Noch zu Jahresbeginn lag eines der besten Angebote im Tagesgeldbereich bei 5,25 Prozent, nun sind es gerade einmal 3 Prozent“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Vergleichsweise gut stünden dagegen noch die Anleger da, die ihr Geld zu Jahresbeginn in ein Festgeld mit sechsmonatiger Laufzeit angelegt hätten. Hier ist der Zinssatz konstant geblieben.

Natürlich treffe diese Anleger nun das niedrigere Zinsniveau bei der Wiederanlage genauso wie andere Investoren, sagt Herbst. Aktuell bekämen sie für ein Festgeld im Durchschnitt 1,55 Prozent für die nächsten sechs Monate. In der Spitze seien es 3 Prozent bei der niederländischen Bank NIBC. Die Einlagen seien hier jeweils bis zu 100.000 Euro durch den niederländischen Staat garantiert.

Bei Tagesgeld kann sich dagegen der Zinssatz, wie der Name schon sagt - zumindest theoretisch -, täglich ändern. Die Einlagen sind dafür anders als bei einem Festgeld allerdings auch täglich verfügbar. Gute Nachrichten gibt es aber nicht nur für das traditionelle Zinsschlusslicht, das Sparbuch. Immerhin schmälert die im Euro-Raum derzeit um Null pendelnde Inflationsrate den dort ohnehin geringen Ertrag nicht noch mehr.

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