26.05.2009 · Seit Anfang März ist der Dax um 35 Prozent gestiegen. Viele Aktienstrategen rechnen nun jedoch mit einer Korrektur. „Die Börse hat eine schnelle Erholung eingepreist. Das war zu viel des Guten“, heißt es beispielsweise.
Seit seinem Jahrestief Anfang März hat sich der Dax um 35 Prozent erholt und in der vergangenen Woche sogar mehrfach die Marke von 5.000 Punkten überschritten. Zum Wochenanfang zeigte sich der Index jedoch unentschlossen und schloss knapp über 4.900 Punkten - ein Bild, das zu der skeptischen Einschätzung vieler Aktienstrategen passt.
In den vergangenen Tagen wurden immer mehr Stimmen laut, die das Aufwärtspotential des Dax für begrenzt halten. „Zwar steigt der Markt, aber die Anstiege werden von einer gehörigen Portion Skepsis begleitet“, skizziert Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Landesbank Hessen-Thüringen, die aktuelle Situation. Wenn auch die Jahresendprognosen der Banken deutlich voneinander abweichen - kurzfristig rechnen die meisten mit einer Korrektur.
Erholung schon in den Kursen eskomptiert?
So geht die DZ Bank zwar davon aus, dass der Leitindex innerhalb eines Jahres auf 5.500 Punkte steigen wird. Auf Sicht von sechs Monaten sollte der Dax jedoch noch einmal auf 4.500 Punkte fallen. „Wir sind der Meinung, dass die sich bei den Frühindikatoren abzeichnende Erholung schon in erheblichem Maße in den Kursen eskomptiert ist“, heißt es bei der DZ Bank. Langfristig würden jedoch die hohen Bargeldbestände dies- und jenseits des Atlantiks für steigende Kurse sprechen. Die größten Pessimisten finden sich im Moment wohl bei der Deutschen Bank. Die Rally der vergangenen Wochen halten die Aktienstrategen nicht für gerechtfertigt. „Die Börse hat eine schnelle und starke Erholung eingepreist. Das war zu viel des Guten“, sagt Stefan Bielmeier, Aktienanalyst der Deutschen Bank. Auch wenn sich der Rückgang des Bruttoninlandsprodukts verlangsame, werde sich die Konjunktur seiner Ansicht nach nicht so schnell erholen, wie vom Markt erwartet. Die Tendenz der Frühindikatoren sei zu optimistisch und werde sich in den Fundamentaldaten der zweiten Jahreshälfte wohl kaum widerspiegeln. Deswegen rechnet Bielmeier auch mit einer deutlichen Korrektur und sieht den Dax zum Jahresende bei nur noch 4.000 Punkten.
Auch Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg ist eher pessimistisch. „Die Kursgewinne der vergangenen Wochen waren überzogen“, ist der Aktienstratege überzeugt. Zwar hätten diverse Frühindikatoren die Hoffnung verbreitet, dass die Talsohle durchschritten sei. Im Zweifelsfall fiele die konjunkturelle Erholung aber doch nicht so stark aus wie erwartet. „Die Zahlen des zweiten Quartals, die ab Mitte Juli veröffentlicht werden, bergen viel Enttäuschungspotential“, so Köhler. Dann könnte der Dax auch durchaus noch einmal auf 4.000 Punkte heruntergehen. Zum Jahresende rechnet die LBBW mit einem Kursniveau des Leitindex von 4.500 Punkten. Köhler spricht von einer „Erwartungsblase“, die sich gebildet haben könnte. Als Beispiel nennt der Aktienstratege den am Montag veröffentlichten Ifo-Index: „Man ist zwar verhalten optimistisch für die Zukunft. Die gegenwärtige Situation wird jedoch schlechter bewertet als in der letzten Umfrage.“
Unternehmen müssen restrukturieren
Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank, hält eine Korrektur von bis zu 10 Prozent in naher Zukunft für wahrscheinlich. Grundsätzlich werde sich der Markt jetzt erst einmal seitwärts bewegen. „Wir haben eine Erholung von 35 Prozent gesehen. Das geht nicht so weiter“, sagt Wallner. Allerdings würden auch die Tiefstkurse nicht mehr unterschritten. Weiteres Aufwärtspotential sieht Wallner, dessen Jahresendprognose bei 5.500 Punkten liegt, erst in der zweiten Jahreshälfte. Seinen Optimismus schöpft er jedoch weniger aus dem Glauben an eine Konjunkturerholung, sondern aus Restrukturierungen der Unternehmen. „Da die Umsätze vorerst nicht steigen werden, müssen die Unternehmen restrukturieren, um ihre Margen wieder steigern zu können.“
Es gibt aber durchaus auch ein paar Bullen unter den Aktienstrategen, die der Meinung sind, die positiven Frühindikatoren würden sich in der zweiten Jahreshälfte auch in steigenden Unternehmensgewinnen und steigenden Kursen niederschlagen. „Der Markt hat im ersten Quartal ein fast schon depressives Szenario gespielt und schon viel Negatives eingepreist“, sagt Reinwand von der Helaba. In der zweiten Jahreshälfte würden die Konjunkturprogramme sowie die expansive Geldpolitik ihre Wirkung zeigen und die Kurse beflügeln - bis zu einem Dax-Stand bei 5.800 Punkten am Jahresende. Kurzfristig hält jedoch auch Reinwand eine Korrektur von 5 bis 10 Prozent für wahrscheinlich. Auch Matthias Jörss, Aktienstratege des Bankhauses Sal. Oppenheim, sieht den Dax zum Ende des zweiten Quartals oberhalb des aktuellen Niveaus bei 5.200 bis 5.500 Punkten. Bis dahin sei der Weg jedoch erst einmal steinig. "Im Moment glauben wir nicht, dass der Markt vorankommt", sagt Jörss.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |