Die Aktienmärkte haussieren. Der Dax hat am Freitag über weite Strecken des Handels mehr als 7000 Punkte aufgewiesen - ein Wert, den er am Vortag schon kurz touchiert hatte. Am Freitag stieg der Dax dann bis auf 7032 Punkte und näherte sich damit seinem Mitte März verzeichneten Jahreshoch von 7194 Punkten weiter an. Der M-Dax der 50 größten deutschen Aktiengesellschaften nach den 30 Dax-Werten kletterte am Freitag sogar auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.
Analysten begleiten die Aktienhausse mit Skepsis. „Die Aufwärtsbewegung bewegt sich auf dünnem Eis“, heißt es von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Andreas Hürkamp von der Commerzbank, der auch während der tiefen Verluste im April und Mai, die den Dax bis auf 5914 Punkte zurück geworfen haben, an seinem Ziel von 7200 Dax-Punkten bis Jahresende festgehalten hat, will nun das Ziel nicht aufstocken. Und auch die DZ Bank hält an ihrer vorsichtigen Prognose von 6600 Dax-Punkten am Jahresende und 6800 Punkten Mitte kommenden Jahres fest.
EZB als Hauptgrund für Aktienhausse
Im wesentlichen vermissen die Analysten positive Überraschungen in der weitgehend abgeschlossenen Berichterstattung der Unternehmen über das zweite Quartal. „Viele Unternehmen berichteten von einem zurückhaltenden Orderverhalten ihrer Kunden sowohl im Inland als auch im Ausland“, stellt die LBBW fest und moniert: „Die etwas vorsichtigeren Ausblicke haben bisher nur zu einer leichten Senkung der Gewinnschätzungen durch Analysten geführt.“
Die DZ Bank sieht das ähnlich kritisch: „Die Gewinnprognosen für 2013 sind angesichts der spürbar abkühlenden konjunkturellen Dynamik zu optimistisch.“ Bislang schätzen Analysten im Durchschnitt, dass die 30 Dax-Unternehmen im Jahr 2013 ihre Gewinne nochmals um fast 11 Prozent steigern können. Derzeit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne für 2011 im Dax bei 11 - ein historisch eher niedriger, aber nicht sehr niedriger Wert.
Da die Unternehmensberichte eher enttäuschen, gilt als Hauptgrund der Aktienhausse die Europäische Zentralbank (EZB). Deren Präsident Mario Draghi hatte Anfang August gesagt, die EZB werde alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten. „Diese verbale Intervention zeigt Wirkung“, sagt Carsten Klude von M.M. Warburg. Seit Anfang August habe das Risiko abgenommen, dass es zu einer kurzfristigen Verschärfung der Schuldenkrise komme, die den Fortbestand der Währungsunion gefährde. Die EZB könnte künftig Rettungsaktionen flankieren und würde die Schuldenkrise noch aktiver bekämpfen. „Daher spricht viel dafür, dass die Länderrisikoprämien für Spanien und Italien abnehmen“, sagt Klude.
Tatsächlich haben die italienischen und spanischen Aktienmärkte seit Anfang August stärker haussiert als der deutsche. Während der Dax 3 Prozent zulegte, kletterte der italienische Mib-Index um 9 und der spanische Ibex sogar um 12 Prozent. Anleger hatten den spanischen und den italienischen Aktienmarkt lange gemieden. Seit Jahresanfang liegen die Indizes noch mit 2 Prozent (Mib) und 15 Prozent (Ibex) deutlich im Minus, während der Dax inzwischen ein Jahresplus von 18 Prozent aufweist. Dies spiegele die „klar bessere konjunkturelle Entwicklung Deutschlands“, meint Klude. „In den kommenden Wochen aber könnten die Aktienmärkte Italiens und Spaniens trotz größerer konjunktureller Abwärtsrisiken dennoch eine bessere Wertentwicklung aufweisen als der deutsche Aktienmarkt.“
Hürkamp von der Commerzbank ist die Stimmung der Anleger zu schnell zu euphorisch geworden. Für ein höheres Kursziel als 7200 Dax-Punkte fehlen ihm Hinweise darauf, dass das von der EZB den Banken günstig bereit gestellte Geld bei den Unternehmen als Kredit ankommt. Holger Sandte von West LB meint, die „Draghi-Rally“ brauche für eine Fortsetzung Unterstützung von Politik und Konjunktur. Doch werde es bei „der Politik der zu kleinen Schritte“ bleiben, die Anleger nicht dauerhaft überzeuge.
Sandte sieht viele Störfaktoren für die Aktienmärkte in den kommenden Wochen: „Griechenland wirbt bei seinen Kreditgebern für eine Streckung des Spar- und Reformprogramms bis 2016, was mit einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 20 Milliarden Euro verbunden sein soll“, sagt er. Und ein Hilfsantrag Spaniens an EFSF/ESM sei eher eine Frage der Zeit. Dann werde das Thema einer Vergrößerung des Rettungsschirms akut.
Für US-Investoren scheint der Dax keineswegs teuer.
Hans Edelmann (aktienfluechtling)
- 19.08.2012, 18:19 Uhr
Natürlich kann man sagen: Der DAX steigt, aber man kann auch sagen
der DAX wird von ...
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 19.08.2012, 16:56 Uhr
Analysten sind skeptisch
Marvin Parsons (mapar)
- 18.08.2012, 22:58 Uhr
Draghi produziert mit Merkels stillschweigender Sympathie Euro-Müllhalden
Franz Munte (FranzMunte)
- 18.08.2012, 18:49 Uhr
Indexbetrachtungen sind irreführend ..
Alex Merck (AlexM3)
- 18.08.2012, 14:54 Uhr