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Aktienhandel Auch die Insider halten sich mit Aktienkäufen zurück

12.02.2010 ·  Auch Insider in europäischen Unternehmen kaufen derzeit kaum mehr Aktien als sie verkaufen. Das ist deshalb von Interesse, weil diese Gruppe oft antizyklisch agiert und genau dann kauft, wenn die breite Masse aussteigt.

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Die Rally an den Börsen ist zuletzt bekanntlich ins Stocken geraten und in diesem Jahr gibt es an den meisten größeren Aktienmärkten sogar Verluste zu beklagen. Interessant an dieser Entwicklung ist, dass sich auch die Insider in den europäischen Unternehmen weitgehend zurückhalten. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil diese Gruppe oft antizyklisch agiert und genau dann kauft, wenn die breite Masse der Anleger aussteigt.

Doch laut den im European Directors' Dealings Report von der Deutsche Börse Market Data & Analytics und 2iQ Research vorgelegten Zahlen sind Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Aktiengesellschaften und ihre jeweiligen Angehörigen in diesem Januar deutlich vorsichtiger als im vergangenen. Sie kaufen nur unwesentlich mehr als sie verkaufen: Die Buy /Sell Ratio beträgt 0,5 in 2010 im Vergleich zu 4,13 im Januar 2009. Im Hinblick auf die Entwicklungen der vergangenen Monate bewegen sich die Insider gegenwärtig im neutralen Bereich.

Starke Käufe bei der Proton Bank und Harvest Asa, Verkäufe bei Sonova

Zum Grundverständnis: Die Buy/Sell-Ratio misst das Verhältnis von Insiderkaufvolumen zum Insiderverkaufsvolumen. Für Europa bedeuten Werte von 1,0 und höher ein relativ optimistisches Sentiment der Insider, fällt die Ration unter 0,3 sind die Insider pessimistisch eingestellt.

Unter den Einzelwerten fällt auf, dass bei der griechischen Proton Bank der neue Chairman mit einer großen Block-Transaktion (fast 30 Prozent) eingekauft und dafür die Anteile der Piräus Bank abgekauft hat. Auch bei dem norwegischen Nahrungsmittelkonzern Marine Harvest Asa wurden große Käufe durch den Chairman beobachtet. Verkäufe in größerem Umfang waren dagegen beim Schweizer Hörgeräte-Hersteller Sonova zu beobachten.

Beobachtet werden die Geschäfte von Insidern von Unternehmen wie 2iQ Research, weil manche Marktteilnehmer davon überzeugt sind, dass Käufe und Verkäufe von Anlegern mit intimen Einblicken in die Firmen vergleichsweise gute Entscheidungen treffen. Das Verfolgen dieser Aktivitäten ist inzwischen auch viel einfacher geworden. Denn seit Januar 2003 sind die Geschäfte von Insidern mit Wertpapieren des eigenen Unternehmens EU-weit innerhalb einer Frist von fünf Tagen meldepflichtig.

Experten streiten sich um die Aussagekraft der Insider-Aktivitäten

Die Anhänger dieser Anlagetheorie verweisen auf Studien, die das Zutreffen der Grundthese belegen. So kam eine Untersuchung von Björn Dymke von der Universität Tübingen zu dem Ergebnis, dass die Kurse der von Insidern gekauften Aktien in den ersten 30 Tagen nach der Veröffentlichung des Geschäfts im Schnitt vier Prozent besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Und auch der Daxplus Directors Dealings Index, der die Wertentwicklung von Unternehmen abbildet, deren Aktien von meldepflichtigen Unternehmensmitarbeitern in den vergangenen 12 Monaten in besonders hohem Maße gekauft wurden, hat sich seit Auflage im Dezember 2008 um knapp 30 Prozent besser entwickelt als der Dax selbst.

Doch es gibt auch Skeptiker, die in Zweifel ziehen, ob Insider wirklich so viel schlauer und besser sind als andere Anleger. Und selbst wenn das der Fall sein sollte, fragen sie sich, wie Anleger aus manchen illiquiden Werten, die nur wenig gehandelt werden und vermutlich auch deshalb stark reagieren, später wieder mit Gewinn herauskommen wollen. Zu diesen Einwänden passt es, dass Zertifikate, die sich Insider-Aktivitäten zu Nutze machen wollen, bisher nicht sehr erfolgreich waren. Das Commerzbank Insider Indexzertifikat (Isin DE000CK15984) hat seit der Einführung im Oktober 2006 beispielsweise sogar schlechter abgeschnitten als der Dax. Das spricht dafür, dass auch das Nachvollziehen von Insider-Transaktionen kein Allheilmittel zum Erfolg an den Börsen ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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