02.09.2009 · Schwache Aussichten für die Autobranche und Ängste vor Risiken in der Finanzbranche haben den Dax am Mittwoch gedrückt. Die leicht positive Entwicklung der amerikanischen Börsen stützten ihn zwar, Börsianer aber sehen die Wall Street richtungslos tendieren.
Schwache Aussichten für die Autobranche und Ängste vor schlummernden Risiken in der Finanzbranche haben Anleger am Aktienmarkt am Mittwoch weiter verunsichert. Der Dax beendete den Handel 0,1 Prozent tiefer bei 5319 Punkten und holte damit einen Großteil seiner Tagesverluste von bis zu 1,2 Prozent wieder auf. Der MDax gab 1,2 Prozent auf 6523 Zähler ab, der TecDax sank um 0,8 Prozent auf 675 Punkte.
Unterstützend wirkte, dass die amerikanischen Börsen bei Handelsschluss in Europa ein leichtes Plus verbuchten. „Das ist aber zufallsbedingt, der Markt ist richtungslos“, sagte ein Börsianer. Gebremst wurden die Aktienmärkte von als enttäuschend interpretierten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Stellen in der Privatwirtschaft der Vereinigten Staaten ist nach Angaben des privaten Dienstleisters ADP im August stärker als von Experten erwartet gesunken. Die ADP-Daten gelten als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht, der für Freitag erwartet wird.
Finanzwerte unbeliebt
Europaweit trennten sich Anleger von Finanzwerten, der europäische Branchenindex gab 1,8 Prozent nach. „Die Ängste, dass eine Bank noch Leichen im Keller hat, kommen wieder hoch“, fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Schon am Dienstag
hatten Spekulationen über neue Problemfälle in der Finanzbranche die Runde gemacht.
„Vor dem Jahrestag der Lehman-Pleite sind die Investoren besonders leicht zu erschrecken, wenn es um Finanztitel geht“, sagte Noritsugu Hirakawa, Aktienstratege bei
Oksasen Securities in Tokio. Im Stoxx50 gehörten die Papiere von Barclays und ING mit einem Minus von bis zu vier Prozent zu den größten Verlierern. Auch Versichereraktien gerieten unter Druck. Im Dax büßten Allianz-Titel knapp zwei Prozent ein, in Zürich Swiss Re 4,8 Prozent und in Paris Axa 2,2 Prozent.
Gegen den Trend waren in Frankfurt die Aktien von Münchener Rück gefragt. Sie gehörten mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Die Analysten der Credit Suisse hatten ihre Anlageempfehlung angehoben und den Aktien starkes
Aufwärtspotential bescheinigt.
Autowerte ebenso
Bei den Autowerten drückte das Auslaufen der Abwrackprämie in Deutschland auf die Stimmung. Daimler und BMW wurden zusätzlich von schwachen amerikanischen Absatzzahlen belastet und büßten je 1,6 Prozent ein. In Paris gaben die Anteilsscheine von Renault und Peugeot bis zu 2,7 Prozent nach.
Hingegen legten die VW-Stammaktien 3,2 Prozent auf 128 Euro zu. Händler sprachen von einer Gegenreaktion, nachdem die Titel am Morgen noch auf ein Zwei-Jahres-Tief gefallen waren. Die Aktien von VW-Großaktionär Porsche schlossen nach anfänglichen Verlusten unverändert bei 49,13 Euro. Nach Angaben des Sportwagenbauers hat das Emirat Katar 10 Prozent der Porsche-Stimmrechte erworben.
Dax-Schlusslicht waren die Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter mit einem Minus von 4,4 Prozent. Belastet wurden die Titel von einem negativen Analystenkommentar. Deutsche Post büßten 3,4 Prozent ein. Kreisen zufolge lotet der Bonner Konzern einen Einstieg bei der niederländischen Versandgruppe Sandd aus.
Nach Bekanntgabe eines großen Ölfundes im Golf von Mexiko gewannen in London BP-Aktien 4,3 Prozent. Dies zog in New York die Papiere des Konkurrenten Conoco-Phillips knapp 1 Prozent mit nach oben.
Wall Street ohne Richtung
Nach den heftigen Verlusten vom Vortag zeigen sich die Notierungen an der Wall Street am Mittwoch richtungslos. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte steht nahezu unverändert bei 9308 Punkten, ebenso der S&P-500 mit 997 Zählern und der Nasdaq Composite bei 1970 Stellen.
Anleger versuchen den Arbeitsmarktdaten positive Seiten abzugewinnen. Dies stelle immerhin eine kleine Bremse für die Löhne dar, sagt ein Teilnehmer. Etwas schwächer als erwartet ist auch der Auftragseingang in der Industrie im Juli ausgefallen.
Auch in Amerika steht der Finanzsektor unter Abgabedruck. So verlieren Citigroup 0,3 Prozent auf 4,53 Dollar, für J.P.Morgan geht es 1,1 Prozent auf 41,22 Dollar nach unten. Im Handel ist von einer zunehmenden Zurückhaltung der Anleger gegenüber dem Sektor die Rede. Dieser sei den fundamentalen Wirtschaftsdaten in seiner Erholung zu weit vorausgeeilt. Die steigenden Insolvenzen dürften die Bankbilanzen in Zukunft noch schwer belasten.
Deutliche Verluste von jeweils mehr als 11 Prozent müssen Fannie Mae und Freddie Mac hinnehmen. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ drängen die Hypothekenbanken in den Vereinigten Staaten den Kongress zu einer Zerschlagung und Privatisierung der staatlich kontrollierten Immobilienfinanzierer.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |