29.10.2009 · Nach verhaltenemen Start wurden amerikanische Wachstumszahlen optimistisch interpretiert und von Anleger zu Aktienkäufen genutzt. Auch Energie- und Rohstoffkontrakte wurden deutlich teurer als am Vortag. Dagegen ist der Dollar wieder schwach.
Das Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zu einer deutlichen Erholungsbewegung verholfen.
Die Mittwochsverluste konnten jedoch nicht wettgemacht werden: Der Leitindex Dax sprang am frühen Nachmittag nach aktuellen amerikanischen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach oben und schloss mit einem Aufschlag von 1,66 Prozent auf 5.587,45 Zählern. Tags zuvor allerdings hatte er 2,5 Prozent eingebüßt. Für den MDax mittelgroßer Werte ging es um 2,82 Prozent auf 6.892,27 Punkte nach oben. Der TecDax verbuchte ein Plus von 2,18 Prozent auf 732,31 Zähler.
Konjunkturprogramme zeigen Wirkung
„Unerwartet starke Zahlen zum amerikanische Wirtschaftswachstum“ hätten für die deutliche Stimmungsaufhellung an den Börsen gesorgt, sagte Marktanalyst Tobias Reichert von IG Markets. „Nach vier negativen Quartalen in Folge könnte dieses Wachstum nun ein Beleg dafür sein, dass die amerikanischen Konjunkturprogramme ihre ersten Früchte tragen.“ Robuste Konsumausgaben und wieder erstarkte Investitionen trugen dazu bei, dass das BIP von Juli bis September um annualisiert 3,5 Prozent stieg und damit Erwartungen von Volkswirten leicht übertraf. Florian Weber, Handelsvorstand bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank, meinte zudem, dass es auch eine Rolle spiele, dass der als schwach geltende Börsenmonat Oktober zu Ende gehe und das Wochenende bevorstehe.
Mit Blick auf deutsche Einzelwerte standen allein fünf Dax- Konzerne mit ihren Quartalsbilanzen im Blick. Nachdem Anleger am Morgen so manche Aktien nach den Zahlen auf Talfahrt schickten, überwog am Nachmittag die Euphorie über die amerikanische Konjunkturdaten und sorgte für Käufe. So wurde bei der Deutschen Bank mit Blick auf die endgültigen Zahlen vor allem der überraschend hohe Zinsüberschuss betont und dass die Ratingagentur S&P ihr positives Kreditrating für den deutschen Branchenprimus bestätigte. Zudem setzten die Kurse der gesamten europäischen Bankenbranche an diesem Tag wieder zur Erholung an, nachdem sie in jüngster Zeit kräftig unter Druck geraten waren. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank profitierten mit plus 5,60 Prozent auf 51,640 Euro.
Die MAN-Aktien zogen insbesondere nach positiven Aussagen zum Auftragseingang deutlich an und schlossen 5,36 Prozent höher bei 57,56 Euro. Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller hatte zudem insgesamt leicht positiv mit seinem Geschäftsbericht zum dritten Jahresviertel überrascht. Bereits am Vorabend nach Börsenschluss hatte Henkel überraschend vorläufige Zahlen vorgelegt, die sichtbar machten, dass der Rückgang im operativen Geschäft abgebremst werden konnte. Die Aktien des Konsumgüterherstellers stiegen daraufhin um 3,34 Prozent auf 31,59 Euro.
Nur unterdurchschnittlich, nämlich um plus 1,14 Prozent auf 37,42 Euro, legten die Titel des weltgrößten Chemieunternehmens BASF zu. Der Konzern bleibt trotz einer Stabilisierung des Geschäfts im dritten Quartal bei seinem düsteren Ausblick. Die Erholung werde nur „langsam und unstetig“ verlaufen, hieß es unter anderem. Ebenfalls wenig optimistisch waren die Aussagen von Europas größtem Autobauer Volkswagen. Für dieses Jahr rechnet der Konzern weiterhin nicht damit, dass Umsatz und Ergebnis des Vorjahres erreicht werden können und auch für 2010 wird keine nachhaltige Belebung der Märkte erwartet. Die im Dax notierten VW-Stammaktien legten um 2,11 Prozent auf 112,48 Euro zu.
Deutsche Anleihen verbuchen deutliche Kursverluste
Die deutschen Staatsanleihen haben am Donnerstag mit kräftigen Kurseinbußen auf das Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten reagiert. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank bis zum Abend um 0,46 Prozent auf 121,11 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 3,326 Prozent. Nach einem zuvor ruhigen Handel waren die Anleihen nach Veröffentlichung der amerikanische Wachstumszahlen für das dritte Quartal stark unter Druck geraten. Mit annualisiert 3,5 Prozent waren die Vereinigten Staaten im dritten Quartal so stark wie seit fast fünf Jahren nicht mehr gewachsen. Nach vier Rückgängen der Wirtschaftsleistung in Folge haben die Vereinigten Staaten damit den Schritt aus der schweren Rezession geschafft. Die Daten hoben die Risikofreude der Investoren und sorgten so für deutliche Kurseinbußen am Rentenmarkt.
Euro deutlich über 1,48 Dollar
Der Euro zieht am Donnerstag im Verlauf des späten Nachmittaghandels kräftig an. Gegen 16.55 Uhr steht die Gemeinschaftswährung bei 1,4816 Dollar nach 1,4750 Dollar am Mittag und einem Tagestief von 1,4683 Dollar am Morgen. Händler verweisen auf das überraschend robuste Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im dritten Quartal, das seit dem Mittag den Euro zum Dollar stützt. Gleichzeitig hat der Yen gegen Euro und Dollar stark abgewertet. Das amerikanische BIP ist im dritten Quartal um 3,5 Prozent gestiegen und hat damit die Konsensprognose von 3,2 Prozent übertroffen. „Die Rechnung: 'Gute amerikanische Konjunkturdaten haben steigende Aktien und einen zum Dollar festen Euro zur Folge' geht wieder einmal auf“, sagt Ralf Umlauf von der Helaba. Mit soliden Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten nehme die Risikoneigung von Investoren tendenziell zu, wovon vor allem der Euro profitiere. „Vermutlich hätte erst bei einem BIP-Wachstum von 5 Prozent oder mehr der Dollar profitiert“, sagt Umlauf. Antje Praefke, Devisenanalystin der Commerzbank, meint, die Korrektur des Euro könnte mit den jüngsten Tiefs unter 1,47 Dollar bereits abgeschlossen sein. Sollten Michigan und Chicago PMI am Freitag sowie die beiden ISM-Indizes in der kommenden Woche wie erwartet moderat positiv ausfallen, könnte der Euro weiter zulegen. „Dann steht ein erneuter Test der Marke von 1,50 Dollar an“, so die Analystin. Auf Widerstände treffe der Euro nun bei 1,4840/50 Dollar und bei 1,4930 Dollar, heißt es von technischen Analysten. Eine Unterstützung sehen sie bei 1,4725 Dollar. Die Feinunze Gold kostete zum Londoner Nachmittag-Fixing 1.040,50 Dollar nach einem Fixing von 1.034,00 Dollar am Vormittag.
Öl kostet wieder über 80 Dollar je Fass
Der Ölpreis hat am Donnerstagabend seine Gewinne ausgebaut und ist wieder über 80 Dollar gestiegen. Das Fass WTI verteuerte sich um bis zu 3,9 Prozent auf 80,46 Dollar, Brent wurde bis zu 3,7 Prozent höher bei 78,63 Dollar gehandelt. Ausgelöst wurde der Preissprung Händlern zufolge von der Rückkehr der amerikanische Wirtschaft auf den Wachstumspfad.
Aktien in Europa schließen fest
Angetrieben von einer Erholung der Finanzwerte und einem überraschend starken amerikanische Wirtschaftswachstum haben die europäischen Börsen am Donnerstag fest geschlossen. Der EuroStoxx 50 stieg um 1,67 Prozent auf 2.824,78 Zähler. In Paris kletterte der CAC-40-Index um 1,37 Prozent auf 3.714,02 Punkte vor. In London ging es für den FTSE 100 um 1,13 Prozent auf 5.137,72 Zähler hoch.
Die amerikanische Wirtschaft ist nach einer Erstschätzung im dritten Quartal stärker gewachsen als von Volkswirten erwartet. „Die amerikanische Behörden haben nun wirklich jedes Mittel ausgepackt um sicherzustellen, dass die Rezession nicht zu einer Depression wird“, sagte ein Marktstratege. Die schnelle Erholung sei positiv für die weltgrößte Volkswirtschaft und somit auch für die Aktienmärkte weltweit. Andere Analysten äußerten sich zurückhaltender. Die Wachstumsrate dürfte für einige Zeit den Höhepunkt bilden, warnte beispielsweise die Postbank. Auch die LBBW blieb mit Blick auf die weitere Entwicklung vorsichtig.
Allen voran erholten sich Finanztitel von ihren teils erheblichen Verlusten seit Wochenbeginn. So stiegen die Titel der Lloyds Banking Group um 7,50 Prozent auf 86,00 Britische Pence. Die britische Bankengruppe Lloyds will eine stärkere Abhängigkeit vom Staat mit einer Kapitalerhöhung vermeiden. Die Gruppe will sich nach Angaben vom Donnerstag bei Investoren bis zu 25 Milliarden Pfund (16,6 Milliarden Euro) beschaffen. Auch Royal Bank of Scotland (RBS) waren mit einem Plus von mehr als neun Prozent stark gefragt. Im EuroStoxx 50 setzten sich die Titel der ING mit Gewinnen von 7,45 Prozent auf 9,173 Euro an die Spitze.
Die Aktien von AXA legten im freundlichen Marktumfeld trotz eines leichten Umsatzrückgangs in den ersten neun Monaten um 1,57 Prozent auf 17,445 Euro zu. Das Geschäftsumfeld bessere sich, hieß es von Europas zweitgrößtem Versicherer. Bei Alstom halbierte sich zwar der Auftragseingang, der Industriekonzern konnte allerdings noch aus vollen Büchern aus Zeiten vor dem Abschwung schöpfen. Die Aktien stiegen um 3,69 Prozent auf 48,525 Euro. France Telecom enttäuschte hingegen die Anleger und sieht auch für das Schlussquartal keine Besserung. Die Titel fielen daraufhin um 1,35 Prozent auf 17,52 Euro.
Weniger glücklich endete der Tag auch für die Aktionäre von Royal Dutch Shell - die A-Aktien verloren nach einem Gewinneinbruch des Ölkonzerns im dritten Quartal 2,88 Prozent auf 1.856,00 Pence. Auch Eni blieben nach Zahlen mit lediglich plus 0,11 Prozent auf 17,58 Euro hinter dem Gesamtmarkt zurück. Hier bemängelten Börsianer ebenso wie beim Konkurrenten den massiven Gewinneinbruch.
In der Schweiz verloren ABB nach einem zurückhaltenden Ausblick und einem enttäuschenden Auftragseingang 2,35 Prozent auf 19,96 Franken. Dramatischer sah es hingegen bei Titeln der Lonza Group aus, die nach einer überraschenden Gewinnwarnung um 25,00 Prozent auf 79,50 Schweizer Franken einbrachen. Analysten sprachen von einem „herben Rückschlag“ für Lonza, auch der Ausblick sei nicht vielversprechend.
In London waren AstraZeneca mit minus 1,33 Prozent auf 2.752,00 Pence unter den schwächsten Werten zu finden. Der britisch-schwedische Pharmakonzern hat zwar sein Gewinnziel erneut erhöht. Allerdings warf die Entdeckung, dass der neue Blutverdünner Brilinta von AstraZeneca in Kombination mit Aspirin weniger effektiv sein könnte, einen Schatten auf die künftigen Aussichten dieses Mittels. Hinzu kam, dass Börsianern zufolge die Umsätze aus dem Schweinegrippe-Impfstoff wahrscheinlich nur einen einmaligen Effekt hätten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |