Die Analyse der Geschäftszahlen der Qiagen, Weltmarktführer hinsichtlich innovativer Technologien und Produkte zur Isolierung und Reinigung von Nukleinsäuren, liefert ein äußerst positives Bild. Insbesondere die Liquiditätssituation, die bereits vielen Unternehmungen des Neuen Marktes existenzielle Probleme bereitet hat, erscheint äußerst stabil.
Die solide finanzwirtschaftliche Verfassung wird durch die erfolgswirtschaftliche Entwicklung positiv unterstrichen. So stammt bei der bereits seit vielen Jahren profitabel arbeitenden Qiagen nahezu das gesamte Jahresergebnis des Geschäftsjahres 2000 (20 Millionen Dollar ) aus dem operativen Bereich, ist demnach frei von Sondereinflüssen. Die resultierende Eigenkapitalrendite von über zwölf Prozent ist angesichts der gleichzeitigen massiven Investitionen in Forschung und Entwicklung (22,2 Millionen Dollar) sowie Akquisitionen (5,4 Millionen Dollar) bemerkenswert.
Marktkapitalisierung von 3,3 Milliarden Dollar
Nach dieser nahezu uneingeschränkt positiven Unternehmungsbeurteilung stellt sich für einen Investor die Frage nach der aktuellen Bewertung der Aktie am Kapitalmarkt. Der Schlusskurs vom 14.6.2001 an der Nasdaq von 23 Dollar entspricht einer Marktkapitalisierung von 3,3 Milliarden Dollar. Fraglich ist, wie ein solches Bewertungsniveau einzuschätzen ist, zumal der Wert von seinen Höchstständen bei 58,50 Dollar im März 2000 weit entfernt ist.
Impliziertes Wachstum von 2.400 Prozent
Legt man beispielsweise die nächsten zehn Jahre als Wachstumsperiode für Qiagen fest und geht anschließend von Stagnation auf diesem dann erreichten Niveau aus, so impliziert der aktuelle Kurs für die nächsten zehn Jahre ein jährliches Gewinnwachstum von 38 Prozent. (Zur Herleitung siehe Link Ertragswertermittlung) Im Jahr 2010 hätte der Nettogewinn dann einen Wert von über 500 Millionen Dollar (aktuell: 20 Millionen Dollar) bei einem proportional steigenden Umsatz von 5,1 Milliarden Dollar (aktuell: 204 Millionen Dollar). Dies bedeutet jeweils eine Steigerung von über 2.400 Prozent!
Wachstum wird bei steigendem Niveau schwieriger
Die Kurschancen der Qiagen als Investment hängt somit entscheidend von der Realisation der bereits im Kurs enthaltenen Wachstumserwartungen ab. Für derartig dynamische Prognosen spricht, dass die Wachstumschancen der Biotechnologie von Experten als enorm eingestuft werden und Qiagen in den letzten Jahren ein durchschnittliches Ergebniswachstum von über 60 Prozent vorweisen kann. Andererseits wird überdurchschnittliches Unternehmungswachstum mit steigendem Niveau immer schwieriger, wie das Beispiel Cisco Systems zeigt.
Nachlassende Dynamik
Der Bericht für das erste Quartal 2001 weist bereits eine deutliche Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit auf, da unter anderen aufgrund der Akquisition der SAWADY-Gruppe (nur noch) ein Anstieg des Nettogewinns von fünf Prozent im Vergleich zum Quartal des Vorjahres zu verzeichnen ist. Die Wachstumsdynamik der Qiagen in den letzten Quartalen ist zudem nicht nur auf internes, sondern auch auf externes Wachstum zurückzuführen. Die realisierten Akquisitionen stellen zwar einerseits eine Stärkung der Unternehmung hinsichtlich der Marktstellung, Produktpalette, Know-how dar, andererseits belasten die nicht zu unterschätzenden Akquisitionskosten das Ergebnis.
Solilde, aber teuer
Festzuhalten bleibt, dass es sich bei Qiagen um ein grundsolides und gleichzeitig dynamisches Unternehmen handelt, sich ein Investor jedoch bei seiner Anlageentscheidung der im Kurs bereits implizit enthaltenen Wachstumsprognosen bewusst sein sollte.
Der Chart zeigt den Kursverlauf von Qiagen an der Nasdaq in den vergangenen drei Jahren