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Aktien So viel Dividende war nie

28.01.2007 ·  Die Dax-Unternehmen schütten dieses Jahr 22 Milliarden Euro aus. Allein damit bescheren sie den Aktionären eine höhere Rendite als Sparbücher. Und Kursgewinne gibt es noch obendrauf.

Von Dyrk Scherff
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Es sind gute Zeiten für Aktionäre. Die Aktienkurse steigen seit Monaten, im vergangenen Jahr hat der Dax um 20 Prozent zugelegt. Jetzt kommt der nächste Anlass zur Freude: üppige Dividenden.

Die ersten Gesellschaften haben gerade an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Im Dax machte Thyssen-Krupp den Anfang, Siemens folgt. Der Rest kommt von April an. Es wird ein Rekordjahr. „Dieses Jahr zahlen die Unternehmen so viel aus wie noch nie“, sagt Roland Ziegler, Stratege bei der BHF-Bank.

Die Analysten erwarten eine Ausschüttung der Dax-Unternehmen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Und da ist die einmalige Sonderdividende von Altana schon herausgerechnet: mehr als vier Milliarden Euro nach dem Verkauf des Pharmageschäfts.

„Bilanzen sind saniert“

Die Summen überraschen nicht. Nach Gewinnsteigerungen von etwa 21 Prozent haben die Dax-Firmen viel Geld in der Kasse. „Das können sie jetzt ausschütten, denn die Unternehmen haben sich entschuldet, ihre Bilanzen sind saniert“, sagt Ziegler.

Gleichzeitig gibt es nicht immer interessante Übernahmeobjekte, in die das Geld fließen könnte. Auch höhere Investitionen kommen beim Anleger oft schlecht an. Das zeigte diese Woche der Softwarehersteller SAP. Sein Investitionsprogramm für die kommenden zwei Jahre, das die Gewinnmarge leicht senken wird, wurde von der Börse mit kräftigen Kursverlusten quittiert.

Dividenden disziplinieren die Manager

Manch ein Manager ist da geneigt, das Geld lieber an die Aktionäre zurückzugeben und dafür Beifall zu bekommen. „Wenige Anleger lassen sich von Investitionen begeistern, die erst in einigen Jahren Gewinn abwerfen. Damit wurden sie schon während der Internetblase Ende der neunziger Jahre enttäuscht“, sagt Bernd Meyer, Aktienstratege der Deutschen Bank. „Zudem ist es angesichts der schon erreichten Profitabilität in den Unternehmen derzeit schwer, mit neuen Investitionen noch rentabler zu werden. Da ist es nicht überraschend, dass das Management im Zweifel lieber dazu tendiert, den Aktienkurs kurzfristig zu steigern.“ Sei es über Aktienrückkäufe oder über Dividenden.

Unabhängig davon bieten die hohen Dividenden für die Anleger einige Vorzüge. Zum einen stellen sie einen kleinen Puffer nach unten dar, wenn der Kurs nachgibt - immerhin machen die Ausschüttungen rund 40 Prozent des Dax-Anstiegs seit 1988 aus. Zum anderen versprechen die Auszahlungen überdurchschnittliche Kurschancen.

Denn Dividenden disziplinieren die Manager: Wer einmal ausgeschüttet hat, geht in der Regel weniger Risiken ein. Denn kein Unternehmen will es sich erlauben, die Dividende kürzen zu müssen, weil es schlecht gewirtschaftet hat - bei Gesellschaften, die erst gar keine Gewinne ausschütten, erscheinen einzelne Misserfolge weniger schmerzhaft. Für die Anleger ist darum bei den Dividendenzahlern das Risiko kleiner, böse überrascht zu werden.

„Aktien leben von der Phantasie“

Dass dividendenstarke Aktien in der Kursentwicklung häufig besser sind, zeigt der Div-Dax. In diesem Index sind die deutschen Unternehmen mit den höchsten Ausschüttungen enthalten. Auf lange Sicht und auch 2006 schlägt der Div-Dax den normalen Dax (siehe Grafik). „Das ist nicht verwunderlich, denn dividendenschwache, aber dafür meist wachstumsstarke Aktien leben von der Phantasie“, erläutert BHF-Stratege Ziegler. „Doch die Chancen werden in der Regel übertrieben und zu teuer bezahlt.“

Aktien mit hohen Dividenden zu kaufen kann also lukrativ sein. Das geht etwa über Zertifikate, die den Div-Dax kopieren, oder über Fonds, die Unternehmen mit üppigen Ausschüttungen kaufen. Anleger können auch direkt in Einzelwerte investieren.

Staatskonzerne fallen öfters negativ auf

Eine Hilfe für die Auswahl gibt dabei die Dividendenrendite, die die Ausschüttung in Euro ins Verhältnis zum Kurs setzt. Je höher, desto besser. Renditen bis zu 6 Prozent sind in Europa möglich. Im Dax führt die Telekom, die auf Basis der erwarteten Dividende für 2006 und des aktuellen Kurses eine Rendite von 5,1 Prozent erreicht. Selbst ohne Kursgewinne der T-Aktie würden Anleger also mehr verdienen als am Rentenmarkt. Doch gerade der Kurssturz der Aktie seit dem Jahr 2000 zeigt die Gefahren einer Fokussierung auf diese Rendite. Denn fällt der Kurs, bringen hohe Dividenden nichts.

Interessant sind Aktien, die stabile und gute Wachstumsaussichten haben, ihre Dividenden über einen langen Zeitraum jährlich steigern und nicht zu viel ausschütten, um noch genug Geld für Investitionen zu haben. Im Durchschnitt kehren die Dax-Werte 40 Prozent der Gewinne aus. „Unternehmen, die deutlich mehr als 50 Prozent zahlen, sollte der Anleger kritisch betrachten“, warnt Frank Schallenberger, der für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Ausschüttungspolitik der Gesellschaften analysiert. Staatskonzerne fielen da öfters negativ auf, weil klamme Regierungen üppige Einnahmequellen suchen. Dazu gehöre auch die Deutsche Telekom, die rund 85 Prozent des Gewinns ausschüttet. Aber auch die Telecom Italia oder der italienische Versorger Enel.

Unter den Dax-Titeln hält Schallenberger RWE vor der Deutschen Bank, der Deutschen Post und Eon für die Unternehmen, die die beste Kombination aus guter Dividendenpolitik und stabilen Wachstumschancen besitzen. „Einziger Wermutstropfen bei RWE ist, dass es seine hohe Ausschüttungsquote dieses und nächstes Jahr nach dem Verkauf der Wassersparte wohl wieder zurückfahren wird“, erwartet Schallenberger. Bei der Deutschen Bank falle nur negativ ins Gewicht, dass die Gewinnentwicklung nicht immer stabil war. Im Euro Stoxx 50 empfiehlt die LBBW Eni sowie die Finanzhäuser Société Générale, BNP Paribas, ING und ABN Amro.

Die Steuer auf Dividenden

Wenn ein Anleger seinen Sparer-Freibetrag voll ausgeschöpft hat, muss er bisher auf die Hälfte der Dividenden seinen eigenen Steuersatz zahlen - also maximal 42 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. In der Unternehmenssteuerreform ist bisher geplant, die Dividenden von 2009 an in voller Höhe zu besteuern, und zwar mit einem pauschalen Satz von 25 Prozent. Das brächte für die meisten Anleger eine Verschlechterung.

In der abgelaufenen Woche gab es aber neue Hoffnung. Es verdichteten sich Spekulationen, nach denen nur 55 bis 66 Prozent der Dividenden zu versteuern sein sollen. Bis zum Sommer will die Koalition die Reform endgültig beschließen - und damit auch, wie viel auf Dividenden künftig gezahlt werden muss.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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