02.07.2003 · Zuvor arg gebeutelte Titel sind im Juni zu beachtlicher Form aufgelaufen: Finanztitel führten die Liste der Aktien mit dem größten Wertzuwachs im Dax an. Im EuroStoxx lief ein spanischer Bezahlfernsehenanbieter voran.
Der Juni war ein guter Monat für den deutschen Aktienmarkt - das läßt sich allgemein sagen und beim Rückblick auf den wichtigsten Index belegen. Der Deutsche Aktiendindex (Dax) hat sich um rund 6,25 Prozent verbessert.
Ausnahmen bestätigten auch in diesem Fall die Regel: Nur fünf der 30 Aktien im Dax haben an Wert verloren, darunter ein Papier, das sich in der Baisse besser gehalten hatte als viele andere Titel. Zu den Gewinnern zählten vor allem Finanztitel, die zuvor stark gelitten hatten.
Übernahmegerüchte beflügelten Commerzbank
Top-Titel im Juni waren MLP. Die Aktie des Finanzdienstleisters, die im vergangenen Jahr von Gerüchten um Bilanztricks besonders stark an Wert verloren hatte, legte um fast 26 Prozent zu. Nach massiven Wertberichtigungen sind die Bilanz-Vorwürfe in den Hintergrund getreten. Zudem hat sich das Management bei der Hauptversammlung am 17. Juni zuversichtlich geäußert. „2003 wird wieder ein Jahr des operativen Wachstums sein“, so Vorstandschef Bernhard Termühlen, der einen Vorsteuergewinn von 65 Millionen Euro und eine Dividende für 2003 ankündigte. Ob MLP im Juli wieder an der Spitze liegen wird, ist offen. Doch die Voraussetzungen für eine weiter erfreuliche Kursentwicklung nicht von der Hand zu weisen. Die Aktie bewegt sich in einem frischen Aufwärtstrend, obwohl sie in den vergangenen Tagen an Dynamik verloren hatte.
Auf dem zweiten Rang folgten Commerzbank. Die Kursgewinne dürften nur zum Teil auf fundamentale Daten zurückgehen. Zwar hält das Management für dieses Jahr am Ziel fest, wieder einen operativen Gewinn zu erzielen, nachdem das Institut im Jahr 2002 tiefrote Zahlen erwirtschaftet hatte. Doch angesichts eines wenig berauschenden Ausblicks und einer, bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 394, astronomisch hohen Bewertung hat die Aktie schon eher vom allgemeinen Aufschwung und vor allem von wieder aufgeflammten Übernahmegerüchten profitiert. Die Hypovereinsbank, selbst alles andere als übermäßig profitabel, wolle die CoBa übernehmen, hieß es.
Die Gerüchte wurden weder bestätigt noch zurückgewiesen. Mithin ist die Phantasie im Markt geblieben. Und der Kurs der Aktie gestiegen. Daß es so weiter geht, dafür bestehen gut Chancen. Solange der Gesamtmarkt die Aktie nicht mit abwärts zieht. Denn der junge Aufwärtstrend ist intakt - die Phantasie nicht abgeschwächt.
Die Hypovereinsbank war gleichsam der drittbeste Titel im Dax. Das Institut wurde nicht nur mit dem Frankfurter Konkurrenten in Verbindung gebracht, sondern sorgte selbst für harte Nachrichten. So erwarte sie konkrete Angebote zum Verkauf der Norisbank, hieß es. Zudem machte die Chefetage Tempo beim Börsengang der Bank Austria. Zwar ist die Preisspanne der BA-Aktie niedriger ausgefallen als von Beobachtern erwartet, doch die Nachfrage groß ausgefallen.
Adidas litt unter schlechten Branchenmeldungen
Die rote Laterne im Dax trugen Schering. Die Aktie des Berliner Pharmakonzerns gaben 5,03 Prozent im Vergleich zum Mai-Schluß ab. Zwar konnte Schering die Bedenken zerstreuen, der starke Euro drücke zu stark auf die Gewinne. Zudem konnte das Unternehmen sogar den Marktanteil der für den Umsatz wichtigen Verhütungspille „Yasmin“ in Amerika erhöhen. Allerdings kommt der Konzern nicht so gut wie erhofft beim Aufbau des Dermatologie-Geschäfts in den Vereinigten Staaten voran.
Viertschlechtester Wert war Adidas-Salomon. Dieser Titel, der zuvor über längere Zeit im Dax die Perle gewesen war, hat weniger unter der eigenen Lage gelitten, obschon eine neue Übereinkunft mit dem Einzelhändlerverband Intersport den Verkauf ankurbeln soll. Nachteilige Nachrichten zu Lasten der Konkurrenten Puma und Nike, die im Monatsverlauf eintrafen, haben auch Adidas belastet. Und die weiteren Aussichten sind nicht rosig. Gute Nachrichten zu Umsatz und Gewinn stehen aus - und charttechnisch hat sich Lage eingetrübt, weil das Papier den Aufwärtstrend verlassen hat. Erst bei einem Kurs von rund 76 Euro würde sich das Chartbild wieder aufhellen.
Hochstufung hilft Sogecable
Die beiden Tops des Juni-Dax rangierten auch im Dow Jones EuroStoxx im abgelaufenen Monat weit vorne: MLP auf dem fünften Platz, Commerzbank einen Rang dahinter, während die Hypovereinsbank auf Platz neun folgte. Tabellenführer war indes das spanische Medienunternehmen Sogecable, dessen Aktienkurs sich um fast 35 Prozent verbesserte; in Frankfurt verbesserte er sich von 12,05 auf 16 Euro. Dem Titel kam es zupaß, daß die Deutsche Bank die Aktie von „Verkaufen“ auf „Halten“ hochgestuft hat, nachdem eine Lösung für den Abbau von Schulden gefunden worden war.
Das Kursziel hat das Papier allerdings schon erreicht. Zudem erwartet die Deutsche Bank auch in diesem Jahr bei Sogecable einen Nettoverlust. Für weitere Kursgewinne spricht vor diesem Hintergrund praktisch nur der kurzfristige Aufwärtstrend, der bisher fortgesetzt worden ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |