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Zertifikate und ETFs

Aktien Letzte Chance für steuerfreie Gewinne

Alte Aktienverluste können mit neuen Kursgewinnen verrechnet werden. Aber nur noch bis Jahresende. Daher sollten Anleger über einen Verkauf nachdenken.

© DIETER RÜCHEL Vergrößern

Das Jahr 2008 war schlimm für Aktienbesitzer. Nach der Lehman-Pleite haben sie hohe Kursverluste erlitten. Doch jetzt, fast fünf Jahre später, kann das auch sein Positives haben: Wer damals Aktien, Aktienfonds oder Zertifikate verkaufte und dies auch in der Steuererklärung angab, besitzt ein riesiges Verlustpolster, mit dem er aktuelle Kursgewinne verrechnen kann. Die streicht er dann steuerfrei ein.

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Dazu muss er aber jetzt aktiv werden. Denn die Verrechnung ist letztmalig dieses Jahr möglich - über die Steuererklärung für 2013. Und sie ergibt umso mehr Sinn, je mehr Gewinn angefallen ist. Bei vielen ist das derzeit der Fall, denn der Dax notiert nahe einem Mehrjahreshoch. Sie sollten daher über einen raschen Verkauf der Wertpapiere nachdenken, denn wer weiß, wie die Kurse in ein paar Monaten stehen. Je kleiner der Gewinn aber, desto weniger kann verrechnet werden. Dieser Verkauf bis Jahresende und damit das Realisieren der Kursgewinne sind notwendig, damit das Finanzamt mitmacht. Zusätzlich lohnt es sich, zu prüfen, ob 2012 Aktiengewinne angefallen sind, für die Abgeltungsteuer abgezogen wurde. Sie könnten dann in der Steuererklärung für 2012 mit Altverlusten verrechnet werden. Dann würde die Steuer erstattet.

Ein einfacher Trick

Grundsätzlich sind die Altverluste nur mit anderen Spekulationsgeschäften verrechenbar, also mit Gewinnen mit Aktien, Zertifikaten, Fonds oder Kurszuwächsen von Anleihen, aber nicht mit deren Zinsen, mit Dividenden, Fondsausschüttungen oder Auszahlungen von Lebensversicherungen. Sinnvoll ist die Verrechnung nur, wenn die Gewinne auch steuerpflichtig sind. Das gilt nur für Wertpapiere, die nach 2008 gekauft wurden, als die Abgeltungsteuer eingeführt wurde. Liegt der Kauf schon länger zurück, sind Kursgewinne steuerfrei.

Tabelle / Aktiengewinne steuerfrei © F.A.Z. Bilderstrecke 

Werden tatsächlich steuerpflichtige Gewinne bis Jahresende durch Verkauf realisiert, muss verhindert werden, dass sie mit anderen als den Altverlusten verrechnet werden. Das kann schnell passieren. Denn zunächst werden die Kursgewinne automatisch mit Kursverlusten verrechnet, die seit 2009 bei der gleichen Bank angefallen sind. Hinzu kommt: Von allen dann noch übrig gebliebenen Gewinnen wird auch noch der Sparerfreibetrag von 801 Euro für Ledige oder 1602 Euro für Verheiratete abgezogen. Erst wenn es dann noch Gewinne zu versteuern gibt, können sie auf die Altverluste angerechnet werden und bleiben dadurch auch steuerfrei. Es könnte dann aber passieren, dass noch Altverluste ungenutzt zum Jahresende verfallen.

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Aber es gibt einen einfachen Trick, um das zu vermeiden: Man führt mindestens zwei Konten. Auf einem Konto werden Verluste angehäuft und der Sparerfreibetrag gestellt, beim zweiten Konto werden dann die steuerpflichtigen Gewinne realisiert. Dort gibt es dann weder Verluste noch Freibetrag, die die Einnahmen mindern. Das Wertpapier, das mit Gewinn verkauft werden soll, kann vorher unentgeltlich per Depotübertrag von einem zum anderen Konto verlagert werden.

Wirtschaftlich kein Risiko

Jetzt zu verkaufen ergibt auch dann Sinn, wenn man eigentlich weiter positiv an den Aktienmarkt glaubt. Denn es ist erlaubt, die gerade verkauften Wertpapiere sofort wieder zu erwerben - mit einem in der Regel höheren Kaufkurs als die gerade abgestoßenen Anteile. Das mindert den zu versteuernden Gewinn in der Zukunft. Solche nur steuerlich motivierten Transaktionen hat der Bundesfinanzhof erlaubt, solange der Kaufkurs der neuen Anteile nicht identisch ist mit dem Verkaufskurs der vorher verkauften Papiere (AZ.: IX R 60/07). Anleger, die viele Altverluste, aber keine Gewinne haben, die sie durch Verrechnung steuerfrei bekommen können, können sich eines Tricks bedienen. Um die Altverluste nicht verfallen zu lassen, spekulieren sie einfach gleichzeitig auf fallende und steigende Kurse.

Ein Fall wird immer eintreten und Gewinne produzieren, die mit den Altverlusten verrechnet werden können. Die dann im Gegengeschäft immer anfallenden Verluste können sie, anders als die Altverluste, endlos in die Zukunft vortragen und dann später für die Verrechnung mit weiteren Gewinnen nutzen. Auch solche Gestaltungen haben die Finanzgerichte erlaubt.

Man kann sie zum Beispiel verwirklichen, indem man einen Indexfonds (ETF) oder ein Zertifikat auf den Dax kauft und gleichzeitig einen Short-ETF in gleicher Höhe, der von fallenden Kursen profitiert. Wirtschaftlich gibt es hierbei kein Risiko, es fallen nur minimale Gebühren an. Allerdings ist etwas Kapital erforderlich, um die Papiere erwerben zu können.

Wer schließlich trotz dieser Gestaltungen Altverluste nicht bis Ende 2013 nutzen kann, hat noch eine Option: Er kann damit über diesen Zeitpunkt hinaus Gewinne aus Immobilienverkäufen, Antiquitäten und Edelmetallen - als Barren und Münzen - steuerfrei bekommen, indem er beides miteinander verrechnet.

Quelle: F.A.S.

 
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