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Aktien im Januar : Der beste Börsenmonat für kleine Werte

Draußen kalt, innen warm: Für kleine Werte ist der Januar ein besonders guter Monat, auch an der New Yorker Börse Bild: REUTERS

Am Anfang fast eines jeden Jahres wiederholt sich ein erstaunliches Phänomen: Im Januar schneiden Nebenwerte oft besser ab als große Titel. Die Gründe dafür sind rätselhaft.

          Nicht nur auf das Jahr gesehen neigen Nebenwerte dazu, die großen Standardaktien zu schlagen. So hat sich der M-Dax, der Index der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften, seit 2000 in 13 Jahren besser entwickelt als sein großer Bruder Dax – obgleich er dabei in drei Jahren einfach nur weniger an Wert verloren hat. Im vergangenen Jahr zum Beispiel war der M-Dax um fast 14 Prozentpunkte besser. Ein Plus von 39 Prozent, verglichen mit einem Dax-Aufschlag von rund 26 Prozent. Die noch kleineren Titel im S-Dax hatten immerhin um 29 Prozent zugelegt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Gerade aber in den ersten Wochen eines Jahres gilt der Vorsprung der Aktien von Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung erfahrungsgemäß als besonders groß. Bekannt ist dieses saisonale Börsenmuster als sogenannter Januar-Effekt. „In keinem Monat ist die Renditelücke zwischen kleinen und großen Unternehmen so weit wie im Januar“, sagt Marc Reinganum, quantitativer Chefstratege des Vermögensverwalters State Street Global Advisors, der diesen Zusammenhang langfristig untersucht hat. Die Korrelation zwischen beiden Aktiengruppen zeige eine auffällige saisonale Komponente. Dies gelte sowohl für Amerika als auch für Europa. Februar sei der zweitbeste Monat für kleinere Werte und das erste Quartal damit das beste. Die Daten der Studie umfassen für Amerika die Zeit von Januar 1926 bis September 2013. Die europäischen Kursdaten – gemessen am MSCI-Europe-Index und dem MSCI-Europe-Small-Cap-Index – reichen bis zum Jahr 2000 zurück.

          Keine Regel ohne Ausnahmen

          Mit Unterbrechung lasse sich der Januar-Effekt in den Vereinigten Staaten für fast 90 Jahre belegen, sagt Reinganum. Besonders deutlich sei diese Saisonalität in der Zeit von 1960 bis 1979 zu beobachten gewesen, aber auch in den Jahren vor 1940 und vom Jahr 2000 an. Seit dem Jahr 1987 hätten die Kurse der nach Marktkapitalisierung kleinsten 5 Prozent der Unternehmen in jedem Januar die der 5 Prozent größten Gesellschaften überflügelt.

          Rendite Europa

          Das gilt natürlich nicht immer, denn keine Regel ohne Ausnahmen. Doch selbst in den Jahren, in denen der Januar-Effekt nicht zu Tage trat, waren die Abwärtsrisiken offenbar begrenzt. Die unterdurchschnittliche Wertentwicklung fiel dann kleiner aus als in jedem anderen Monat. Den schlechtesten Jahresauftakt gab es für die kleinen amerikanischen Aktienwerte im Januar 1929 und 1939. Den besten Januar brachte das Jahr 1934. Dann folgten die Jahre 2001 und 1992. Betrachtet man die einzelnen Monate im Zeitablauf, so sind in Amerika neben dem Januar der Februar und der September die Monate, in denen Nebenwerte am häufigsten besser abgeschnitten haben als die großen Aktiengesellschaften.

          Steuerliche Aspekte zum Jahreswechsel spielen eine Rolle

          Auch für Europa zeigt sich der Studie zufolge der Januar-Effekt deutlich. Demnach scheinen hier sogar die ersten fünf Monate eines Jahres besonders gute für kleine Aktiengesellschaften zu sein – und zudem der August. In Europa war der Januar 2000 der beste (ein Wertzuwachs von gut 9 Prozent). Mit einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung um 2,4 Prozent war der Jahresauftakt 2011 dagegen bislang der schlechteste. Schaut man sich auch hier die einzelnen Monate an, waren die kleinen Aktiengesellschaften am häufigsten im Januar besser als die großen (zu 85 Prozent), gefolgt von Februar und März.

          Dass der Jahreswechsel eine so große Rolle spiele, sei natürlich ein wenig rätselhaft, sagt Reinganum. Eine Erklärung der Wissenschaft seien steuerliche Aspekte. Um Kursverluste noch zum Jahresende zu realisieren, verkauften viele Anleger die Kursverlierer des Jahres, zu denen häufig einzelne kleinere Aktienwerte zählten. Diese gerieten dadurch unter Druck. Und auch institutionelle Investoren trennten sich oft von den Verlierern, um diese zum Jahresende nicht mehr in ihren Büchern zu haben („Window Dressing“). Zu Beginn eines Jahres erholen sich deren Kurse dann häufig wieder. Reinganum verweist auch auf die bei kleineren Aktiengesellschaften meist größere Unsicherheit über das geschäftliche Abschneiden, auch weil sie von weniger Analysten beobachtet würden. Dies könne zu Jahresbeginn – vor der Vorlage der Geschäftszahlen – für höhere Risikoprämien sorgen.

          Und was macht der Januar-Effekt in diesem Jahr? M-Dax und Dax liegen mit einem Gewinn um rund 2 Prozent fast gleichauf. Nur der S-Dax hat mit einem Plus von 5 Prozent bisher beide abgehängt. Die zeitlich folgende Börsenregel „Sell in may and go away“ gilt dann allerdings gleichermaßen für große wie kleine Aktienwerte. Sie besagt, dass Anleger ihre Aktien im Mai verkaufen sollten, weil dann im Sommer die erfahrungsgemäß schwächeren Börsenmonate folgen.

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