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Aktien-Analyse Umweltskandal lässt Envio-Aktie abstürzen

 ·  Die Betriebsstätte von Envio ist massiv mit PCB verseucht. Für einen Giftmüllentsorger ist das ein noch viel größeres existenzielles Problem als für jedes andere Unternehmen. Kein Wunder also, dass die Börse den Titel massiv abstraft.

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Wenn ein Nebenwert so viel Schlagzeilen produziert wie derzeit der Giftmüllentsorger Envio dann ist das oft kein gutes Zeichen. Und leider ist dies auch in diesem Fall wieder so.

Dem Dortmunder Unternehmen, das vor allem in der Verwertung und Entsorgung PCB-haltiger Transformatoren tätig ist, wird vorgeworfen, bei der Entsorgung giftiger Materialien massiv geschlampt und die Umwelt verseucht zu haben.

Der Vorstand hat sich zwar lange vehement gegen diese Verdächtigungen gewehrt, die auch von ehemaligen Mitarbeitern stammen. Er verwies in seiner Verteidigungsstrategie immer darauf, dass die eigene Anlage die vorgegebenen Grenzwerte sogar deutlich unterschreite.

Betriebsstätte ist stillgelegt

Aber inzwischen steht nach Kehrproben vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW fest, dass ein Betriebsgelände in Dortmund erheblich mit Chemikalien verseucht ist. Mittlerweile ist vielmehr sogar von einer 1000-fachen Überschreitung der Grenzwerte für krebsauslösende polychlorierten Biphenyle (PCB) und Belastungen mit anderen Giften wie Dioxinen und Furanen die Rede.

Als Folge davon hat die Bezirksregierung Arnsberg die betroffene Betriebsstätte mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Zudem hieß es, Envio habe massiv gegen Betriebsgenehmigungen und Auflagen verstoßen und seine Mitarbeiter einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt.

Nachdem sich der Aktienkurs lange Zeit den Gerüchten einigermaßen widersetzen konnte, gab es am Donnerstag dann kein Halten mehr. Die Notiz des Titels, der 2007 zu einem Preis von 3,45 Euro an die Börse gekommen war, sackte um 60 Prozent auf 1,30 Euro ab. Am Freitag erholte sich der Kurs dann in der Spitze zwar wieder bis auf 1,97 Euro und am Ende schloss er mit einem Plus von 27,65 Prozent auf 1,662 Euro. Hierbei hat vermutlich geholfen, dass nach Aussagen aus Unternehmenskreisen eine Insolvenz als Folge der Betriebsschließung völlig ausgeschlossen wird.

Rapider Absturz vom Hoffnungswert zum Zockerpapier

Über den neu erworbenen fragwürdigen Status als Zockerpapier wird der Titel bis auf Weiteres aber trotzdem nicht mehr hinauskommen. Das Papier wird so lange ein Spielball der Spekulanten bleiben, bis geklärt ist, was es wirklich mit den überhöhten Giftwerten auf sich hat. Konservative Anleger halten sich deshalb besser von dem Wert fern.

Und selbst wenn sich ein anderer Grund als Betrug für die Probleme finden sollte, ist das Image des Unternehmens fürs Erste erheblich beschädigt. Außerdem ist das operative Geschäft aktuell natürlich erheblich beeinträchtigt. Schließlich ist von der Stilllegung des deutschen Betriebsgeländes (in Korea wird eine weitere Anlage betrieben) rund die Hälfte des Gesamtumsatzes betroffen.

Aus Anlegersicht ist der Skandal auch deshalb sehr ärgerlich, weil sich die erst kürzlich für das erste Quartal 2010 vorgelegten Zahlen viel versprechend lasen. Denn in den ersten drei Monaten hatte Envio bereits deutlich mehr als ein Viertel des geplanten Jahresumsatzes erzielt und der Gewinn vor Steuern und Zinsen entsprach mit 1,63 Millionen Euro bereits einem Drittel der bisher für 2010 abgegebenen Prognose. Doch selbst positive Nachrichten wie diese erscheinen zumindest aktuell im Schatten des Skandals in einem fragwürdigen Licht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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