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Aktien-Analyse Microsoft versucht die Lethargie abzuschütteln

03.07.2009 ·  Schon seit elf Jahren tritt der Aktienkurs des Softwarenriesen Microsoft unter dem Strich nur auf der Stelle. Doch zuletzt kam etwas Leben in die Notiz. Und neue Produkte könnte dafür sorgen, dass dieser Trend anhält.

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Seit rund elf Jahren war mit den Aktien des Softwareriesen Microsoft per saldo nichts zu verdienen. Denn der aktuelle Kurs von 23,33 Dollar entspricht dem Niveau, das auch schon im Juni 1998 Gültigkeit hatte.

Aber immerhin ist jetzt erstmals seit längerem Besserung in Sicht. In den vergangenen Monaten hat sich der Titel jedenfalls bereits deutlich erholt. Ausgehend von dem am 09. März markierten Tief von 15,15 Dollar hat sich der Kurs inzwischen deutlich erholt. Speziell zuletzt hat das Schwergewicht dabei zuletzt auch den Nasdaq Composite Index hinter sich gelassen.

Nach einer fast zweiwöchigen Verschnaufpause war die Notiz am Mittwoch mit 24,04 Dollar wieder ganz nahe an das bisherige Jahreshoch von 24,07 Dollar herangerückt. Schlechte amerikanische Arbeitsmarktdaten sorgten dann aber dafür, dass der Titel im Handel am Donnerstag wieder spürbar zurückfiel.

Produkt-Pipeline spricht für die Aktie

Doch mittelfristig stehen die Chancen durchaus nicht schlecht, dass sich die freundliche Tendenz der vergangenen Monate weiter fortsetzen wird. Zumindest sprechen dafür einige Gründe. So wird es in den nächsten zwölf Monaten aus dem Hause Microsoft gleich rund ein Dutzend neuer Produkte oder Upgrades geben.

Unter anderem geht am 22. Oktober das neue Betriebssystem Windows7 an den Start. Erfüllt die neue Software anders als zuvor Windows Vista die Erwartungen, dürft sich das positiv auf die Umsätze auswirken. Für einen Verkaufserfolg spricht unter anderem, dass Microsoft versuchen wird, Windows 7 mit einem ermäßigten Einstiegsangebot attraktiv zu machen. So können deutsche Endkunden von Mitte Juli bis Mitte August die Einzelhandelsversion von Home Premium für 49,99 Euro vorbestellen. Das ist weniger als die Hälfte des empfohlenen Verkaufspreises von 119,99 Euro nach dem Verkaufsstart.

Neben dem Windows Server 2008, dem neuen Office 2010 ist ein weiterer Hoffnungsträger die Internetsuchmaschine Bing (Internetadresse: www.Bing.com). Damit will man endlich zum Marktführer Google aufschließen und mit einem nur eine Woche nach der Anfang Juni erfolgten Publikation erreichten Marktanteil von immerhin 17 Prozent ist das Produkt zumindest in Amerika auch auf einem guten Weg. Und wenn Microsoft demnächst wie angekündigt Bing mit Einträgen aus dem Kurznachrichtendienst Twitter aufwerten kann, dürfte der Marktanteil noch weiter wachsen. Denn bei der Internetsuche mit Google oder Yahoo werden bislang nur einzelne Twitter-Profile in den Suchergebnissen aufgelistet.

Ein neues Jahreshoch wäre ein charttechnisches Kaufsignal

Zudem ist Unternehmenschef Steve Ballmer gewillt, Bing auch sonst weiter zu puschen. Eigenen Angaben zufolge will er in den kommenden fünf Jahren bis zu zehn Prozent des operativen Gewinns in die Suchmaschine stecken. Das würde immerhin einer Summe zwischen sechs und zwölf Milliarden Dollar entsprechen.

Microsoft setzt zudem verstärkt auf Servicepakete und -dienstleistungen, die es seinen Kunden gegen eine Pauschale anbietet. Auf diese Weise werden diese in die Lage versetzt, ihre Administrationskosten senken zu können. Dieser Geschäftsbereich erschließt dem Unternehmen einerseits Wachstumsmöglichkeiten und führt auf der anderen Seite zu regelmäßig eintreffenden Einkommensströmen. Die entscheidende Frage ist nur, ob die dafür entstehenden Kosten geringer sind, als die Gebühren, die sich dafür berechnen lassen.

Die Finanzierung der strategischen Versuche stellt kein allzu großes Problem dar, sitzt Microsoft doch auf liquiden Mitteln von mehr als 20 Milliarden Dollar. Dem steht ein Börsenwert von 208 Milliarden Dollar gegenüber, was für ein Unternehmen mit so einem bekannten Markennamen nicht zu hoch erscheint. Hinzu kommt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4, was ebenfalls als relativ moderat bezeichnet werden kann.

Um zum Einstieg blasen zu können, wäre es aber wichtig, dass der Kurs das bisherige Jahreshoch von 24,07 Dollar hinter sich lässt. Denn erst dann wäre der Weg charttechnisch frei für weitere Avancen in eine erste Zielregion von rund 30 Dollar. Vielleicht gelingt der Sprung über die genannte Chartmarke ja mit der am 23. Juli anstehenden Bekanntgabe der Quartalszahlen. Analysten erwarten da derzeit im Schnitt beim Gewinn je Aktie 0,38 Dollar, was deutlich unter dem Vorjahreswert von 0,46 Dollar liegen würde. Auch der prognostizierte Umsatz von 14,72 Dollar wird unter dem Vorjahreswert von 15,84 Dollar erwartet. Doch diese Rückgänge sind solange kein Problem, wie sie nicht höher ausfallen als derzeit vorhergesagt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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