08.04.2008 · Es gibt Aktien, die bei oberflächlicher Betrachtung zum Einstieg reizen. Später könnten sie aber im Portfolio für böse Überraschungen sorgen. Auf der Liste finden sich unter anderem das Ölunternehmen Valero und der Wohnmobilbauer Winnebago.
Von Gene MarcialDie Bullen lärmen allenthalben. Notenbankpräsident Ben Bernanke lässt keine Zweifel aufkommen, dass er bereit ist, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um einen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern, während Finanzminister Henry Paulson weit reichende anlegerfreundliche Reformen der Marktaufsicht anpreist. Selbst der noch immer zurückhaltende Kongress hat zwischenzeitlich erkannt, dass Notmaßnahmen erforderlich sind, um die Not der Eigenheimbesitzer zu lindern und einer finanziellen Katastrophe vorzubeugen.
Nach einem düsteren Quartal weht an der Wall Street ein leichter Hauch von Optimismus. Anleger, die sich bereits jetzt in den Markt vorwagen möchten, sollten sich jedoch vor Tretminen in Acht nehmen. Der Markt ist nach wie vor ein gefährliches Pflaster, selbst wenn man meint, sichere Aktien bereits von weitem als solche erkennen zu können.
Implosionen, Verseuchungen, Zeitbomben
Vorsicht ist besonders bei „giftigen“ Aktien angebracht, die im Moment vielleicht verlockend erscheinen, angesichts des derzeit kritischen Marktstadiums jedoch ein Depot verseuchen können.
Bei der Aktienanlage ist das Aufspüren potentiell implosiver Aktien ebenso wichtig wie das Erkennen möglicher Gewinner. Bei der derzeitigen Marktvolatilität sollten Anleger mit Überraschungen rechnen, die zu stark steigenden Kursen führen könnten, woraufhin Scharen kaufwilliger Anleger in den Markt strömen würden.
Ebenso wahrscheinlich ist jedoch, dass der Markt für negative Überraschungen und damit für weiteres Chaos sorgt. So oder so: Es ist von entscheidender Bedeutung, sich vor „Zeitbomben“ in Aktiengestalt zu hüten, vor allem dann, wenn der Markt Signale aussendet, dass der Bulle kurz davor steht, das Gatter zu durchbrechen.
Nächster Schritt: Test der Höchststände vom August 2007
„Auch wenn der absolute Tiefstand nicht bestimmt werden kann, so hat die geballte Kraft der Volatilität, Panik und Angst in den maßgeblichen Aktienindizes einen Boden gebildet“, sagt Eric Parnes, Managing Director von Technomart Investment Advisors und Redakteur des Börsenbriefs „Shortex“. Der nächste Schritt dürfte eine „nachhaltige Rally sein, die sich anschickt, die im August 2007 erreichten Höchststände zu testen“, prophezeit Parnes.
Sicherlich gibt es derzeit einige lohnenswerte Aktien, bei der Auswahl sollten Emotionen jedoch in den Hintergrund treten. Um potentielle Gewinner, aber auch tückische Zeitbomben aufzuspüren, sollten die guten alten Fundamentaldaten nicht vernachlässigt werden.
Erträge und Margen unter Druck
Auf dieser Grundlage sollten Anleger nach Ansicht von Parnes unter anderem Aktien von Winnebago Industries, Valero und Williams-Sonoma meiden. Die Erträge des in Iowa ansässigen Wohnmobilherstellers Winnebago stehen Parnes zufolge unter Druck. Im zweiten Quartal wies das Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 0,09 Dollar aus und blieb damit 67 Prozent hinter den von Analysten erwarteten 0,21 Dollar zurück.
Belastet werden die Gewinne durch hohe Lagerbestände, rückläufigen Auftragsbestand, steigende Benzinpreise und hohe Fremdkapitalkosten. Mit einem aktuellen Kurs von 17 Dollar befindet sich die Winnebago-Aktie nur knapp oberhalb ihres 52-Wochen-Tiefs, wird nach Einschätzung von Parnes jedoch weiter bis auf 12 Dollar absinken.
Valero, die größte Ölraffineriegesellschaft Nordamerikas, steht unter Druck, da für die zukünftige Geschäftstätigkeit mit spürbar sinkenden Margen gerechnet wird. Die Aktie notiert derzeit bei 50 Dollar und könnte nach Ansicht von Barnes erneut zum Test ihres letzten Tiefs bei 44 Dollar ansetzen.
Williams-Sonoma, eine auf gehobenere Haushaltswaren spezialisierte Einzelhandelsgesellschaft mit Sitz in San Fransisco und Betreiber von Marken wie Pottery Barn, West Elm und Williams-Sonoma Home, leidet Parnes zufolge unter den rückläufigen Verbraucherausgaben als Folge der Häusermarktschwäche. Er prognostiziert einen Rückgang des Aktienkurses von derzeit 26 Dollar auf 14 Dollar.
Zeit, sich von Kaufhausaktien zu trennen
Zu den Aktien von Kaufhausketten, um die Anleger in jedem Fall einen großen Bogen machen sollten, zählen nach Meinung von Georges Yared von Yared Investment Research unter anderem Dillard's und Macy's mit mehr als 800 Läden der Marken Macy's und Bloomingdale's. Die Aktie von Marcy's wird derzeit mit 23 Dollar gehandelt, dürfte nach Einschätzung von Yared jedoch auf 18 Dollar fallen, da er für das Geschäftsjahr 2009 von einem Rückgang des Gewinns je Aktie auf 1,70 Dollar ausgeht. S&P-Analyst Jason Asaeda, der ebenfalls zum Verkauf der Macy's-Aktie rät, erwartet für 2008 einen Gewinn von 2,01 Dollar je Aktie, nachdem die Kaufhauskette im Jahr 2007 einen Gewinn von 1,80 Dollar verbucht hatte.
Das Papier des Kaufhausbetreibers Dillard's, mit 330 Läden vor allem im Süden und Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, notiert derzeit bei 22 Dollar. Yared rechnet mit einem Einbruch auf 15 Dollar. Im Geschäftsjahr 2008 erzielte Dillard's einen Gewinn von 0,69 Dollar je Aktie. Für das Geschäftsjahr 2009 prophezeit Yard einen Rutsch in die roten Zahlen. Auch Asaeda von S&P spricht für Dillard's eine Verkaufsempfehlung aus und rechnet damit, dass das Unternehmen unter Berücksichtigung möglicher Aktienrückkäufe einen Gewinn je Aktie von 0,50 Dollar erwirtschaften könnte.
New York City REITs nach wie vor kaufenswert
Die einst als Überflieger gefeierten Aktien börsennotierter Immobilienfonds (REITs) könnten sich ebenfalls als tückisch erweisen. Es dürfte nur wenige überraschen, dass der Ausblick für diese Gruppe von der anhaltenden Abschwächung auf dem Häusermarkt beeinträchtigt wird. „Wir behalten unsere vorsichtige Einschätzung gegenüber REITs bei“, schreibt Goldman-Sachs-Analyst Jonathan Habermann in einem Bericht über den Sektor. „Vor dem Hintergrund ungünstiger Kapitalmarktbedingungen und sich verschlechternder Fundamentaldaten bei Immobilien gehen wir davon aus, dass REITS 2008 hinter der Entwicklung des breiten Marktes zurückbleiben werden“, warnt Habermann.
Doch es gibt natürlich auch die einen oder anderen von Habermann favorisierten REITs, etwa solche, die in regionalen Einkaufszentren und Büroobjekten in New York City engagiert sind. Pessimistisch ist er jedoch gegenüber Unternehmen wie Avalonbay Communities und Camden Property Trust, die er mit entsprechenden Verkaufsempfehlungen versehen hat. Die Aktie von Avalonbay liegt mit derzeit 104 Dollar 30 Dollar unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Die Aktie von Camden, aktuell bei 54 Dollar, wurde im Mai 2007 noch für fast 78 Dollar gehandelt. S&P-Analyst Royal Shepard, der Camden mit „Verkaufen“ einstuft, setzt ein 12-Monats-Kursziel von 43 Dollar. Shepard empfiehlt die Avalonbay-Aktie zu halten und nennt ein Kursziel von 96 Dollar.
Schnäppchenjäger seid gewarnt!
Die bereits kräftig unter die Räder gekommene Branchengruppe der Bauträgergesellschaften hat bereits Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen. Steven Rogé, Vermögensverwalter bei R.W. Rogé, warnt jedoch vor dem Unternehmen Hovnanian Enterprises, das landesweit Einfamilienhäuser, Reiheneigentumswohnungen und Stadthäuser errichtet.
Rogé hat zwar noch keine Leerverkäufe auf diese Aktie getätigt, nach seiner Ansicht sollte der Hausbauer jedoch genau beobachtet werden, da sein Schuldenstand mit 2,25 Milliarden Dollar seine Marktkapitalisierung von 755 Millionen Dollar deutlich übersteigt. S&P-Analyst Kenneth Leon empfiehlt, das Unternehmen zu halten; das 12-Monats-Kursziel sieht er bei 9,50 Dollar. Die Aktie des Unternehmens fiel von 27 Dollar im Mai 2007 auf 4,25 Dollar Anfang Januar 2008, konnte sich jedoch wieder erholen und notiert aktuell bei 12 Dollar. In dem am 31. Oktober beendeten Geschäftsjahr 2007 wies Hovnanian einen Verlust pro Aktie aus laufender Geschäftstätigkeit von 2,80 Dollar aus.
David Trainer vom unabhängigen Analysehaus New Constructs warnt vor dem REIT Duke Realty, dessen Aktie von 45 Dollar im Mai 2007 auf mittlerweile 24 Dollar gesunken ist. Der Immobilienfonds hält Beteiligungen an Industrie-, Büro- und Einzelhandelsobjekten im Mittleren Westen und Südosten der Vereinigten Staaten.
Trainer zufolge sind die ausgewiesenen Gewinne „positiv mit weiterem Aufwärtstrend, während die zugrunde liegenden Cashflows de facto negativ und rückläufig sind.“ Der Jahresüberschuss stieg nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr um über 72 Millionen Dollar, „während unsere Analyse ergibt, dass die tatsächlichen barwertigen Gewinne um 31 Millionen Dollar zurückgingen“, so Trainer. Die Aktie hat zwar bereits einiges einstecken müssen, „wir denken jedoch, dass es für sie noch weiter deutlich abwärts gehen wird“, warnt Trainer.
Foundation Coal stark überbewertet
Auch die Aktie des amerikanischen Kohleproduzenten Foundation Coal Holdings wird von Trainer als „tickende Zeitbombe“ eingestuft. Das Papier stieg von 30 Dollar am 6. August 2007 auf 54 Dollar. Trotz dieser „schwindelerregenden Bewertung“ sollten sich Anleger vor dieser Aktie in Acht nehmen, da ihre aktuelle Marktkapitalisierung einen Gewinnanstieg des in Maryland ansässigen Unternehmens von etwa 1.200 Prozent impliziert, gibt Trainer zu bedenken.
Rohstoffe sind zwar im Aufwind, doch „ich denke nicht, dass die Preise für Kohle derart stark ansteigen werden, um die Bewertung von Foundation Coal zu rechtfertigen“, so Trainer. Nach Daten von Bloomberg sanken die Gewinne aus laufender Geschäftstätigkeit von 1,10 Dollar je Aktie im Jahr 2006 auf 0,88 Dollar 2007.
Es gibt freilich noch zahlreiche weitere dieser tückischen Aktien in den verschiedensten Branchen. Die hier genannten sind jedoch ein guter Anfang für Anleger, die nicht nur Gefahren umgehen, sondern vielleicht auch von Leerverkäufen profitieren möchten. Getreu dem alten Sprichwort: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |