Nun ist es also amtlich. Der Speicherchip-Hersteller Qimonda, an dem Infineon 77,5 Prozent der Anteile besitzt, hat am Freitag nach einem monatelangen Überlebenskampf einen Insolvenzantrag eingereicht. 12.000 Arbeitsplätze stehen dadurch jetzt endgültig auf dem Spiel.
Die Aktie von Infineon nahm die Ereignisse relativ gelassen hin, obwohl der Halbleiter-Konzern für die hieraus erwarteten Belastungen Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag bilden musste. Unter den 30 Dax-Werten war der Titel mit einem Tagesminus von 4,9 Prozent auf 0,68 Euro zwar der größte Verlierer. Die eher verhaltene Reaktion muss aber vor dem Hintergrund der bereits zuvor erlittenen Abschläge gesehen werden. Ablesen lassen sich diese alleine schon daran, dass Infineon inzwischen zu einem Penny-Stock mutiert ist.
Insolvenz nicht mehr überraschend
Zu dieser negativen Entwicklung beigetragen haben nicht zuletzt auch die Probleme der Tochter. „Die Insolvenz bei Qimonda war nichts, was den Markt überrascht hat“, sagte etwa Commerzbank-Analyst Thomas Becker. Bereits Anfang Dezember hatte das Unternehmen selbst vor der drohenden Zahlungsfähigkeit gewarnt, in den Wochen danach spitzte sich die Lage zu. Der erhoffte Investor blieb aus, ein von Politik und Infineon bereits geschnürtes millionenschweres Hilfspaket scheiterte letztlich an Detailfragen.
Ein Händler äußerte sogar, mittelfristig sei das jüngste Geschehen für Infineon gar nicht so schlecht, da das Thema damit endlich erledigt sei. Die Tochter hatte der Mutter anhaltende Verluste beschert, alleine rund drei Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008. „Viel tiefer kann die Aktie ja nicht fallen“, fügte ein anderer hinzu. Absolut gesehen mag das zwar stimmen. Relativ kann aber auch ein Penny-Stock noch hohe Verluste bringen. Unterstellt man beispielsweise nur, dass der Aktienkurs auf das von Sal. Oppenheim auf 0,50 Euro je Aktie reduzierte Kursziel fällt, dann wäre das gleichbedeutend mit einem weiteren Minus von gut 47 Prozent.
Ende der Talsohle vermutlich noch nicht erreicht
Und völlig ausgeschlossen ist eine solche Entwicklung nicht. Schließlich hat sich an den Grundproblemen des Unternehmens, die aus einem massiven Preisverfall in der Industrie in Kombination mit einer dramatischen Verschlechterung beim Zugang zu Finanzierungen auf den Kapitalmärkten bestehen, nichts geändert. Vielmehr hat zuletzt sogar Branchenprimus Intel erstmals seit Jahrzehnten vor einem möglichen Quartalsverlust gewarnt. Und noch ist unklar, wie das Unternehmen die bis Juli 2010 fällig werdenden Kreditrückzahlungen im Volumen von 800 Millionen Euro stemmen will. Die vorhandenen liquiden Mittel werden vermutlich auch dann noch dringend im operativen Geschäft benötigt werden.
Wenn die Gesellschaft am 06. Februar über das erste Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 berichtet, dann sind vor diesem Hintergrund neue Hiobsbotschaften nicht ausgeschlossen. Sollte weitere negative Nachrichten aber den Kurs unter das bisherige Rekordtief von 0,65 Euro drücken, dann würde sich auch die sowieso schon relativ hoffnungslose charttechnische Lage noch einmal zusätzlich verschlechtern.