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Aktien-Analyse Das Fusionsthema lastet schwer auf den Porsche-Aktien

 ·  Die Hängepartie um die Fusion mit VW erwies sich für Porsche schon seit langem als Kursbremse. Die vorläufige Absage des Vorhabens verstärkt jetzt den Abwärtsdruck sogar noch einmal zusätzlich.

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Wegen hoher juristischer Hürden haben die beiden Autobauer VW und Porsche ihre Fusionspläne auf unbestimmte Zeit vertagt. Während die VW-Aktie darauf mit einem Tagesminus von 3,8 Prozent auf 103,85 Euro sogar weniger verliert als der Dax, geraten die Anteilsscheine von Porsche gehörig unter Druck. Am Handelsende wiesen die börsennotierten Vorzugsaktien einen satten Tagesverlust von 13,6 Prozent auf 37,99 Euro auf. Dieses Kursverhalten ist auch nachvollziehbar, führt die Neubewertung der gegenseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsoptionen doch zu einem milliardenschweren Buchgewinn bei VW und einem entsprechenden Verlust bei Porsche.

Aus Sicht der Porsche-Aktionäre ist dieser Einbruch aber leider keine einmalige Schlappe, sondern sie sind vielmehr schon seit längerem Kummer gewohnt. Deutlich wird das auch an der langfristigen Kursbilanz. Denn während sich die Aktien von BMW und VW seit den im Jahr 2009 markierten Tiefs in etwa verdreifacht haben, kommt Porsche gemessen daran derzeit nur auf ein Plus von gut 54 Prozent. Begonnen hat der Leidensweg dabei im Grunde genommen mit dem noch vom ehemaligen Vorstandschef Wendelin Wiedeking ausgeheckten Plans zur Übernahme des viel größeren VW-Konzerns. Doch das Projekt scheiterte und während es der Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE Schulden von 11,4 Milliarden Euro einbrockte, zielte am Ende VW seinerseits auf eine Übernahme von Porsche ab.

Allerdings ist auch VW bis heute nicht zum Zuge gekommen. Erklären lässt sich das mit den Altlasten, die aus den milliardenschweren Schadenersatzklagen resultieren, die Fondsgesellschaften angestrengt haben, weil sie dem früheren Porsche-Management Marktmanipulation vorwerfen. Weil wegen dieser rechtlicher Hürden zum jetzigen Zeitpunkt eine Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken eines Zusammengehens nicht möglich sei, werde nichts mehr aus der Idee, VW und Porsche wie ursprünglich geplant noch in diesem Jahr zu verschmelzen. Hieß es am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Struktur als Finanzholdung bedingt Bewertungsabschlag

VW und Porsche, die sich bisher von ihrem Zusammengehen 700 Millionen Euro an Einsparungen pro Jahr erhofft hatten, kämpfen trotz der auf Eis gelegten Fusionspläne zwar weiter um eine gemeinsame Zukunft. Wann und wie die beiden Konzerne zusammenfinden werden, steht aber noch in den Sternen. Und solange die Hängepartie anhält, dürften sich die Porsche-Aktien schwer tun, wieder nachhaltig in den Vorwärtsgang zu schalten.

Warum die Börsianer dem Titel vermutlich weiterhin mit Skepsis begegnen werden, erläutert die Unicredit in einer aktuellen Einschätzung. Darin heißt es, als Konsequenz aus der verspäteten Verschmelzung von VW und Porsche bleibe die Porsche SE eine Finanzholding mit lediglich zwei Beteiligungen, 50,1 Prozent an der Porsche AG und 50,7 Prozent der VW-Stammaktien. Dies dürfte zu anhaltenden Diskussionen bezüglich der Bewertung führen, was sich negativ auf das Potenzial des Aktienkurses auswirken könnte. In der Annahme eines 20-prozentigen Abschlags auf die Porsche AG sowie die Bewertung von VW reduzieren die Analysten ihr Kursziel von 60 auf 44 Euro.

Noch tiefer gesenkt, und zwar von 52,14 auf 38,00 Euro, wurde das Kursziel bei Equinet. Mit der Ankündigung, dass der Zusammenschluss im Jahr 2011 nicht mehr zustande komme, sei die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung der Fusionspläne deutlich zurückgegangen, schrieb Analyst Tim Schuldt in einer Studie. Nach bisher 50 Prozent sehe er die Fusionswahrscheinlichkeit jetzt noch bei 25 Prozent. Scheitere der Zusammenschluss, dürfte der Markt einen mindestens 40-prozentigen Bewertungsabschlag auf die Porsche-Titel vornehmen. Die Aktie von Porsche halte er im Vergleich zu VW für überbewertet. Es sei deshalb deutlich besser, in die Aktie von VW zu investieren.

Charttechnik spricht gegen voreilige Käufe

Die meisten anderen Analysten gaben sich dagegen unter dem Verweis auf aus ihrer Sicht günstige Bewertungskriterien weitaus gelassener. „Beide Unternehmen sind attraktiv bewertet, ob Porsche nun integriert wird oder nicht. Die Kooperation der beiden Unternehmen kann so gut fortgeführt werden, wie sie bereits ist“, sagte beispielsweise Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Noch stärker aus dem Fenster lehnte sich Arndt Ellinghorst. Der Analyst der Credit Suisse beließ das Kursziel für die Porsche-Aktie bei 89 Euro, weil die vorerst abgesagte Fusion wenig an seiner Einschätzung ändere. Er habe in seinem Bewertungsmodell ohnehin nur eine zehnprozentige Chance für eine Fusion 2011 eingerechnet gehabt.

Rein bewertungstechnisch gesehen hätte Porsche sicherlich in der Tat höhere Notierungen verdient. Zumal die Geschäfte des Sportwagenbauers auf Hochtouren laufen. Nach einem mit 60.959 Fahrzeugen im ersten Halbjahr erzielten Auslieferungsrekord dürfte es in diesem Jahr erstmals gelingen, die Marke von 100.000 verkauften Autos zu knacken. Die vielen Unsicherheiten dürften aber dennoch dafür sorgen, den Kurs auszubremsen. Denn trotz Produktionsrekord verhageln die nötigen Wertberichtigungen den Ergebniksausweis. So rechnen die Analysten von Independent Research jetzt für 2011 nur noch mit einem Gewinn je Aktie von 0,84 Euro und für 2012 von 1,13 Euro. Verglichen mit den bisher erwarteten 7,22 Euro und 8,78 Euro ist das ein drastischer Schnitt und erklärt, warum die Aktie am Freitag so abgestraft wurde. Schnäppchenjäger sollten deshalb erst dann auf die Jagd gehen, wenn sich die Notiz auch charttechnisch betrachtet stabilisiert hat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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