Mit einem fulminanten Kurssprung von 0,41 auf 0,52 Euro konnte am Montag an der Wiener Börse die Aktie von Immofinanz aufwarten. Auf den ersten Blick ist dieser Anstieg sehr erstaunlich. Denn das Kursplus ging einher mit der Vorlage eines Milliardenverlusts.
Und zwar berichtete der größte österreichische Immobilienfinanzierer für das am 31. Oktober beendete Geschäftshalbjahr 2008/09 über ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus 1,85 Milliarden Euro noch einem Gewinn von 431,6 Millionen Euro. Den Vorsteuerverlust bezifferte die Gesellschaft auf 2,65 Milliarden Euro, wovon 1,86 Milliarden allein auf die voll konsolidierte 55-Prozent-Tochtergesellschaft Immoeast entfielen. Der Umsatz stieg um 14,1 Prozent auf 363,7 Millionen Euro.
Die Banken sollen bei der Neuausrichtung helfen
Grund der hohen Verluste waren den Angaben zufolge Abschreibungen auf Beteiligungen sowie Abwertungen auf den Immobilienbestand, vor allem bei Immoeast, an der Immofinanz die Mehrheit hält. So schlug sich die Neubewertung von Liegenschaften im ersten Geschäftshalbjahr mit einem Minus von 1,11 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 296,7 Millionen Euro) nieder. Die langfristigen Schulden der Immofinanz kletterten im Lauf des ersten Halbjahres von 6,7 auf 7,07 Milliarden Euro. Um kurzfristig Liquidität zu schaffen, wurden bis Mitte Dezember Immobilien im Volumen von rund 160 Millionen Euro verkauft, über weitere Verkäufe wird verhandelt.
Doch der neue Vorstandssprecher Thomas Kleibl zeigt sich dennoch zuversichtlich, die notwendigen Finanzierungslinien von den Banken zu erhalten (Immofinanz hatte eingeräumt, bis Ende dieses Jahres 110 Millionen Euro und bis April 2009 weitere 150 Millionen Euro zu benötigen, um sich über Wasser halten zu können), um das angekündigte Restrukturierungsprogramm umzusetzen. Das ist dann wohl auch der entscheidende Anker, an den sich die krisengeplagten Anleger klammern. Das zu Wochenbeginn verbuchte Kursplus ist vermutlich unter dem Motto „Schlimmer kann es nun nicht mehr werden“ zustande gekommen. Außerdem hofft man anscheinend, dass unter der neuen Führung endlich klar Schiff gemacht wird und alle absehbaren Belastungen bereits im Halbjahresausweis stecken.
In der Tat ist die Gesellschaft für die vielen in der Vergangenheit begangenen Fehler schon rigoros abgestraft worden. Am einfachsten ablesen lässt sich das am Aktienkurs, der begleitet von Bilanzfälschungsvorwürfen an den früheren Chef Karl Petrikovics auf Pennystock-Niveau zurechtgestutzt worden ist. Verglichen mit dem noch am 16. April 2007 bei 12,54 Euro markierten Rekordkurs bedeutet dies einen rasanten Absturz. Beim aktuellen Kurs von 0,49 Euro wird dem Titel gerade einmal noch ein Börsenwert von 225 Millionen Euro zugestanden. Das ist nicht gerade viel für ein Unternehmen, dem in Zentral- und Osteuropa mehr als 3.000 Bürogebäude und andere Immobilien gehören.
Die Unwägbarkeiten bleiben immens
Deutlich wird das Ausmaß der Abstrafung auch am Substanzwert und am Eigenkapital. Der Net Asset Value ist zwar um weitere 37,5 Prozent auf 7,07 Euro gefallen und auch das Eigenkapital hat sich von 7,9 auf 5,7 Milliarden Euro verringert. Beide liegt aber noch immer erheblich über der Marktkapitalisierung.
Greift das Restrukturierungskonzept und gelingt es, die nötige Finanzierung auf die Beine zu stellen (Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Banken der Gruppe letztlich helfen werden), dann könnte die Notiz langfristig durchaus wieder anziehen. Doch ein Engagement ist natürlich nach wie vor mit großen Risiken behaftet. So ist nicht absehbar, was auf die Aktionäre noch zukommt, falls es wirklich zu der geplanten Fusion von Immofinanz und Immoeast kommt.
Zudem hängt sehr viel davon ab, wie es an den Immobilienmärkten in Österreich und Osteuropa weitergeht. Angesichts der unklaren konjunkturellen Aussichten sind verlässliche Prognosen dazu derzeit aber kaum abzugeben. Vor diesem Hintergrund dürfte vor allem eines klar sein. Nämlich dass sich die Immofinanz-Aktie auch in den kommenden Wochen und Monaten sehr volatil präsentieren wird.