14.07.2008 · Der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler plant eine Übernahme des im Dax enthaltenen Automobilzulieferers und Reifenherstellers Continental. Die zuletzt stark gebeutelte Aktie legt daraufhin rund ein Viertel an Wert zu.
Zu einem außergewöhnlich starken Kurssprung für einen im Dax vertretenen Wert kommt es am Montag bei Continental. Bis gegen Mittag gewinnt der Titel 24,81 Prozent auf 67,35 Euro. Angetrieben wird die Notiz von einer am Sonntag vorab von dieser Zeitung berichteten Meldung, wonach der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler den wesentlich größeren Hannoveraner Autozulieferer und Reifenhersteller Continental übernehmen will.
Bei der Würdigung des Kurssprungs zum Wochenauftakt sollte jedoch berücksichtigt werden, dass der Titel zuletzt sehr schwach tendierte und seit Jahresanfang 40 Prozent an Wert verloren hatte. Neben der allgemein schwierigen Lage ist das zurückzuführen auf Belastungen von schwachen Konjunktur- und Automarktdaten in Nordamerika und Westeuropa, steigenden Rohstoffpreisen sowie Integrationsrisiken für die von Siemens übernommene Autoelektroniksparte VDO. Wie es aus dem Vorstand jüngst hieß, fürchte man angesichts der gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie um seine Rendite im Reifengeschäft. Im Jahr 2007 erzielten die Niedersachsen in dieser Sparte mit 14,8 Prozent Umsatzrendite noch das bisher beste Ergebnis, doch bereits im ersten Halbjahr konnte diese Marge nicht verteidigt werden.
Continental hat erste Übernahmegespräche bestätigt
Inzwischen wurden entsprechende Gespräche zwischen den beiden Parteien offiziell bestätigt. Demnach bietet das Familienunternehmen aus Herzogenaurach mehr als zehn Milliarden Euro und ist notfalls auch zu einer feindlichen Übernahme bereit. Hinzu komme die Übernahme von Schulden in Höhe von rund elf Milliarden Euro. Im Falle einer erfolgreichen Transaktion soll die Aktie anschließend von der Börse genommen werden. Das letztere Vorhaben überrascht nicht, handelt es sich bei der von Maria-Elisabeth Schaeffler kontrollierten Schaeffler-Gruppe, die der weltweit zweitgrößte Wälzlager-Konzern ist, doch um ein familiengeführtes Unternehmen, das die Öffentlichkeit scheut. So sind außer den Umsatzzahlen für 2007 keine weiteren nennenswerten Geschäftszahlen bekannt
Die Gesellschaft fertigt Lager unter anderem für Maschinen, Anlagen, die Automobilindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt. Im Jahr 2007 erwirtschaftete die Schaeffler-Gruppe mit ihren drei Marken INA, LuK und FAG und ihren weltweit 86.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Der Continental-Konzern gehört mit einem anvisierten Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro im Jahr 2008 weltweit zu den fünf führenden Automobilzulieferern. Zu den Produkten zählen Bremssysteme, Systeme und Komponenten für Antrieb und Fahrwerk, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik und Reifen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 150.000 Mitarbeiter an nahezu 200 Standorten in 36 Ländern.
Von Analystenseite wird der Übernahmeplan als durchaus sinnvoll bezeichnet. Strategisch passten die beiden Unternehmen als Automobilzulieferer gut zusammen und es gebe Synergien, hieß es. Allerdings plant Schaeffler den vorliegenden Berichten zufolge nach einer Übernahme die Reifensparte von Conti zu verkaufen und den Konzern zu zerschlagen. Doch genau das will das Conti-Management verhindern, weshalb mit Widerstand gegen das Angebot zu rechnen ist.
Übernahmeschlacht nicht ausgeschlossen
Sollten sich die beiden Parteien dennoch auf die dann in diesem Jahr bisher größte Firmenübernahme in Europa einigen können, wird sich zeigen müssen, wie sich die unterschiedlichen Kulturen vereinen lassen. Schließlich wird bei Continental viel wert auf Shareholder-Value-Denken gelegt, während Schaeffler mittelständisch geprägt ist. Immerhin hat Schaeffler mit der 2001 erfolgten feindlichen Übernahme des damals im MDax notierten Kugellagerhersteller FAG Kugelfischer bereits Integrationsgeschick bewiesen.
Unabhängig davon ist der Zeitpunkt für einen Einstieg aktuell günstig. Bei dem am Freitag gültigen Schlusskurs kam Continental nur auf einen Börsenwert von 8,7 Milliarden Euro. Wie wenig das ist, lässt sich auch daran erkennen, dass Continental im Vorjahr für die da übernommene Siemens VDO netto fast elf Milliarden Euro bezahlt hat. Selbst nach dem jetzt erfolgten Kurssprung liegt die Marktkapitalisierung mit 10,76 Milliarden Euro noch immer unter diesem Kaufpreis. Folglich bekäme man unter der Annahme, dass sie so viel wert waren, wie gezahlt wurde, die anderen Aktivitäten umsonst.
Aus diesen Gründen rät Sal. Oppenheim dazu, ein mögliches Gebot von Schaeffler zum Preis von 62 bis 65 Euro je Aktie nicht anzunehmen. Zumal sich der durchschnittliche Aktienkurs der vergangenen drei Monate auf höhere 71,20 Euro belief. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Übernahmeinteressenten melden könnten und es zu einer Übernahmeschlacht komme.
Vor diesem Hintergrund dürfte der Titel bis auf weiteres gut nach unten abgesichert sein und vielleicht sogar noch etwas weiteres Kurspotenzial beinhalten. Während andere Analysten deutlich tiefer stapeln, wird das Kursziel bei Sal. Oppenheim auf 87 Euro beziffert. Nach Einschätzung der Analysten von Independent Research müsste Schaeffler mindestens 71 Euro je Aktie bieten, um die Zustimmung der Conti-Aktionäre zu erhalten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |