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Aktien Amerika Wasser auf die Mühlen

 ·  Geschätzte 96 Milliarden Dollar an Fördergeldern für die weltweite Wasserinfrastruktur sind in den kommenden zwei Jahren ein Segen für Aktien der Wasserbranche.

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Machen Sie sich tauchfertig: Eine Flut aus Anlagemöglichkeiten in Aktien der Wasserbranche wird sich vielleicht schon bald über die Investoren ergießen, denn die Regierungen werden zunehmend mehr Geld ausgeben, um die Wasserinfrastruktur und die damit verbundenen Versorgungsdienste für strengere Umweltauflagen fit zu machen. Das verheißt Gutes für eine Reihe von Aktien und Investmentfonds der Wasserbranche.

Am 15. Juli wurde eine Gesetzesvorlage ins Repräsentantenhaus eingebracht, mit der ein Wassertreuhandfonds geschaffen werden soll, der in Amerikas marode Trink- und Abwasserbehandlungssysteme investieren soll. Der Water Protection & Reinvestment Act soll einen 10 Milliarden Dollar schweren Jahresfonds auflegen, um alternde Rohre und Abwassersysteme zu reparieren, die eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit, die Umwelt und die allgemeine Sicherheit darstellen.

Bewegung in der Gesetzgebung

Und eine Gesetzesvorlage des Senats, die den Clean Water State Revolving Fund und den Drinking Water State Revolving Fund wieder aufleben lassen und über die kommenden fünf Jahre 38,5 Milliarden Dollar für Wasserinfrastrukturprogramme der amerikanischen Umweltschutzbehörde bereitstellen sollen, hat angeblich die Unterstützung beider Parteien und soll in absehbarer Zukunft vom Senat verhandelt werden.

Diese Fonds sind in den letzten 22 bzw. 12 Jahren nicht mehr neu bestätigt worden. Eine Fassung des Repräsentantenhauses mit der Bezeichnung Water Quality Investment Act of 2009, das den Clean Water State Revolving Fund mit 13,8 Milliarden Dollar über fünf Jahre neu bestätigen soll, wurde im März verabschiedet.

Heftpflaster statt Herzchirurgie

Freilich gibt es schon jetzt eine ganze Reihe steuerlicher Anreize für Unternehmen, die geeignet sind, der stark sanierungsbedürftigen Wasserinfrastruktur des Landes wieder auf die Beine zu helfen. William Brennan, Co-Manager des 17 Millionen Dollar schweren Kinetics Water Infrastructure Advantaged Fund, schätzt, dass 13,9 Milliarden Dollar des Konjunkturpaketes der Obama-Administration für die Überholung der Wasserinfrastruktur und andere wasserbezogene Aktivitäten vorgesehen sind.

Aber: „Das ist so, als würde man versuchen, die Wunde eines am offenen Herzen operierten Patienten mit einem Heftpflaster zuzukleben.“ Die Vereinigten Staaten, meint Brennan, hinken der Erneuerung ihrer Wasserleitungen und Abwassersysteme um runde 600 Milliarden Dollar hinterher. Darum werde die Regierung nun mit größerer Entschlossenheit an der Lösung dieses Problems arbeiten.

Investitionswelle erwartet

Die amerikanischen Wasserfonds sind derzeit viel kleiner als ihre europäischen Gegenstücke. Die amerikanischen Investoren haben lange Zeit nicht die Bedeutung des Wassers als „das Rückgrat jeder Aktivität“ erkannt - von der Produktion über die Energiegewinnung bis hin zum Alltagsleben. Und bisher haben die Amerikaner Wasserknappheiten noch nicht in dem Maße kennengelernt wie Menschen in anderen Teilen der Welt, so Brennan.

Er erwartet, dass in den nächsten ein bis drei Jahren eine gewaltige Investitionswelle die Wasserbranche erfassen wird: „Die Dürregebiete in Kalifornien, Texas und Florida sind eine Tatsache und werden nur noch schlimmer.“ Auch andere Bundesstaaten werden von Wassersorgen geplagt. In einem bis in die siebziger Jahre zurückreichenden Streit um das Wasser des Apalachicola-Chattahoochee-Flint-Beckens, in dem der Lake Lanier liegt, bemühen sich Florida und Alabama um eine endgültige gerichtliche Verfügung, Entnahmen in Georgia zu verbieten, die über das durch die Metropolitan Atlanta Chamber of Commerce ermittelte Niveau des Jahres 2000 hinausgehen.

Ein amerikanisches Bezirksgericht entschied am 17. Juli, dass nahezu alle Wasserentnahmen Georgias aus dem Lake Lanier unrechtmäßig waren, da der See zum Betreiben von Wasserkraftwerken angelegt wurde. Das bedeutet, dass sich Atlanta womöglich schon bald nach anderen Wasserquellen umschauen muss. Der Richter entschied, dass das Army Corps of Engineers die Zustimmung des Kongresses einholen müsse, bevor die Metropole Atlanta den Lake Lanier als ihre Hauptwasserquelle nutzen könne.

Zu Brennans Top-Papieren gehören Veolia Environnement und die Firma URS, die Entwicklungs-, Bau- und technische Dienstleistungen für den Energieerzeugungs-, Infrastruktur, Bundes- sowie den industriellen und Handelsmarkt erbringt.

„Pure Plays“ bevorzugt

Das Vermögen des Calvert Global Water Fund besteht zu 30 Prozent aus Papieren von Wasserversorgern, 40 Prozent stammen von Infrastrukturunternehmen und 30 Prozent von Wassertechnologiefirmen. Jens Peer, ein Portfoliomanager für den 1,4 Milliarden Dollar schweren Fonds, berichtet, dass 65 Prozent bis 70 Prozent der 100 bis 105 Wasserwerte, die er weltweit ausgemacht hat, spezialisierte Unternehmen sind. Für ihn sind das Unternehmen, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes aus wasserbezogenen Aktivitäten erwirtschaften. Diese „Pure Plays“ sind im allgemeinen Firmen mit geringer bis mittlerer Kapitaldecke, während die stärker kapitalisierten Unternehmen in der Regel außer Wasser noch andere Bereiche bedienen.

„Wir investieren nur in Nicht-'Pure-Plays', wenn sie mindestens 10 Prozent ihres Umsatzes aus wasserbezogenen Aktivitäten generieren, und sie müssen zu den drei führenden Anbietern in ihren Märkten gehören“, erklärt Peer. Zwar mischt General Electric im Entsalzungssektor ordentlich mit, doch das Gesamtengagement des Unternehmens in Wasser ist für Peers Investitionsabsichten zu gering.

Auf den Zeitpunkt kommt es an

Von den erwarteten 480 Milliarden Dollar an Steuerzuschüssen, mit denen die Regierungen auf der ganzen Welt in den kommenden zwei Jahren grüne Projekte fördern werden, fließen nach Peers Schätzung etwa 20 Prozent, oder 96 Milliarden Dollar, in Wasserprojekte. Die Hälfte davon wird in China und der größte Teil des übrigen Geldes in den Vereinigten Staaten ausgegeben, so Peer.

Obgleich die von Peer vorhergesehenen enormen Ausgaben für die Wasserinfrastruktur größere Investitionen in Wasserunternehmen auslösten dürften, ist nach Peers Auffassung der richtige Zeitpunkt für die Ausgaben wichtig. Zum Beispiel wird Tetra Tech, eine Beratungs- und Ingenieursfirma, einer der ersten Nutznießer sein, während Unternehmen, die größere Rohre herstellen, eher am Ende der Projekte in den Genuss der Förderungen kommen werden.

Peer glaubt, dass American Water Works, die Wasser- und Abwasserdienstleistungen für private, gewerbliche und industrielle Kunden in Nordamerika erbringen, ein günstiger Kauf ist und von dem regulatorischen Klima profitiert, das der Durchsetzung höherer Preise förderlich ist.

Etwas riskanter, aber eine Überlegung wert ist Calgon Carbon, die sich auf Filtrationstechnik spezialisiert haben, aber auch in der Quecksilberentsorgung aktiv sind. Laut Peer wird dies in den Jahren 2010 und 2011 ein großes Thema sein. Insituform Technologies gefallen ihm auch - ein Unternehmen, das Wasser- und Abwasserleitungen mit nur minimalen Ausschachtungsarbeiten und Verkehrsbehinderungen repariert. Peer erwartet in einigen Bundesstaaten, die in den letzten Jahren zu wenig investiert haben, ein höheres Reparaturaufkommen.

Abwässer aus Produktion und Pharmazeutik

Brennan schätzt, dass 70 Prozent der 2 Millionen Meilen unterirdisch verlaufender Wasserrohre in den Vereinigten Staaten ihre Grenznutzungsdauer überschritten haben und ersetzt werden müssen. Die Wasserqualität hat sich in den vergangenen 50 Jahren verschlechtert, weil Produktionsabwässer in Flüsse und Seen geleitet und höhere Konzentrationen verschreibungspflichtiger Medikamente dem Abwasser zugeführt werden. Daraus resultiert ein höherer Bedarf an Abwasseraufbereitung und anderen Wasserreinigungsdienstleistungen. Brennan geht davon aus, dass sich die amerikanischen Umweltschutzbehörde in den nächsten Jahren dieser Problembereiche annehmen wird.

Bozena Jankowska, eine Comanagerin des 53 Millionen Dollar schweren Allianz RCM Global Water Fund, konzentriert sich angesichts der relativen Knappheit anderer spezialisierter Wasserwerte hauptsächlich auf Wasserversorger. Diese Knappheit ist überwiegend das Ergebnis einer industriellen Konsolidierung in den zurückliegenden Jahren, bei der kleinere Technologieanbieter durch Konglomerate wie zum Beispiel GE, Siemens und ITT geschluckt wurden.

„Wenn man also in Technologie investieren will, so bekommt man andere Arten von Produkten“, sagt sie. „Wer ITT kauft, bekommt teils Waffen, teils Wasserpumpen. Bei Danaher erwirtschaftet die industrielle Technologie - darunter auch Wassertechnologie - nur 25,7 Prozent des Gesamtumsatzes, während der Rest medizinische Technologie ist.“

Griff zu Versorgern oder nicht?

Versorgungsdienste sind eine gute Möglichkeit, von den globalen Wachstumsaussichten der Wasserbranche zu profitieren, weil zum einen in Schwellenmärkten alternde Infrastrukturen ausgewechselt und neue Systeme gebaut werden müssen und zum anderen strengere Umweltauflagen Investitionen erzwingen, erklärt Jankowska.

Das in den Vereinigten Staaten zunehmende Bewusstsein für die Notwendigkeit von Investitionen in Infrastruktur veranlasst die Aufsichtsbehörden, höhere Preise für öffentliche Wasserdienstleistungen zu genehmigen. Dadurch wird es den Anbietern möglich, Installationen zu ersetzen, und die Renditen dürften sich im Lauf der Zeit ebenfalls verbessern, meint sie.

Laut Neil Berlant, Lead Manager des PFW Water Fund, wird erwartet, dass die Wasserversorger in den nächsten 20 Jahren bis zu 1 Billion Dollar auf die Verbesserung ihrer Systeme verwenden werden. Berlant meidet Wasserversorger gänzlich, weil er glaubt, dass nichts von dem Geld, das diese Unternehmen für die Sanierung ihrer Systeme ausgeben, um die strengeren lokalen und bundesstaatlichen Auflagen zu erfüllen, zu höheren Einnahmen führen wird.

Aber ist Zugang zu sauberem Wasser nicht ein Menschenrecht?

Es stimmt zwar, dass Versorgungsunternehmen höhere Preise berechnen müssen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Aber das wiederum werde die Verbraucher - sowohl Haushalte als auch Produzenten - veranlassen, nach Möglichkeiten zu suchen, den Verbrauch zu senken. Und das verschlimmert das Problem nur, meint Berlant.

Zwar verfügen die Wasserversorger über „gewaltige Möglichkeiten“, wenn es darum geht, „aus einer Explosion des Interesses an Wasser Gewinn zu schlagen. Trotzdem sehe ich sie nicht an erster Stelle als Investitionskandidaten“, so Berlant. „Ihre Aussichten sind alles in allem nicht mit denen von Unternehmen zu vergleichen, bei denen sie einkaufen müssen, wie Pumpenhersteller und Filterproduzenten.“

Eine weitere Herausforderung, denen sich Versorgungsunternehmen gegenüber sehen, ist der zunehmende Trend in Bundesstaaten wie Connecticut und anderen Ländern, den Zugang zu erschwinglichem, sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu einem Menschenrecht zu erklären. Die Preisimplikationen für Versorgungsunternehmen, deren Geschäft darin besteht, Wasser zur Verfügung zu stellen, ist eines der Themen, mit denen sich das Interfaith Center on Corporate Responsibility in einem neuen Bericht befasst, der öffentliche und private Versorgungsunternehmen in Bezug auf 21 offenzulegende Kernpunkte bewertet.

Berlant bevorzugt Technologieunternehmen wie zum Beispiel Energy Recovery, deren Produkte Wasser auf eine weit weniger energieintensive Weise entsalzen können. Investmentmanager mit sozialem Verantwortungsgefühl dürften den Wunsch haben, sich hier zu engagieren. Aber bei nahezu dem 36-fachen der prognostizierten Erträge für 2009 und mehr als dem 24-fachen der geschätzten Erträge für 2010 ist dies für einige Fondsmanager, darunter Jankowska, zu teuer.

Eine sichere Wette für die Zukunft aber ist, dass Wasser - und die Aktien von Unternehmen, die es liefern und für den menschlichen Verbrauch aufbereiten - in dem Maße teurer wird, wie der Bedarf der Welt an dem lebensspendenden Nass wächst.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

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