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Aktien 2010 Berg- und Talfahrten

15.12.2009 ·  Investmentprofis thematisieren, was das neue Jahr für den Markt mit sich bringen könnte und welche wichtigen Faktoren im Auge zu behalten sind.

Von Ben Steverman
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Die Auslese erfolgversprechender Aktien ist immer ein schwieriges Unterfangen. Obgleich sich die Finanzkrise ihrem Ende zuneigt und der Aufschwung in Sicht ist, werden es uns die Bedingungen im Jahr 2010 nicht einfacher machen.

Bloomberg Business Week fragte Portfoliomanager und andere Investmentprofis nach ihrer Einschätzung der Märkte im Jahr 2010 - und ihrer Aktien-Auslese für das Jahr. Gewinne, Konjunktur und Zinssätze standen ganz oben auf ihrer Sorgenliste.

Kann das Finanzsystem schwimmen?

Die meisten der befragten Experten gehen davon aus, dass die Aktienkurse das Jahr 2010 mit Zugewinnen beenden, aber wenige wagen es, genau vorherzusagen, wohin es letztlich mit dem Markt gehen wird. Die Vielfalt der Aktien, die die einzelnen Anleger auswählten, spiegelt die breitgefächerten Meinungen darüber wider, welche Faktoren den Markt beeinflussen werden.

So herrscht beispielsweise Ungewissheit darüber, wann die amerikanische Notenbank Federal Reserve die Zinssätze anheben wird. Einerseits zeigt die amerikanische Wirtschaft Lebenszeichen. Andererseits herrscht nach wie vor eine hohe Arbeitslosigkeit und das Finanzsystem des Landes benötigt niedrige Zinssätze, um die Schäden einer Kreditkrise zu heilen, die noch nicht beendet ist.

„Kann sich das Finanzsystem ohne Rettungsring in diese Fluten stürzen?“, fragt Michael Church, Präsident von Addison Capital Management. „Ich bin mir nicht sicher, ob die Antwort ja lautet.“

Steigende Zinssätze könnten gefährlich für jene werden, die stark in Anleihen investiert haben. „Wenn die Zentralbanken anfangen, die Zinssätze zu erhöhen, werden wir bald ein negatives Umfeld für festverzinsliche Wertpapiere vorfinden“, glaubt Walter Gerasimowicz, Geschäftsführer von Meditron Asset Management.

Anleger wünschen sich mehr Nachfrage statt weiterer Sparprogramme

Die Maßnahmen, die die Fed im Jahre 2010 ergreift, werden durch die Konjunktur bestimmt. Diese ist auch ein wichtiger Faktor für Aktionäre, die versuchen, die Unternehmensgewinne des kommenden Jahres vorherzusagen.

Im Jahr 2009 schraubten viele Unternehmen ihre Gewinne in die Höhe, indem sie ihre Ausgaben senkten, teilweise durch massive Streichungen von Arbeitsplätzen. Wenn sie jedoch weiter Gewinne ausweisen wollen, die die Wall Street beeindrucken, „muss ein Wiedereinsetzen der Nachfrage erkennbar werden“, meint Michael Alpert, Portfoliomanager bei Seligman Investments.

Da mehr als zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaft auf den Verbraucher ausgerichtet sind, ist die Sorge groß, dass die Arbeitslosigkeit die Nachfrage gering hält, auch wenn sich die Wirtschaft zu erholen beginnt.

Sorgen um den Konsum

Obwohl die Weihnachtssaison für den Einzelhandel noch nicht zu Ende ist, haben Ergebnisse und Besucherzahlen die Anleger bislang noch nicht beeindruckt, sagt Erika Maschmeyer, leitende Einzelhandelsanalystin bei Robert W. Baird. Die Ergebnisse sind „etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die zu hochgesteckt waren“, sagt sie.

„Während wir uns auf das Jahr 2010 zu bewegen, lauten die großen Fragen, wie schnell sich die Wirtschaft erholt und was getan werden kann, um 10 Prozent der Arbeitnehmerschaft wieder in Lohn und Brot zu bringen“, meint Alpert.

Obwohl die meisten Anleger 2010 ein Anziehen der Konjunktur erwarten, könnte dies frustrierend langsam vonstatten gehen“, meint Barry James, Präsident und Portfoliomanager der James Advantage Funds. „Die Wirtschaft wird vor sich hin dümpeln.“

„Übermäßiger Pessimismus“

Thyra Zerhusen, Portfoliomanagerin des Aston/Optimum Mid Cap Fund, traf kürzlich einige Führungskräfte und vernimmt Optimismus. „Sie beobachten ein Anziehen der Geschäftsvolumina“, sagt sie. „Wenn die Geschäfte wieder laufen, könnte es Überraschungen geben.“

Thomas Villalta, Co-Portfoliomanager des Jones Villalta Opportunity Fund, stimmt ihr zu. „Der Markt ist zurzeit erfüllt von übermäßigem Pessimismus“, meint er. Mit zunehmender Nachfrage werden die zusätzlichen Erlöse aufgrund der Kosten senkenden Maßnahmen, die die Unternehmen im vergangenen Jahr vorgenommen haben, besonders gewinnträchtig. Ein Anziehen der Wirtschaft wird Verbraucher wie auch Unternehmen dazu veranlassen, wieder Geld auszugeben, was den Anbietern von Technologie und Gütern des gehobenen Bedarfs zugute kommen dürfte.

Pessimistische Anleger dagegen betonen das Ausmaß, in dem die Wirtschaft trotz Aufschwung von Kreditprobleme belastet werden wird. So kauft Kim Caughey von der Fort Pitt Capital Group Unternehmen mit Ausrichtung auf Schwellenmärkte, die nicht die grundlegenden Schuldenprobleme der Vereinigten Staaten haben. Aufgrund des schwierigen Kreditumfelds dürften außerdem größere Unternehmen besser aufgestellt sein als kleine und Unternehmen mit guten Bilanzen besser als diejenigen, die viele Schulden haben, meint sie.

Mit Glück und Geschick

All diese Ungewissheit und Uneinigkeit könnte 2010 einen volatilen Aktienmarkt zur Folge haben. Das Jahr wird nichts „für schwache Nerven“ werden, meint James. „Geschicklichkeit wird gefragt sein.“

Die volatilen Märkte der Jahre 2008 und 2009 erschwerten die Aktienauswahl. Viele Kurse schwankten heftig, weniger aufgrund spezifischer Faktoren, als der umfassenderen Kräfte des Marktes und der Wirtschaft wegen.

Einige hoffen auf bessere Bedingungen für Anleger die bevorzugt auf Einzelwerte setzen. „Ich glaube, Qualität wird eine Rolle spielen“, meint Alpert. „Wir werden wieder zu einem fundamentalen Markt für Stock-Picker zurückkehren.“

Die Wall Street könnte Unternehmen belohnen, die sich durch starke Ergebnisse im kommenden Jahr von Ihresgleichen abheben. Die Anleger sind nach wie vor mit der Aufgabe konfrontiert, genau zu erkennen, welche Unternehmen 2010 eine gute und welche eine enttäuschende Leistung zeigen werden.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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