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Aktie im Blick Solarworld kämpft um seine Zukunft

Die Pleitewelle in der Solarbranche könnte ein neues Opfer fordern: Solarworld. Der Bonner Konzern ringt ums Überleben. Die Aktie bricht ein, die Unternehmensanleihen notieren bei rund einem Viertel ihres Nennwerts.

© dpa Vergrößern Der Vorstandsvorsitzende der Solarworld AG, Frank Asbeck, muss seinen Aktionären in diesen Tagen neue Hiobsbotschaften überbringen

Das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld kämpft um seine Zukunft. Die Krise in der Solarbranche und der harte Wettbewerb mit China bringen den Bonner Konzern finanziell immer stärker in Bedrängnis. Gläubigern droht nun der Schuldenschnitt.

Denn Solarworld hat am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt, dass gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft notwendig sind, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen. Dies ergab eine externe Überprüfung der Ertrags- und Finanzplanung für die kommenden Jahre.

Es droht der Schuldenschnitt

Ende September hatte Solarworld eigenen Angaben zufolge langfristige Schulden in Höhe von 1,04 Milliarden Euro - darunter 543 Millionen Euro in Anleihen und 354,2 Millionen Euro in Schuldscheinen. Nun könnte die Gläubiger ein Schuldenschnitt ereilen und Solarworld die Pleite drohen. Schon bei Q-Cells bedeutete eine Umschuldung bei den Anleihen den Anfang vom Ende. Die Konsequenz dieser Nachricht:

Die Anleger entzogen Solarworld das Vertrauen. Die Papiere des einstigen Vorzeigeunternehmens brachen im Freitagshandel zeitweise um knapp 30 Prozent ein. Noch zu Jahresbeginn hatte es ganz anders ausgesehen: Anfang Januar erlebte die Solarworld-Aktie ein Hoch, weil der Einstieg des Star-Investors Warren Buffett in ein kalifornisches Solarprojekt in der gesamten Branche für Aufbruchstimmung sorgte. Heute, keine vier Wochen später, stehen Anleger abermals vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur die Aktie hat gelitten, auch die vermeintlich „sicheren“ Unternehmensanleihen von Solarwold stehen massiv unter Druck.

Aktienkurs Solarworld, 1 Jahr

So tendieren Anleihen mit einer Laufzeit bis 2017, sowohl diejenigen mit einem Volumen von 400 Millionen Euro als auch die mit einem Volumen von 150 Millionen Euro, schon seit einiger Zeit unter ihrem Nennwert. Offensichtlich gingen die Marktteilnehmer schon wesentlich früher davon aus, dass Solarworld seine Schulden nicht in voller Höhe würde begleichen können. Die von einem möglichen Schuldenschnitt betroffenen Anleihen gingen am Freitag auf Talfahrt. Die Papiere notierten an der Börse in Stuttgart nur noch bei rund einem Viertel ihres Nennwerts.

Preisverfall in der Branche

Dem einstigen Vorzeigeunternehmen macht insbesondere der Preisverfall in der Solarbranche zu schaffen. Vor allem die Anbieter aus China konnten aufgrund hoher staatlicher Fördermaßnahmen den Weltmarkt mit Photovoltaik-Modulen fluten. Das Überangebot drückte die Preise in den Keller, was zu der jüngst zu beobachtenden Pleitewelle führte.

Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck schrieb schon im November:  „Derzeit können auch diejenigen Solarhersteller nicht profitabel sein, die ihre Kosten gut im Griff haben. Dumping und unzulässige Subventionen haben die nachhaltig gewachsene Solarindustrie massiv geschädigt und in Teilen sogar zerstört.“ Er selbst und die gesamte Branche setzten ihre Hoffnungen auf mögliche Strafzölle der EU auf chinesische Solarimporte.

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Dabei deuteten schon die jüngsten Geschäftszahlen von Solarworld auf eine Krise. Der Konzernumsatz fiel aufgrund des anhaltenden Preisdrucks in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012 auf 468,9 Millionen Euro und damit unter das Vorjahresniveau von 752,4 Millionen Euro. Daneben war das operative Ergebnis bei Minus 189,6 Millionen Euro klar negativ. Der Verlust lag sogar bei 230,0 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein kleiner Gewinn von 11,2 Millionen Euro zu Buche stand.

Das Unternehmen selbst geht noch von einer möglichen Rettung aus. Demnach prognostiziert Solarworld, „dass eine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass die erforderliche finanzwirtschaftliche Restrukturierung und notwendige Maßnahmen operativer Art - im allseitigen Interesse - umgesetzt werden können und somit eine positive Fortführungsprognose besteht“.

Neue Analystenstimmen

Seitens der Analysten gab es schon die ersten Kommentare zur aktuellen Situation bei Solarworld. Die britische Investmentbank HSBC hat beispielsweise die Einstufung für Solarworld „Untergewichten“ mit einem Kursziel von 1,00 Euro belassen. Die Stimmung für die Hersteller im Bereich Erneuerbare Energien sollte den Tiefpunkt erreicht haben, schrieb Analyst Sean McLoughlin in einer Branchenstudie vom Freitag. Wegen der niedrigen Gewinne sowie der schwer vorhersagbaren Cashflow-Entwicklung sollte die Volatilität aber hoch bleiben, weshalb die Anleger bei ihrer Titelauswahl selektiv vorgehen sollten. Bei Solarworld bleibe er wegen der Berichte über Kurzarbeit sehr vorsichtig, was die kurzfristigen Geschäftsperspektiven angehe, zumal das Unternehmen sehr stark vom deutschen Markt abhängig sei. Andererseits:

Schaut man sich den langfristigen Chart an, so ist klar zu erkennen, dass die Gewinne zu Jahresbeginn nicht mehr als ein Strohfeuer gewesen waren. Mittel- und langfristig ist der Abwärtstrend des Papiers intakt. Die Aktie scheint momentan wohl nur noch etwas für (sehr) Mutige zu sein.

Quelle: FAZ.NET, dpa

 
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