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Aktie im Blick Die Analysten lieben die Allianz

 ·  Die Allianz gehört unbedingt ins Depot, da sind sich Experten einig. Die Schwäche der Konkurrenten wird dem Marktführer nützen.

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Lautes Jammern und Wehklagen gehört bei der Versicherungsbranche zum Handwerk. Das kennt man seit Jahren. Doch selten ging es der Branche so schlecht wie ausgerechnet jetzt, findet sie: Gesetzesänderungen, strengere Eigenkapitalvorschriften, andauernde Niedrigzinsen trotz hoher Garantiezusagen an die Kunden - und immer mehr Sparer, die verunsichert sind und deshalb immer seltener teure und zudem lang laufende Verträge abschließen. Wie soll man da noch Geld verdienen?

Vor allem um die Zukunft einiger Lebensversicherer macht sich das Finanzministerium nun Sorgen, verrieten interne Papiere. Nur wenn man in das Unternehmen Allianz hineinhört, klingt das ganz anders. Der Marktführer schreibt ein „drittes starkes Quartal in Folge“, er meldete jüngst, „das Ergebnis übertrifft die Erwartung“, und er freut sich über seine „dynamische Geschäftsentwicklung“.

80 Prozent der Analysten raten zum Kauf

Das Jahr 2012 lief aller Voraussicht nach besser als gedacht, und auch künftig will der Versicherungsgigant noch kräftig zulegen. Die Allianz-Aktie ist deshalb derzeit der große Favorit der Analysten. Rund 80 Prozent der Einschätzungen in den vergangenen Wochen lauteten auf „Kaufen“ - ein Traumwert. Wie konnte es passieren, dass ausgerechnet ein Unternehmen dieser angeschlagenen Branche zum Liebling der Aktienbeobachter werden konnte - wo selbst Ratingagenturen wie Moody’s über die schwache Rentabilität und zu geringe Eigenkapitalquoten der ganzen Branche klagen? Gerade deshalb, sagen die Analysten: Weil die Mitbewerber gerade ächzen, könne der Marktführer nun seine volle Kraft ausspielen.

Die Allianz ist größter Versicherungskonzern Europas. Sie verwaltet mit Abstand die meisten aller deutschen Policen und allein zehn der 94 Millionen deutschen Lebensversicherungsverträge. Zudem hat sie auch im Bereich der Nicht-Lebens-Policen - wo viele Mitbewerber schwächeln - eine starke Position: In der Sparte der Schaden- und Haftpflichtversicherer gilt sie sogar als globaler Marktführer und ist auch sonst extrem breit aufgestellt. Auch ihr neuerdings verstärktes Engagement im Bankbereich wird sich wohl bald für sie auszahlen, schätzen Branchenbeobachter. Mit der Vergabe von Krediten und Parkkonten mit Tagesgeldcharakter verschaffen sich viele Versicherer neuerdings mehr Geschäft und zusätzliche Einnahmen.

„Bondkönig“ Pimco

Außerdem hat die Allianz noch ein Ass im Ärmel: den Vermögensverwalter Pimco. Den „Bondkönig“, so nennt man ihn in Finanzkreisen auch, hat der Münchener Konzern vor zwölf Jahren übernommen. Damals warnten viele, der Kaufpreis sei zu hoch und das Geschäft zu gewagt. Doch seitdem ist Pimco jährlich weiter gewachsen. Die amerikanische Kapitalanlagegesellschaft hat sich auf die Anlage in Anleihen und anderen Rentenpapieren spezialisiert und ist eines der größten Unternehmen in diesem Segment. Neuerdings mischt sie auch bei Indexfonds mit. Ihr gesamtes verwaltetes Anlagevermögen liegt bei rund 1900 Milliarden Dollar. Sie gehört seit Jahren zu den gefürchtetsten Geldvermehrern weltweit.

Wenn Pimco seine amerikanischen Staatsanleihen abstößt, wie 2011, geht ein Raunen durch die Märkte. Wenn Pimco sagt, italienische und spanische Staatsanleihen könne man wieder kaufen wie im Sommer, wagen viele Großinvestoren es auch. Und wenn Pimco warnt, am Goldmarkt bilde sich eine Blase, dann halten Investoren den Atem an. Was Marktbeobachter am meisten überrascht: Selbst in diesen turbulenten Zeiten, in denen viele Anleger lieber die Finger von Staats- und Firmenanleihen lassen, erzielen die Pimco-Chefanleger jährlich wachsende Gewinne. Inzwischen tragen die Bondverwalter rund ein Viertel zum Allianz-Konzernergebnis bei, mehr als zwei Milliarden Euro. Da müssen sich selbst die Aktienstrategen und sonstige Anlageexperten im Hause Allianz warm anziehen.

Gute Aussicht auf weitere Gewinne

Doch auch die sind im Vergleich zum Markt ganz gut aufgestellt. Im Schnitt, so sagen Branchenvergleiche, erzielten die Lebensversicherer - zwischen 2007 und 2011 trotz Minizinsen und schwierigem Marktumfeld - mit der Anlage ihrer Kundengelder noch 4,1 Prozent Rendite. Am besten lief es bei der Debeka mit 4,9 Prozent. Marktführer Allianz schaffte immerhin 4,39 Prozent und liegt auf Platz 13 von knapp 80 Versicherern. Nun haben alle Unternehmen bei der Anlage der Kundengelder in den vergangenen Jahren sinkende Renditen hinnehmen müssen. Doch selbst diesen Rückgang müssten die Versicherer leicht ausgleichen können, stellte eine europäische Branchenstudie gerade fest, indem sie ihre Kosten senkten. In der Hinsicht liegt die Allianz weit vorn: An ihre Verwaltungskostenquote von 1,1 Prozent reichen die wenigsten anderen Mitbewerber heran. Einzig drei Direktversicherer halten da mit.

Die Aussichten auf weitere Gewinne stehen also gut. Selbst die von den Unternehmen so bekämpften Unisextarife spielen ihnen höchstwahrscheinlich in die Hände: Dadurch können sie demnächst satte Preiserhöhungen durchsetzen. Sie erheben nämlich nun üppige Sicherheitszuschläge von männlichen wie weiblichen Kunden. Einen Teil davon können sie später als Risikogewinne einstreichen. Auch das also müsste sich für den Marktführer auszahlen. Zudem ist die Allianz gut mit Geld gesegnet, wo andere über Kapitalknappheit stöhnen: Ein paar Milliarden hat sie frei verfügbar und kann damit Übernahmen finanzieren. Die Fusion mit der Provinzial hat zwar kurz vor Weihnachten nicht geklappt, doch mit einem Zukauf 2013 könnte der Marktführer seine Position weiter stärken.

Von den Zahlen her überzeugt die Allianz derzeit die allermeisten Analysten. Die loben ihre Bilanz als solide und das Management als stark. Und sie verweisen darauf, dass die Aktie an der Börse derzeit unterbewertet ist: Obwohl sie 2012 einen beeindruckenden Höhenflug von 75 auf 105 Euro hingelegt und gerade erst ein 18-Monats-Hoch geknackt hat, liegt der Börsenwert des Versicherers noch immer etliche Milliarden unter dem, was er an Eigenkapital laut Bilanz besitzt. Das bedeutet: Der Kurs müsste noch weiter steigen, bis die Aktie wieder fair bewertet ist. Hier halten etliche Marktbeobachter 120 oder sogar 130 Euro für realistisch. Doch für den Fall, dass die Branche doch Unwägbares erlebt und mit dem Jammern recht behält, sollte der Anleger eines tun: unbedingt bei rund 75 Euro einen Stoppkurs setzen.

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Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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