Der Dax-Konzern schaffte es im vergangenen Quartal die Schwächen in Europa durch das florierende Geschäft in den Schwellenländern mehr als auszugleichen, so dass auch die Jahresprognose bestätigt werden konnte. Das ist nicht selbstverständlich, wie jeder Anleger in den vergangenen Wochen während der aktuellen Berichtssaison erfahren konnte. Eine Jahresprognose zu bestätigen – für viele Unternehmen war dies zuletzt nicht mehr möglich zu kommunizieren. Zu sehr hatte die Schuldenkrise und die damit verbundene Zurückhaltung der Verbraucher in den vergangenen Monaten Umsatz, Gewinn und Margen von Unternehmen belastet.
Solide Quartalszahlen
Zwischen Juli und September konnte wiederum Henkel Umsatzerlöse von 4,29 Mrd. Euro erzielen und damit 6,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Organisch stieg der Umsatz um 2,5 Prozent. Das betriebliche Ergebnis (EBIT) stieg von 451 Mio. Euro auf 586 Mio. Euro. Damit lag die Umsatzrendite bei 13,6 Prozent nach 11,2 Prozent im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Beim Quartalsüberschuss ging es nach Abzug nicht beherrschender Anteile von 307 Mio. Euro im Vorjahr auf 397 Mio. Euro nach oben. Der bereinigte Quartalsüberschuss betrug 429 Mio. Euro gegenüber 366 Mio. Euro im Vorjahresquartal.
„ Wir haben in allen Unternehmensbereichen profitables Wachstum erzielt und die EBIT-Marge noch einmal deutlich auf einen neuen Rekordwert verbessert. Diese Entwicklung basiert auf der klaren Ausrichtung auf unsere strategischen Prioritäten. Wir sind auf einem sehr guten Weg und fest davon überzeugt, unsere Ziele für das Gesamtjahr 2012 zu erreichen“, sagte Kasper Rorsted, Vorsitzender des Vorstands. Aufgrund des guten Geschäftsverlaufs im bisherigen Jahresverlauf ist das Henkel-Management überzeugt, die gesteckten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen:
Magerer Ausblick
Demnach wird ein organisches Umsatzwachstum zwischen 3 und 5 Prozent und für die bereinigte EBIT-Marge ein Anstieg auf 14 Prozent erwartet. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie soll um rund 15 Prozent wachsen. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen blickte man bei Henkel aber auch mittelfristig positiv in die Zukunft:
Das Unternehmen sieht starkes Potenzial für ein beschleunigtes Wachstum und steigende Profitabilität in allen Unternehmensbereichen. Bis 2016 will Henkel seinen Umsatz insgesamt auf 20 Mrd. Euro steigern, davon sollen 10 Mrd. Euro in den Wachstumsmärkten erzielt werden. Für das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) strebt Henkel bis 2016 im Durchschnitt ein jährliches Wachstum (Compound Annual Growth Rate) von 10 Prozent an.
Am Aktienmarkt kamen diese Zahlen und vor allem der Ausblick nur bedingt gut an. Die Henkel-Aktie gehörte mit einem Minus von 5 Prozent am Freitagmittag zu den größten Verlierern im Dax. Anleger und Analysten zeigten sich enttäuscht, dass das Management für 2016 kein zuvor erwartetes Margenziel von 16 Prozent ausgegeben hatte. Zudem dürften einige Investoren die Gelegenheit genutzt haben, einige Gewinne mitzunehmen. Denn der Aktienkurs wurde innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.
Analysten enttäuscht
Laut Händlern fielen die Zahlen für das dritte Quartal mehr oder weniger wie erwartet aus. Nach Ansicht eines Börsianers war aber das organische Wachstum etwas niedriger ausgefallen. Ein weiterer Marktteilnehmer wertete die Aussagen zum Ausblick als nicht wirklich beeindruckend. Für das Gesamtjahr sieht sich der Konsumgüterhersteller zwar auf einem guten Weg und setzte sich neue mittelfristige Ziele bis 2016. Er habe das Ziel einer jährlichen Gewinnsteigerung um zehn Prozent aber etwas höher erwartet, so der Börsianer. Enttäuschend sei auch, dass Henkel nichts zur erwarteten Profitabilität gesagt habe.
Analyst Thomas Maul von der DZ Bank hob beispielsweise in seinem ersten Kommentar hervor, dass sich die Investoren vor allem auf die mittelfristigen Ziele konzentrieren dürften. Wie der Händler sah er es als Enttäuschung an, dass es von Henkel keine Zielsetzung für die operative Gewinnmarge (EBIT) gegeben habe. Gemeinsam mit schwachen organischen Umsätzen in der Klebstoffsparte sah er dies als Belastung für die Aktie an. Die Zahlen insgesamt seien im Rahmen der Erwartungen und gäben deshalb keinen Anlass für steigende Marktschätzungen.
Weitere Analysten äußerten sich ähnlich. Ein Experte sah die Aussagen zur Strategie wegen der fehlenden Margenprognose ebenfalls als enttäuschend an. Das für 2016 angepeilte Ziel eines Umsatzes von 20 Milliarden Euro sowie eines jährlichen Anstiegs des Gewinns je Aktie um zehn Prozent decke sich aber in etwa mit seinen Erwartungen. Im Rahmen der Telefonkonferenz werde der Markt besonders auf Aussagen zu möglichen Zukäufen achten, fügte er hinzu. Ein weiterer Analyst bewertete die Zahlen sogar als einen Tick besser als erwartet – er betonte zugleich aber auch, dass das Hauptaugenmerk der Anleger auf den mittelfristigen Prognosen liege.
Übernahmen geplant
Der Konsumgüterriese Henkel stimmte so ganz nebenbei auch seine Aktionäre auf größere Übernahmen ein. Wachstum habe für Henkel Priorität und das Wachstum könne durch Übernahmen angekurbelt werden, sagte Finanzchef Carsten Knobel vor Analysten in London. Henkel habe seine Finanzschulden deutlich abgebaut, betonte er. Der Konzern werde seine Mittel in erster Linie einsetzen, um Wachstum zu generieren.
Knobel und Konzernchef Kasper Rorsted ließen aber offen, ob Henkel das Geschäft mit Klebstoffen oder die Waschmittel- sowie Kosmetiksparten des Konzerns mit Zukäufen stärken will. Dies hänge auch von den Gelegenheiten für Übernahmen ab. Henkel hat über Jahre keine großen Zukäufe gestemmt. Die letzte milliardenschwere Übernahme fand 2008 statt - damals hatte Henkel die Klebstoffstparte gestärkt.
Charttechnik kurzfristig angeschlagen
Keine Frage – wer eine Henkel-Aktie als langfristig ausgerichteter Anleger seit Jahren in seinem Depot hat, dürfte weiter entspannt auf den Chart blicken können. Der langfristige Aufwärtstrend (GD200) ist unverändert intakt. Dunkle Wolken gibt es eher am kurzfristigen Horizont. Die jüngsten Kursverluste haben die Aktie auf ein neues Vier-Wochen-Tief und unter den GD20 und GD50 fallen lassen – vielleicht ein gute Möglichkeit zum Einstieg?