Die Mitarbeiter von Henkel dürfen sich wohl freuen. Ihnen winkt aller Voraussicht nach eine Sonderzahlung. Nämlich dann, wenn in diesem Jahr - wie geplant - das Ziel einer bereinigten operativen Marge von 14 Prozent erreicht wird. Die hierzulande beschäftigten Henkelaner sollen mindestens tausend Euro Sonderprämie erhalten, verlautete unlängst. Den außertariflich bezahlten Angestellten und vor allem dem Vorstand steht eine deutlich höhere Zahlung ins Haus.
Die Aktionäre, deren professionelle Sprecher seit Jahren in den Hauptversammlungen allenfalls die niedrige Ausschüttungsquote des Dax-Titels bemäkeln, dürfen sich derweil über einen robusten Kursanstieg freuen: Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs um fast 40 Prozent zugelegt und damit die gute Entwicklung des Leitindex Dax bei weitem übertroffen. Anfang des Monats hat die Aktie mit 64,15 Euro sogar den höchsten Kurs ihrer mehr als 25-jährigen Börsenkarriere erreicht. In einem insgesamt abgekühlten Börsenumfeld ist sie derzeit allerdings wieder fast 2 Euro billiger zu haben.
Dass der Düsseldorfer Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffkonzern mit Marken wie Persil, Pril oder Pritt in diesem Jahr das 2008 ausgerufene, damals noch als überaus ambitioniert eingestufte Renditeziel von 14 Prozent erreichen wird, gilt nach den jüngsten Konsensschätzungen als abgehakt. Schon zum Halbjahr konnte der Vorstandsvorsitzende Kasper Rorsted eine Marge von 14,1 Prozent präsentieren. Die Blicke der Wertpapierfachleute und Investoren richten sich nun auf den 16.November. An diesem Tag nämlich will der Henkel-Chef nicht nur den Bericht über das dritte Quartal vorlegen.
Er will auch neue Mittelfristziele verkünden und berichten, wie es in dem familiengeprägten Konzern weitergehen soll. Wie schon 2008, als Rorsted dort seinen ersten großen öffentlichen Auftritt als der Neue an der Henkel-Spitze absolvierte, ist wieder London als Veranstaltungsort gewählt. Marktbeobachter trauen dem Düsseldorfer Konzern mehr zu. So ist die Berenberg Bank kürzlich zu dem Ergebnis gekommen, dass Henkel bis 2016 eine Rendite von 18 Prozent erwirtschaften könnte. Henkel habe hohes Steigerungspotential, heißt es dort. Ob der Vorstand überhaupt ein neues Ziel in feste Prozentzahlen gießt, ist allerdings nicht ausgemacht.
Es sei eher zu vermuten, dass Henkel einen Fahrplan vorlege, wie auch in Zukunft ein zweistelliges Gewinnwachstum erreicht werde solle, meinen etwa die Fachleute von Morgan Stanley. Nach längerer Abstinenz könnten angesichts guter Finanzpolster auch wieder externes Wachstum, also Akquisitionen, ins Blickfeld rücken, meinen andere Fachleute. Die Erwartungen der Märkte sind jedenfalls hoch. Was die Analysten der Banken angeht, so rieten zuletzt 40 Prozent der Stimmen zum Kauf, 39 Prozent zum Halten und nur 21 Prozent zum Verkauf.
Zumindest in den ersten beiden Quartalen ist es dem Markenartikel-Konzern gelungen, trotz Euro-Krise und Konsumflaute in Teilen Europas auf Rekordkurs zu bleiben. Wettbewerber wie Procter&Gamble oder Reckitt Benckiser hingegen hatten im Sommer von Bremsspuren berichten müssen. Zwar wurde auch Henkel im zweiten Quartal mit einer spürbar verschlechterten Konsumsituation in den Krisenländern Südeuropas konfrontiert, greifen die Verbraucher dort inzwischen verstärkt zu billigen Produkten.
Insgesamt hat sich die vor vier Jahren aufgesetzte Strategie, sich auf sehr viel weniger, dafür aber margenstärkere Marken zu konzentrieren, die Innovationen voranzutreiben, die Präsenz in den Schwellenländern zu forcieren und parallel dazu Kostenprogramme zu fahren, bisher aber bewährt. Dass das wirtschaftliche Umfeld auch im weiteren Jahresverlauf sehr volatil bleiben wird, darauf hat Rorsted schon Anfang August eingestimmt.
Nomura Equity Research stellt sich denn auch für das dritte Quartal auf einen „gemischten Trend“ bei Henkel ein. Bei der niederländischen Bank ING wird angemerkt, dass Henkel im größten Geschäftsfeld, der Klebstoffsparte, jetzt die Abschwächung auf dem Automobilmarkt zu spüren bekommen könnte. Wenn sich der gespannte Blick der Anleger auf Rorsteds nächsten Auftritt in London richtet, so werden zwar seine Mittelfristvisionen im Fokus stehen. Kaum weniger aufschlussreich wird allerdings sein, ob die Düsseldorfer aktuell das Tempo halten können und wie sie das erreichen wollen.