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Agraraktien Sekt oder Selters?

29.05.2009 ·  Neueste Nachrichten von Monsanto lassen darauf schließen, dass vielen Agraraktien zumindest auf kurze Sicht ein steiniger Weg bevorsteht. Eine überraschende Gewinnwarnung dämpft langfristige Erwartungen nur vorübergehend.

Von Ben Steverman
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Rezession hin oder her, gegessen wird immer. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass Agraraktien in der gegenwärtigen Rezession florieren würden.

Selbst jetzt, da Anleger von einer wirtschaftlichen Erholung zu träumen wagen, hängen weiterhin dunkle Wolken über den großen Agrarkonzernen. Am 27. Mai trat der Branchenriese Monsanto mit schlechten Nachrichten an die Öffentlichkeit. Im Zuge der lebhaften Nachfrage nach dessen genverändertem Saatgut zur Steigerung der Ernteerträge erreichte die Aktie des Unternehmens in den vergangenen Jahren nie erreichte Höhen. Am 27. Mai enttäuschte Monsanto die Börsianer jedoch mit der Mitteilung, dass der Gewinn im laufenden Jahr am unteren Ende der bislang in Aussicht gestellten Spanne liegen könnte.

Monsanto überraschte mit einer Gewinnwarnung

Schuld daran ist indes nicht Monsantos Saatgutsparte, sondern das unter dem Markennamen Roundup betriebene Geschäft mit Herbiziden. Das von diesem Geschäftsbereich erwirtschaftete Bruttoergebnis könnte von den zuvor prognostizierten 2,4 Milliarden Dollar auf rund 2 Milliarden Dollar sinken, warnte das Unternehmen.

Monsanto-Chef Hugh Grant strich die positiven Aspekte hervor. „Trotz des bei Roundup erwarteten Ergebnisrückgangs um 400 Millionen Dollar sehen wir weiterhin die Möglichkeit, im fünften Jahr in Folge ein Gewinnwachstum von mindestens 20 Prozent zu erzielen“, sagte Grant auf einer Investmentkonferenz.

Wettbewerbsdruck durch Generika

Nach Auslaufen des Patentschutzes für Monsantos Totalherbizid Roundup produzieren ausländische Wettbewerber nun Unmengen günstiger generischer Alternativen mit dem Roundup-Wirkstoff Glyphosat. Citigroup-Analyst P.J. Juvekar bezeichnet die Glyphosat-Exporte aus China als „Ansturm“. „Auf längere Sicht werten wir Monsantos Wachstumsaussichten nach wie vor positiv, da die Pipeline des Unternehmens im Bereich der grünen Gentechnik im Wettbewerb ihresgleichen sucht“, schrieb Juvekar am 17. Mai. Billige Konkurrenz in seiner Agrochemie-Sparte sorgt jedoch für „kurzfristigen Druck“, so Juvekar weiter.

UBS-Analyst Don Carson senkte seine Prognosen für Monsanto, wobei er sowohl die Konkurrenz aus China als auch eine für die Mais- und Sojabohnenaussaat nachteilige Witterung anführte. „Die verzögerte Pflanzsaison in den amerikanischen Anbaugebieten hat die im vergangenen Herbst begonnene Periode schwacher Nachfrage verlängert“, schrieb er am 27. Mai.

Daneben hat der Landwirtschaftssektor nach wie vor mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen. Landwirte kämen weiterhin nur schwer an Kredite, schreibt Credit-Suisse-Analyst Rohan Gallagher in seiner am 25. Mai veröffentlichten Branchenstudie. Seinen Prognosen zufolge könnten sowohl die Einkommen als auch die Investitionsausgaben landwirtschaftlicher Betriebe 2009 auf ein Sechsjahrestief fallen. „Landwirte schieben die Anschaffung von Düngemitteln weiter auf die lange Bank und kurzfristig ist mit keiner wesentlichen Verbesserung der Nachfrage zu rechnen“, so Gallagher.

Steigende Preise für Agrarrohstoffe

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten für die Landwirtschaft: Die Preise für Rohstoffe - etwa für Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse - sind im Zuge aufkeimender Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung gestiegen. Im Gefolge dieser Entwicklung zogen auch die Kurse einiger Agraraktien an. Das Papier von Monsanto gab am 27. Mai allerdings um 6,3 Prozent auf 79,88 Dollar nach und machte damit sämtliche im Mai erzielten Kursgewinne wieder zunichte. Die Aktien der großen Düngemittelkonzerne Mosaic und Potash konnten im Mai dagegen um jeweils rund 40 Prozent zulegen.

Nach Ansicht von Citigroup-Analyst Juvekar sei 2009 ein „miserables Jahr“ für die Nachfrage nach Kaliumkarbonat (ein Hauptbestandteil von Düngemitteln). Dennoch stufte er Düngemittelhersteller am 21. Mai herauf, da sich ein anhaltender Anstieg der Getreidepreise positiv auf die Aktienkurse dieser Unternehmen auswirken könnte. Ein knappes Getreideangebot und eine verzögerte Pflanzsaison in den Vereinigten Staaten sorgten für Aufwärtsdruck auf die Preise, ebenso wie „die Verbesserung der Kreditbedingungen sowie eine Stabilisierung einiger Industrie- und Konsumgütermärkte“, so Juvekar

Veränderungen der Rohstoffpreise, gute oder schlechte Witterung, das Auf und Ab der Kreditmärkte sowie die Konjunkturaussichten können bei Agraraktien zu heftigen Kursschwankungen führen.

Ausblick auf 2010: Rekordjahr für amerikanische Farmer?

Um erfolgreich zu sein, müssen Investoren über die gegenwärtige Situation hinausblicken und die Dynamik zukünftiger Vegetationsperioden einschätzen. Die Monsanto-Aktie „könnte noch eine Weile abgestraft werden“, meint Vincent Andrews, Analyst bei Morgan Stanley. Ein „möglicher positiver Kurstreiber“ der Aktie sei jedoch „die Wahrscheinlichkeit, dass 2010 ein Rekordjahr für die Gewinne amerikanischer Maisfarmer werden könnte“, schrieb er am 27. Mai.

Viele in Agraraktien engagierte Investoren blicken noch weiter in die Zukunft. Russell Croft, Manager des Croft Value Fund, besitzt Aktien sowohl von Monsanto als auch von Potash. Auf sein Engagement in Agraraktien angesprochen, nennt Croft das „starke Anlagethema der weltweit aufstrebenden Mittelschicht.“ Wohlhabendere Bevölkerungsschichten in Indien, China und anderen Schwellenländern gehen mit einer wachsenden Nachfrage nach Fleisch einher. Dies erhöht den Bedarf an Düngemitteln und genverändertem Saatgut, um die Ernteerträge von Getreide als Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel zu steigern. Dieser Trend „könnte sich im Zuge der globalen Rezession zwar verlangsamen“, räumt Croft ein, doch „länger als diese wird die Verlangsamung nicht anhalten“.

Warten auf die Erholung

Diese Logik führte dazu, dass die Aktienkurse von Monsanto und von Düngemittelproduzenten wie Potash im Juni 2008 astronomische Höhen erreichten. Danach rauschten die Kurse talwärts, was wertorientierte Investoren wie Croft zum Kauf nutzte.

Die Monsanto-Aktie ist derzeit 75 Prozent von ihrem vorherigen Höchststand entfernt, das Papier von Potash mehr als 50 Prozent.

Für Agraraktien stellt sich also die Frage, ob der im vergangenen Jahr verzeichnete Optimismus ein einmaliges Phänomen war oder ob er durch eine weltweite konjunkturelle Erholung im kommenden Jahr erneut erblühen kann.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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