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Ängste der Anleger : Warum fallen die Kurse an den Finanzmärkten?

Warum fallen die Aktienkurse? Bild: dpa

Rund um den Globus fallen die Börsenkurse, besonders die Banken stehen im Fokus. Was ist da los? Hier kommen vier Erklärungen, die gerade herumgereicht werden.

          Wieder ein Tag, an dem die Aktienkurse fallen. Der deutsche Standardwerteindex Dax befindet sich an diesem Nachmittag auf rund 8900 Punkten – in diesem Jahr hat er damit rund 2000 Punkte eingebüßt. Vor allem Bankaktien büßen viel an Wert ein. Schon zu Wochenbeginn verringerte sich der Wert der Anteile am heimischen Branchenprimus Deutsche Bank um zehn Prozent. Gerüchte machten die Runde, die Bank könne vielleicht Zinsen auf sehr spezielle Krisenanleihen (CoCo-Bonds) nicht zahlen. Dass die Führung des Geldhauses sich gezwungen sah, an diesem Dienstag öffentlich zu versichern, sie werde pünktlich zahlen, ist nicht überall als Vertrauen erweckend aufgenommen worden.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings: Kursverluste verzeichnet nicht nur die Deutsche Bank, sondern Finanzhäuser in anderen europäischen Ländern, in Amerika und überhaupt sinken die Aktienkurse insgesamt nun schon im zweiten Monat des neuen Jahres. Einen richtigen Reim darauf machen kann sich derzeit - zumindest öffentlich - niemand. Hier kommen einige Erklärungen, die herumgereicht werden.

          1. Faule Kredite an Energiefirmen

          Durch den von mehr als 100 auf rund 30 Dollar eingebrochenen Ölpreis bekommen Unternehmen aus der Energiebranche Probleme. Große Konzerne entlassen Mitarbeiter und melden mitunter Milliardenverluste. Kleinere Firmen, zum Beispiel Fracker in den Vereinigten Staaten, geraten sogar in existentielle Schwierigkeiten, lautet eine große Furcht unter Anlegern. Das könnte Folgen haben. Denn diese Unternehmen haben teils hohe Kredite aufgenommen, auf denen die entsprechenden Banken sitzenbleiben könnten. Die Frage ist, um wie viel Geld es dabei geht. Sogenannte Hochzinsanleihen von Energieunternehmen haben in den Vereinigten Staaten ein Volumen von insgesamt wohl rund 30 Milliarden Dollar – so hoch wäre der Schaden also, wenn alle diese Papiere ausfallen würden, was wiederum ein extremes Ereignis wäre. Daneben haben Banken aber auch ganz klassische Kredite an die Branche vergeben. Der amerikanische Fernsehsender CNBC berichtet über eine Schätzung der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, der zufolge die drei größten Banken der Vereinigten Staaten Kredite im Volumen von weniger als 60 Milliarden Dollar an die Energiebranche ausstehend haben. Angesichts der riesigen Gewinne der Geldhäuser alleine im vergangenen Jahr dürfte das aber eher keine große Bedrohung sein.

          2. Verlustbringende Finanzprodukte auf Rohstoffe

          Louis Gave vom unabhängigen Analysehaus Gavekal brachte unlängst eine Möglichkeit in die Debatte, wie die Banken vielleicht doch sehr stark von den gesunkenen Rohstoffpreisen betroffen sein könnten – über sogenannte Rohstoff-Derivate. Rohstoffunternehmen könnten sich, so die Überlegung, abgesichert haben gegen zu starke Preiseinbrüche und die entsprechenden Versicherer sind Finanzinstitute. Den außerbörslichen Derivate-Bestand in diesem Bereich beziffert Gave auf rund 2 Billionen Dollar und verweist auf Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Inklusive der an Börsen gehandelten Derivate kommt er auf ein Volumen von 4 Billionen Dollar – das wäre schon eine große Summe, die tatsächlich Banken in Schieflage bringen könnte. Aus amerikanischen Finanzkreisen ist indes zu hören, dass viele Banken infolge neuer Regulierungen nach der Finanzkrise ihre Rohstoff-Teams stark reduziert oder ganz abgeschafft haben. Das würde bedeuten, dass nicht die ganz großen allgemeinen Banken darin verwickelt sein würden.

          3. Gesunkene Gewinne

          Angesichts der nach wie vor sehr niedrigen Zinsen verdienen die Banken zumal in Europa eher weniger Geld. Daran ändert sich auch erst einmal nichts, sagen diejenigen, die diese These als Grund hinter den fallenden Aktienkursen vermuten. Hinzu kommen neue Haftungsregeln in Europa, nach denen Gläubiger künftig stärker oder überhaupt beteiligt werden sollen, wenn Banken in Schwierigkeiten geraten - und nicht mehr zuerst der Steuerzahler. In Ländern wie Italien könnte eine Konsolidierung der Branche in nächster Zeit bevorstehen, heißt es mitunter. Das hat an der Börse natürlich schnell Auswirkungen auf andere Häuser. Diese Überlegung kann aber eher nicht erklären, warum auch amerikanische Bankaktien starke Wertverluste verzeichnen.

          4. Schwache Konjunktur

          Seit Jahresanfang machen wann immer die Aktienkurse nachgeben, Begründungen die Runde, die Anleger sorgten sich um die Konjunktur - mal in China, mal in Schwellenländern insgesamt, mal in den Vereinigten Staaten, mal in Europa. Natürlich kann das einen Einfluss auf die Börsenkurse haben. Tatsächlich haben sich aber faktisch weder gesamtwirtschaftliche Kennzahlen substantiell verschlechtert noch die Gewinne, die die Unternehmen bekannt geben. Diese Theorie wirkt von allen beschriebenen am wenigsten plausibel, weil sie nicht wirklich darauf eingeht, warum gerade Finanzwerte und Energieaktien so schwach sind und Aktienkurse zusammen mit dem Ölpreis sinken und steigen.

          Quelle: FAZ.NET

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