http://www.faz.net/-gv6-8dtcr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.02.2016, 10:45 Uhr

Wertpapierhandel 5 Gründe, keine Angst vor Aktien zu haben

Die Börsenkurse sind tief gefallen. Aber es gibt keine bessere Form der Geldanlage: Fünf Gründe für die Aktie. Trotz alledem.

von
© Getty Es bröckelt, aber dennoch sollte man sich nicht vor dem Aktienkauf scheuen.

1. Grund: Firmen gehen unter, die Börse gewinnt immer

Der Jahresanfang hat gezeigt, wie schnell es an der Börse bergab gehen kann: Minus 12 Prozent in sechs Wochen – das ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf längere Frist sieht es für einzelne Aktien noch schlimmer aus: Wer Commerzbank-Papiere zum Höchstkurs erwischt hat, hat 97 Prozent des Vermögens, also praktisch alles verloren. Wer bei Deutscher Bank, Infineon oder Deutscher Telekom einst am Höhepunkt eingestiegen ist, hat mehr als 80 Prozent eingebüßt. Und auch wer den angeblichen Witwen- und Waisenpapieren Eon und RWE vertraut hat, muss sich mit der Gewissheit anfreunden, dass die Energiekonzerne wohl nie wieder ihre einstigen Kurse sehen werden.

Dyrk Scherff Folgen:

Solche Horrorzahlen sind es, welche die Leute von der Börse vertreiben: Hände weg also von Aktien, alles viel zu riskant? Mitnichten. Auch vorsichtige Anleger sollten sich davon nicht schrecken lassen, sofern sie einige Regeln beachten. Einzelne Aktien mögen riskant sein, die Börse insgesamt aber ist ein Motor des Wohlstands. Wer am wirtschaftlichen Wachstum in der Welt teilhaben will, darf nicht abseits stehen.

Keine Sorgen wegen Krisen

Drei Voraussetzungen müssen dazu gelten. Erstens: Anleger kaufen nicht Aktien von einem oder wenigen anderen Unternehmen, sondern einen oder besser mehrere Aktienindizes wie etwa den Dax. Der enthält die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Der amerikanische Standard & Poor’s 500 umfasst die 500 wichtigsten Unternehmen der Vereinigten Staaten, der MSCI World mehr als 1000 Aktien aus den Industriestaaten.

Wer in solche Indizes zum Beispiel über Indexfonds (ETF) investiert, muss sich über die Krise eines einzelnen Unternehmens oder einer speziellen Branche weniger Sorgen machen. Andere erfolgreichere Firmen kompensieren das. Und je schlechter der Aktienkurs, desto weniger Bedeutung hat das Krisenunternehmen für die Wertentwicklung des Index. Manch eines muss sogar den Index verlassen und belastet ihn dann gar nicht mehr.

Im schlechtesten Fall fünf Prozent Rendite

Zweite Voraussetzung für den Erfolg mit Aktien ist: Anleger müssen Zeit mitbringen. Das haben Berechnungen des VZ Vermögenszentrums für diese Zeitung. gezeigt. Es analysierte die Wertentwicklung des kompletten Dax für jeden beliebigen Anlagezeitraum seit 1970. Das erstaunliche Resultat: Wer mindestens 14 Jahre in den Index investiert hat, hat in der Vergangenheit noch nie einen Verlust gemacht. Selbst wenn er kurz vor einem Crash gekauft hat.

Infografik / Dax Anleger / Einzelaktien können hohe Verluste bringen © F.A.Z. Vergrößern

Nach 20 Jahren hat er sogar im schlechtesten Fall fünf Prozent Rendite im Jahr erzielt – und damit mehr als sichere Anleihen. Im Durchschnitt waren es acht Prozent im Jahr, im besten Fall sogar zweistellige Renditen (siehe Grafiken) – dazu allerdings ist ein perfektes Timing notwendig. Dieses Ergebnis zeigt auch, dass für Langfristsparer Fonds oder Zertifikate, welche die Einzahlungen garantieren, sinnlos sind. Die Garantie kostet Rendite und verspricht eine Sicherheit, die man an der Börse sowieso hat.

Wer regelmäßig spart, indem er zum Beispiel jeden Monat über einen Sparplan Anteile eines Dax-Indexfonds (ETF) kauft, der erwirtschaftet in der Regel noch höhere Renditen. Wer etwa zum Dax-Höchststand 2007 kurz vor der Finanzkrise einstieg, hat nach einigen Verlustjahren mittlerweile knapp 15 Prozent verdient.

Reine Psychologie

Wer zum gleichen Zeitpunkt einen Sparplan einrichtete und monatlich in den Dax investierte, hat das Doppelte an Gewinn erzielt. Das liegt daran, dass man bei einem Sparplan für den konstanten Geldbetrag bei niedrigen Kursen mehr Anteile erhält, in teuren Börsenphasen aber weniger. So bildet sich ein attraktiver Durchschnittskaufkurs, und man mindert die Gefahr, genau kurz vor einem Crash zu Höchstpreisen zu kaufen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anlagen Indexfonds werden populärer

Immer mehr Privatanleger nutzen Indexfonds verstärkt für ihre Altersvorsorge. Doch was genau sind Indexfonds und wieso wird eine weitere Ausweitung des Marktes erwartet? Mehr Von Daniel Mohr

24.05.2016, 10:30 Uhr | Finanzen
Finanzen Die deutsche Sparer-Seele

Wäre da nicht schon der Adler, dann hätte mit Sicherheit das Sparschwein einen Platz im deutschen Wappen gefunden. Sparen liegt den Deutschen im Blut. Und daran wird auch unverdrossen festgehalten: Woher kommt dieser Drang der Deutschen, für schlechte Zeiten etwas zurückzulegen? Mehr

04.05.2016, 16:37 Uhr | Finanzen
Fondsriese Blackrock Wir nehmen Einfluss auf die Firmen dieser Welt

Blackrock ist die größte Fondsgesellschaft der Welt. Deutschland-Chef Christian Staub spricht über seine Macht und warum der Dax am Jahresende viel höher steht als heute. Mehr

25.05.2016, 11:31 Uhr | Finanzen
Abgeltungssteuer unter Beschuss Wie gerecht sind die 25 Prozent?

Auf Zinsen und Dividenden zahlt man 25 Prozent Steuern – zu wenig, sagt die SPD und fordert mehr Geld. Die Abgeltungssteuer steht damit abermals zur Debatte. Wir haben fünf Vorschläge geprüft. Mehr Von Dyrk Scherff

15.05.2016, 11:04 Uhr | Finanzen
Venezuela Pokern in den Schwellenländern

Jean-Jacques Durand investiert für Edmond de Rothschild da, wo andere sich zurückziehen – vor allem aber in Venezuela. Unberechenbares Risiko oder raffinierte Taktik? Mehr Von Tim Kanning

21.05.2016, 11:39 Uhr | Finanzen

Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche