26.02.2006 · Die Dax-Konzerne werden dieses Jahr so viel ausschütten wie noch nie: 21 Milliarden Euro. Und die Dividendenrediten sind hoch. Das macht Aktien derzeit unschlagbar.
Von Dyrk ScherffEs wird ein Rekordjahr: 21 Milliarden Euro - soviel werden die 30 Unternehmen im Dax bis zum Sommer an Dividenden ausschütten. Damit wird das schon sehr positive vergangene Jahr noch einmal übertrumpft.
Mit durchschnittlich 2,5 Prozent Dividendenrendite - also Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs - bieten die Dax-Werte schon fast soviel wie die Kupons von Anleihen. Die besten vier rentieren sogar höher, als eine zehnjährige Bundesanleihe an Zinsen bringt - und bieten zudem noch die Chance auf Kursgewinne (siehe Infografik). Spitzenreiter mit einer Rendite von mehr als sieben Prozent ist Eon. Diese Höhe ist allerdings auch für den Versorger eine Ausnahme, denn angesichts hoher liquider Mittel nach mehreren Unternehmensverkäufen gönnt das Unternehmen seinen Aktionären eine Sonderausschüttung. Neben Eon machen das auch Thyssen-Krupp und BMW. Berücksichtigt man das, steigt die durchschnittliche Dividendenrendite im Dax sogar auf drei Prozent.
Im Vergleich zu Anleihen verlockend
Kein Wunder also, daß dividendenstarke Aktien weiter gefragt sind. In den vergangenen Jahren haben sie den Durchschnitt des Dax deutlich geschlagen. Das zeigt die Entwicklung des Div-Dax, der die 15 Dax-Titel mit der höchsten Dividendenrendite umfaßt (siehe Infografik).
„Ein Grund für die Attraktivität hoher Dividenden waren die niedrigen Anleihezinsen“, erläutert Gerhard Schwarz, Leiter der Aktienstrategie bei der Hypo-Vereinsbank. Und auch für dieses Jahr ist er optimistisch, daß die überdurchschnittliche Entwicklung andauert. „Geht man davon aus, daß der Aktienmarkt 2006 nicht mehr so große Sprünge macht wie 2005 und sich vielleicht sogar eher seitwärts bewegt, sind Aktien mit hoher Dividende interessant.“ Denn sie liefern Erträge auf dem Niveau der Rentenmärkte - freilich mit der Chance auf Kursgewinne, aber auch dem Risiko auf Verluste.
Hauptgrund für die hohen Dividenden ist der starke Ergebnisanstieg der Unternehmen in den vergangenen Jahren. „Gleichzeitig hat die erfolgreiche Restrukturierung und damit Kostensenkung vieler Gesellschaften die Gewinnmargen fast auf das Niveau des Boomjahres 2000 gebracht“, begründet Steffen Neumann, Aktienanalyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, die positive Entwicklung.
Am besten in Europa umsehen
Aber: Die Dividenden sind nicht so stark gestiegen wie die Gewinne. Die Unternehmen bilden ein Polster für schlechte Zeiten, denn Dividendenkürzungen sehen Anleger ungern. Wer auf dividendenstarke Aktien setzt, sollte sich am besten auf europäischer Ebene umsehen. „Der Euro Stoxx 50 bietet mit durchschnittlich drei Prozent Dividendenrendite mehr als der Dax“, sagt Schwarz von der Hypo-Vereinsbank. Mit mehr als vier Prozent zahlen Telekomwerte in Europa derzeit am meisten. Attraktiv sind auch Banken- und Ölaktien.
In Deutschland sollten Anleger den Dax bevorzugen. Denn im M-Dax bieten die Unternehmen im Schnitt nur 1,5 Prozent - im Vergleich zu 2,5 Prozent im Dax. Fast gar keine Dividenden zahlen die Werte im Tec-Dax. Das ist auch nicht überraschend, denn sie sind vor allem Wachstumsunternehmen, die ihre Gewinne in die weitere Expansion stecken.
Von hohen Dividenden läßt sich nicht nur über ein Investment in Einzelwerte profitieren. Auch die Fonds- und Zertifikateindustrie ist hier aktiv. So gibt es Produkte, die den Verlauf des Div-Dax oder anderer Indizes mit dividendenstarken Werten 1:1 abbilden - sogenannte passive Investments. Hinzu kommen von Fondsmanagern aktiv verwaltete Fonds, die die besten unter den Aktien mit hohen Ausschüttungen suchen. Eine Strategie, die offenbar nicht ganz aufging: „Passiv gemanagte Fonds waren zuletzt besser“, sagt Schwarz.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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