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Aktie Wall Street wertet Börsengang von Google als Erfolg

20.08.2004 ·  Den Börsengang der Internetsuchmaschine wird trotz mehrerer Fehltritte im Vorfeld an der Wall Street insgesamt als Erfolg gewertet. Das Auktionsverfahren bleibt aber umstritten.

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Der Börsengang der Internetsuchmaschine Google ist trotz mehrerer Fehltritte und Verzögerungen im Vorfeld an der Wall Street insgesamt als Erfolg gewertet worden. Der Kurs der Google-Aktien war am ersten Handelstag um 18 Prozent auf 100,34 Dollar gestiegen. Am Freitag legte der Kurs abermals um zeitweise 4 Prozent auf 104,25 Dollar zu.

Google hatte zwar zuvor den Ausgabepreis von ursprünglich maximal 135 Dollar auf 85 Dollar reduziert. Aber vor dem Hintergrund der derzeit allgemein schwachen Kursentwicklung bei Technologieaktien galt der Kurssprung als Überraschung. "Es ist eine angenehme Überraschung. Ich dachte, der Kurs würde mit bescheidenen Gewinnen eröffnen und dann ziellos umherirren", sagte Dan Chang, Präsident des Vermögensverwalters Fred Alger.

Erinnerungen werden wach

Der Kurssprung am ersten Handelstag bei sehr hohen Umsätzen erinnerte ein wenig an die Kursentwicklung von Internetaktien während der Hausse der späten neunziger Jahre. Damals waren starke Kurssteigerungen bei Börsengängen (IPOs) der Regelfall gewesen. Google wollte dies allerdings durch das Auktionsverfahren verhindern, um möglichst viel Eigenkapital aufnehmen zu können und spekulativen Handel zu begrenzen. "Es schien, als ob der ganze Sinn der Auktion darin bestand, diese starke Kursbewegung zu vermeiden", sagte Barry Randall, Fondsmanager beim First American Technology Fund. "Es hat ganz klar nicht so funktioniert, wie die Geschäftsführung von Google es geplant hatte", sagte Randall weiter. Bei traditionellen IPO-Verfahren setzen Investmentbanken den Preis fest und plazieren die neuen Aktien bei meist institutionellen Investoren.

Nach dem Ende der Börsenhausse war den Banken vorgeworfen worden, die Preise oft absichtlich zu niedrig angesetzt zu haben. Das war ein Nachteil für die IPO-Kandidaten, die bei einem höheren Emissionspreis mehr Kapital hätten aufnehmen können. Google wollte mit dem Auktionsverfahren einen besseren Preis erzielen. Gleichzeitig wollten die Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin, mit der direkten Versteigerung der Aktien Privatanleger beteiligen, die bei traditionellen Börsengängen meist leer ausgingen. Insgesamt nahm Google 1,67 Milliarden Dollar Eigenkapital auf. Am ersten Tag wurden 22 Millionen Aktien gehandelt, das sind mehr als die 19,6 Millionen Aktien, die emittiert wurden.

Auktion hat Zukunft

Einige Fachleute rechnen nun damit, daß das Auktionsverfahren Schule machen wird. Das könnte die Erträge der Investmentbanken schwächen, deren Rolle bei einer Auktion deutlich geringer ist. "Das bedroht die hohen Profite, die die Wall Street über Generationen hinweg gemacht hat", kommentierte Sam Hayes, emeritierter Professor für Investmentbanking an der renommierten Harvard Business School.

Nach Ansicht von Hayes werden Börsengänge mittels einer Auktion nach und nach das traditionelle IPO-Verfahren ablösen. John Coffee, Professor für Wertpapierrecht an der New Yorker Columbia-Universität, äußerte sich ähnlich. "Die Wall Street mag keine Auktionen und wollte, daß diese fehlschlägt. Aber das ist nicht eingetreten. Es wird weitere Auktionen geben", sagte Coffee. Allerdings wird mit Widerstand der Investmentbanken gerechnet, die an der Google-Auktion nur die Hälfte ihrer üblichen Gebühren verdient haben.

Auch Kritik

Das Auktionsverfahren von Google war in den vergangenen Wochen allerdings durch einige Fehltritte des Unternehmens ins Gerede gekommen. So hatte es aufgrund logistischer Probleme Verzögerungen gegeben.

Anleger kritisierten zudem die zuerst genannte Preisspanne von 108 Dollar bis 135 Dollar als zu hoch. Für Verwirrung sorgten zudem die unterschiedlichen Anforderungen an Anleger bei den 28 Konsortialbanken. So gab es etwa unterschiedliche Größen für Mindestorders.

Quelle: nks / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2004, Nr. 194 / Seite 17
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