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Aktie im Blick Schwierige Aufgaben für den neuen Vorstandsvorsitzenden

Mark Cutifani hat sich viel vorgenommen. Der künftige Vorstandsvorsitzende von Anglo American will das krisengeschüttelte Unternehmen zum „besten Rohstoffkonzern“ der Welt machen

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Das hören Anleger gerne, zumal sie bisher wenig Freude mit Anglo-Aktien hatten. In den vergangenen fünf Jahren verloren die Papiere an der Börse 27 Prozent an Wert. Der Aktienkurs von Konkurrent BHP Billiton legte in der gleichen Zeit um 21 Prozent zu. Wegen der enttäuschenden Entwicklung kündigte die bisherige Anglo-Vorstandschefin Cynthia Carroll im Oktober ihren Rücktritt an.

Konzern mit Tradition

Claudia Bröll Folgen:  

Anglo American ist einer der traditionsreichsten und größten Rohstoffkonzerne der Welt. Das Unternehmen wurde während der Zeit des Goldrausches 1917 in Johannesburg von Ernest Oppenheimer gegründet und entwickelte sich während der Zeit der Rassentrennung zum größten Unternehmen Südafrikas. 1999 zog der Konzern nach London. Er fördert heute auf der ganzen Welt Kupfer, Nickel, Eisenerz und Kohle und ist auch am größten Platinförderer der Welt, Anglo Platinum, mit knapp 80 Prozent beteiligt. Vor kurzem stockte Anglo American außerdem den Anteil am Diamantenkonzern De Beers auf 85 Prozent auf. Vom Goldgeschäft, das den Konzern einst groß gemacht hatte, hat er sich vor einigen Jahren verabschiedet.

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Das breite Rohstoffangebot und die internationale Diversifizierung gelten an der Börse als größte Vorzüge des Konzerns. Vergleicht man den aktuellen Aktienkurs mit den langfristig erwarteten Erträgen aus den Projekten, so ist die Aktie derzeit niedrig bewertet. Relativ zu den jüngsten Gewinnen jedoch ist sie teurer als die Aktien vieler Konkurrenten.

Neuer Chef mit gutem Ruf

Cutifani ist als bisheriger Chef des Goldförderers Anglo Gold Ashanti bei Anlegern hoch angesehen. Auf die Nachricht seiner Ernennung hin legte der Aktienkurs von Anglo American sogleich zu. Allerdings warten auf ihn schwierige Aufgaben. Da ist zum Beispiel das Eisenerzprojekt Minas-Rio in Brasilien, das zu einem Fiasko zu werden droht. Schon fünf Mal wurden die Kostenschätzungen nach oben revidiert, ständige Verzögerungen machen zu schaffen. Analysten halten es für möglich, dass Anglo American bald zu hohen Wertberichtigungen gezwungen sein könnte, ähnlich wie in dieser Woche der australisch-britische Förderer Rio Tinto.

Noch mehr Sorgen bereitet das frühere Heimatland Südafrika, wo Streiks im vergangenen Jahr den Betrieb in den Platingruben monatelang stillgelegt haben. Jetzt kündigte Anglo Platinum an, Minen zu schließen und die Belegschaft um ein Viertel zu reduzieren. Das mag dem Aktienkurs helfen. Das Risiko eines Aufflackerns neuer Arbeitskämpfe aber ist damit gestiegen. Auch mit der Regierung und den Gewerkschaften hat es sich Anglo erst einmal verscherzt. Ohnehin beklagen Minenkonzerne in Südafrika eine zunehmend wirtschaftsunfreundliche Politik. Das drückt auf die Kurse sämtlicher in dem Land engagierter Unternehmen.

Südafrika-Geschäft der größte Umsatzbringer

Deswegen würden viele Anleger gerne eine Trennung des Südafrika-Geschäfts von den übrigen Aktivitäten von Anglo American sehen. Die Bergwerke in Südafrika steuern ungefähr ein Drittel zum Umsatz bei. „Eine Trennung von dem Edelmetall oder eine Abkehr von Südafrika würde den Marktwert von Anglo sicherlich steigern“, schätzt Daniel Sacks, Rohstoffexperte bei Investec Asset Management in Kapstadt.

Das übrig bleibende Unternehmen wiederum könnte zu einem interessanten Übernahmeobjekt für Konzerne wie Rio Tinto oder das fusionierte Unternehmen aus Glencore und Xstrata werden. Das dürfte aber noch Zukunftsmusik sein. Allgemein wird erwartet, dass sich Cutifani zuerst um eine Sanierung der Problemsparten bemüht.

Was der australische Manager tatsächlich vorhat, werden die internationalen Anleger erst mehrere Wochen oder Monate nach seinem Amtsantritt im April erfahren. „Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium“, sagt David Shapiro vom Finanzdienstleister Sasfin im südafrikanischen Johannesburg, „in der Zwischenzeit gibt es in der Rohstoffbranche sicherlich interessantere Optionen.“

Viele Anleger sähen gerne eine Abtrennung des Geschäfts in Südafrika.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.01.2013, 10:44 Uhr

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