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Air-Berlin-Anleihe Für spekulative Anleger interessant

26.10.2011 ·  Die neue Anleihe der Fluggesellschaft Air Berlin kommt mit einem sehr hohen Kupon von 11,5 Prozent. Allein das zeigt schon, dass sie als spekulativ eingestuft werden muss.

Von Martin Hock
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Air Berlin mausert sich langsam zu einem sehr aktiven Emittenten. Zum vierten Mal in diesem Jahr will die Fluggesellschaft den Anleihemarkt anzapfen. Diesmal sollen es in einem ersten Schritt 100 Millionen Euro sein, die das Unternehmen bei den Anlegern einsammeln will. Sie soll am 1. November ausgegeben und drei Jahre später zurückgezahlt werden. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis diesen Freitag. Insgesamt könne das Volumen auf bis zu 150 Millionen Euro steigen.

Spitzen-Rendite

Mit einem Kupon von 11,5 Prozent plaziert sich das Unternehmen unter Renditegesichtspunkten am deutschen Markt damit ganz weit vorne. Nur wenige Anleihen, beispielswiese von der griechischen Telekommunikationsgesellschaft OTE oder dem deutschen Armaturenhersteller Grohe rentieren in diesem Laufzeitenbereich höher. Selbst unter den Mittelstandsanleihen am Bond-M rentieren nur vier Anleihen höher – eine davon ist das 2018 fällige Papier der Airline, das mit 13,4 Prozent rentiert.

Spätestens seit dem Rücktritt des Firmengründers Joachim Hunold Ende August ist klar, dass das Unternehmen Air Berlin angeschlagen ist. Die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal legten offen, dass das Unternehmen auch im operativen Geschäft stark unter Druck steht.

Denn im wichtigen Sommerquartal stieg zwar der Umsatz, vor allem dank der Übernahme der österreichischen Fluglinie Niki, doch der Betriebsgewinn sackte um fast die Hälfte auf 97 Millionen Euro ab.

Verschuldung hat deutlich zugenommen

Dabei haben sich die Verschuldungskennziffern nicht verbessert. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens lag zum Ende des dritten Quartals 2010 bei 22 Prozent, zum Jahresende etwas darunter und war zum 30. Juni auf nur noch 11,7 Prozent gefallen. Diese Entwicklung führte das Unternehmen seinerzeit auf ein saisonal schwaches Geschäftsquartal sowie die Unruhen in Nordafrika zurück. Das operative Ergebnis betrug im zweiten Quartal 142 Millionen Euro, betrieblich war ein Verlust von 32 Millionen Euro angefallen. Es steht daher zu hoffen, dass die Eigenkapitalquote zum 30. September nicht weiter gefallen ist.

Die Netto-Finanzschulden betrugen zum 30. Juni rund 346 Millionen Euro. Angesichts eines prognostizierten operativen Gewinns (Ebitda) von 9,5 Millionen Euro ergibt dies einen sehr hohen Verschuldungsgrad. Auch wenn man diesen noch einmal um Restrukturierungskosten bereinigt, liegt dieser sehr hoch.

Das erklärt auch den hohen Kupon, der knapp 9,5 Prozentpunkte über dem Referenzzinssatz der Banken liegt. Für die fünfjährige Anleihe im November 2010 zahlte Air Berlin einen Aufschlag von 6,4 Prozentpunkten, im April 2011 für eine siebenjährige Anleihe 4,75 Prozentpunkte, also in beiden Fällen deutlich weniger.

Anleihentausch als Übernahmeschutz?

Mit dem Erlös aus der neuen Anleihe will Air Berlin eine Wandelanleihe aus dem Jahr 2007 im Volumen von 220 Millionen Euro teilweise zurückkaufen. Insofern wird zwar die Verschuldung nicht in derselben Höhe steigen. Kurzfristig aber würde die Zinslast für das zurückgekaufte Volumen deutlich steigen, nämlich von 1,5 auf 11,5 Prozent. Am meisten Sinn ergibt das Vorgehen als Vorbeugung gegen mögliche Übernahmeversuche von Hedge-Fonds.

Denn die Wandelanleihe ist eine typische institutionelle Anleihe mit einer Stückelung von 100.000 Euro. Wird dieses gegen eine Kleinanleger-Anleihe getauscht, wird den Gläubigern Macht entzogen. Zudem ist die neue Anleihe nicht wandlungsfähig und kann im Zuge einer Übernahme sofort fällig gestellt werden.

Auch das rundet das Bild eines angeschlagenen Unternehmens ab. Anleger, die bereit zu spekulativen Engagements sind, haben damit eine neue Anlage-Alternative. Sie müssen sich aber auch darüber im Klaren sein, dass die angestrebte Sanierung fehlschlagen kann. Vieles wird sich 2012 schon entscheiden. Commerzbank-Analyst Johannes Braun erwartet ein hartes Jahr.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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